Donnerstag, 5. August 2010

Stundengebet – beten mit der Kirche

Commentarium catholicum commenthiert kommentiert die aktuelle Diskussion auf verschiedenen Blogs (hier, und hier) zum Stundengebet.

Besser hätte ich es auch nicht sagen können. Vorweg, ich bin weder Historiker noch Kirchenrechtler – da gibt es Berufenere, die zu dieser Frage ja auch Aussagen trafen, indem sie Stundenbücher herausgaben und selbige approbierten.

Ein paar kleine Anmerkungen:

Meiner (unmaßgeblichen) Meinung nach hat es in der Kirche schon immer eine gewisse Vielfalt in Form und Art gegeben, wie das Stundengebet gefeiert wurde. Da gab es das Chorgebet der monastischen Orden, das gemeinschaftlich und feierlich vollzogen wurde, in manchen Orden mit vom Nachtoffizium unterbrochener Ruhe. In anderen Orden oder Kongregationen war es möglich, Gebetszeiten außerhalb des Chores zu verrichten, wenn dies die Arbeitszeit erforderte. Es gab Zeiten und Gemeinschaften, in denen die sogenannten Laienschwestern oder -brüder einzelne Gebetszeiten in Vaterunsern beteten (noch Mary Francis Aschmann PCC berichtet dies 1956 in Bezug auf die Torschwestern der Armen Klarissen).

Allen Formen des Stundengebets gemeinsam ist der Wunsch der Kirche, das Lob Gottes rund um den Erdball nicht abreißen zu lassen und den gesamten Tag, alles Tun und Denken vom Gebet durchdringen zu lassen.

Darauf, daß es dabei immer schon eine große „Uneinheitlichkeit“ wegen eigener Riten und eigener Kalender innerhalb der Weltkirche gab, wurde schon völlig zu recht hingewiesen. In der heutigen Zeit sind mit der Nutzung des Internets und mobiler Geräte Möglichkeiten hinzugekommen, vor denen manchmal selbst Kardinäle staunend stehen. Ich hatte mich zwischendurch schon mal etwas flapsig gefragt, ob bei einer der nächsten Weihen bei der Übergabe des Stundenbuchs der Virgo anstelle des gefühlten Backsteins (= großes Stundenbuch – meine Version) ein mobiles Endgerät übergeben wird. Aber nein! Solange es sich um von der Kirche zugelassene liturgische Texte handelt, ist all diese Vielfalt kein Problem.[1]

In Sacrosantum concilium heißt es[2]:
Das Stundengebet ist nach alter christlicher Überlieferung so aufgebaut, daß der gesamte Ablauf des Tages und der Nacht durch Gotteslob geweiht wird. Wenn nun die Priester und andere kraft kirchlicher Ordnung Beauftragte oder die Christgläubigen, die zