Samstag, 28. August 2010

Windmühlen


Nach einer längeren Pause bin ich heute wieder einmal zur sakramentalen Aussetzung gegangen. Nicht daß ich zwischenzeitlich nicht die Gelegenheit zur Anbetung gesucht hätte, nur eben nicht am nämlichen Ort – dort ist es im Sommer nämlich noch unruhiger als sonst. Indes fehlten mir die regelmäßigen Stelldicheins am Samstagnachmittag, also dachte ich, versuchs doch wieder. Und – Überraschung! – es ist immer noch dasselbe. Das „Ich lächle dem Herrn zu, und er lächelt mir zu“ wird einem dort irgendwie wirklich nicht leicht gemacht. Die meisten der sonstigen regelmäßigen Beter scheinen ebenfalls die Flucht ergriffen zu haben oder im Urlaub zu sein, ich habe nur ein bekanntes Gesicht gesehen.

Selbst wenn man die Geräusche der unvermeidlichen Touristengruppen in der Oberkirche ausblendet und sich darauf beschränkt, besichtigungswillige Gruppen, die sich anschicken, angesichts von Monstranz, Kerzen und Betern trotzdem unverdrossen zur Krypta hinunterzusteigen, im Flüsterton wieder hinaufzubitten, bleiben die, denen einfach alles egal ist, auch daß sie stören, die mit einem eleganten Hüftschwung am Allerheiligsten vorbeiflanieren, um beim heiligen Antonius etwas einzuwerfen, sich über einem Stadtplan oder einem Brief ausführlich zwanzig Minuten lang austauschen – man hat ja sonst so wenig Gelegenheit dazu – oder eben einfach besichtigen, um jeden Preis. Wir sind doch kein Museum! (Obwohl ich vermute, daß manche Besucher sich dort noch unauffälliger gebärden würden, weil sie Bedenken hätten, einer der allgegenwärtigen Museumswächter setzte sie vor die Tür. In einer Kirche braucht man dergleichen nicht zu fürchten, also kann man sich offenbar genausogut benehmen, wie es einem eben gerade einfällt.) Am liebsten möchte man ihnen manchmal sagen: Es ist der Herr!

Heute kam ca. eine Minute vor dem sakramentalen Segen eine Gruppe die Treppe herunter. Auf Nachfrage wurde erklärt, man sei aus Polen und mit einem Priester da. (Es wurde übrigens keiner gesehen, der Klerikerkleidung trug. Genau genommen habe ich bei der Gruppe nichtmal einen Mann gesehen.) Die Bitte, sich schnell hinzuknien, gleich käme der Priester zum sakramentalen Segen, hielt die Damen nicht davon ab, erst noch ein paar Filmaufnahmen der Kuppel für heimische Archiv (oder YouTube, wer weiß das schon) zu drehen. Zu diesem Behufe drehte man dem lieben Herrgott den Rücken zu, umrundete die Altarinsel und kegelte den einziehenden Weihrauchfaßträger in Gestalt des Küsters aus dem Weg, der stoisch Schlangenlinien gehen mußte. Der Priester wies darauf hin, es gäbe gleich den sakramentalen Segen (wieso kam ich mir dabei eigentlich vor wie in einem Zirkus mit zwei Manegen?). Obwohl das eigens auf Polnisch übersetzt wurde, stiegen die Damen trotzdem weiter auf den Treppen auf und nieder wie die Engel auf der Jakobsleiter – mit dem Unterschied, daß Engel wahrscheinlich bedeutend leiser sind oder wenigstens himmlische Choräle singen. Noch während des unmittelbar anschließenden Angelusgebets waren einige schon wieder weg, die anderen wenig später, unter schallend lautem Geplauder. Ich denke, die Polen sind so katholisch?

Liebe Damen, nächstens stellen wir bei der Andacht ein durchgestrichenes Foto von eurer Gruppe auf den Treppenabsatz, mit der Aufschrift „Wir müssen leider draußen warten!“

Im Ernst – in die Kirche und zum Herrn kommen der Stille und Einkehr wegen, aber dann ist kein Raum für Stille und Einkehr, weil man irgendwann doch anfängt, sich zu ärgern? (Ich fühle schon, wie ich innerlich zum Polizeihund mutiere.) Zur sakramentalen Aussetzung mit Oropax oder gar Scheuklappen? Anderswohin? Wo ist samstagnachmittags noch Aussetzung? So kann es jedenfalls nicht weitergehen, es hieße, gegen Windmühlen kämpfen.

BdL, die Arie Ich habe geeifert für den Herrn intonierend.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

zumindest gibt es in Berlin hier: http://www.st-paulusberlin.de/
noch Aussetzung. Allerdings freitagabends. Außerdem soweit ich weiß auch 2 x im Jahr eine Anbetungsnacht. Wenn ich mich recht erinnere zum 8.12. , das zweite Mal weiß ich nicht mehr, ist aber eher im Juni (Herz Jesu?). Auch zum Fest des Hl.Thomas v Aquin findet dort Anbetung statt, allerdings nicht inbedingt am Tag sondern evtl am nächstliegenden Sonntag.
Gabriele

Ulrich hat gesagt…

Ich habe kurz gegoogelt,
offenbar gibt es in Berlin samstags Anbetung in St. Kamillus von 17.00 - 18.30 Uhr, in St. Bonifatius jeden 1. Sa im Monat nach der Vorabendmesse 19.30 - 24.00 Uhr,
im Karmelitenkloster St. Theresia Sa. 15.30 - 16.30 Uhr Vesper mit Anbetung,
und in St. Clemens täglich 24h ewige eucharistische Anbetung.

Braut des Lammes hat gesagt…

Vielen Dank für die Hinweise. St. Clemens hat sich als gute Lösungi herausgestellt.

.U. hat gesagt…

Hmm, bei euch findet sich wenigstens eine Übersicht, bei uns sucht man so etwas
http://www.erzbistumberlin.de/pfarrgemeinden/eucharistische-anbetung/
vergebens. (Geschweige denn 24h-Anbetung in der Bischofsstadt ... der nächste Ort, wo das angeboten wird, scheint Altötting zu sein. Leider kommt man da so schlecht mal eben mit dem Fahrrad hin.)

Braut des Lammes hat gesagt…

So schlecht ist Berlin nicht :}

Hmm. Findet man sich hier
www.liturgie-muenchen.de/Download/rf6-Kalendarium.pdf
nicht irgendwie durch?

Oder wie sieht es hier
http://www.serviten.de/servitinnen_muenchen/anbetung.html
aus?

.U. hat gesagt…

Hmm, dahin brauche ich mit dem Auto eine Stunde.
Ich bin nicht in München, sondern in Augsburg ;)

.U. hat gesagt…

Natürlich gibt es auch bei uns ein Direktorium mit den Zeiten, nur findet die ewige Anbetung wegen der großen Ausdehnung des Bistums und der Bevölkerungsverteilung selten in Augsburg und Umgebung selbst statt, sondern in Dörfern, von denen ich vor dem Blick ins Direktorium jeweils noch nicht wusste, dass es sie gibt, geschweige denn, dass sie erreichbar wären.
Vielleicht sollte ich mich mal an den Bischof wenden und darum bitten, dass irgendeine Kapelle dafür bereitgestellt wird. Aber bei uns ist es sowieso schon offenbar unmöglich, an normalen Tagen nach 8 Uhr eine geöffnete Kirche zu finden.

Braut des Lammes hat gesagt…

Axo – von hier aus gesehen ist das alles Norditalien. Herzlichen Glückwunsch übrigens, fiel mir grad auf… :)

Zur ewigen Anbetung biete ich dann die Franziskanerinnen von Maria Stern.

.U. hat gesagt…

Glückwunsch wegen Abi?

Maria Stern: Öh. Habe ich übergooglet. Danke ...

.U. hat gesagt…

fail. natürlich habe ich namenstag, dazu gratuliert man mir ja auch schon den ganzen tag ...

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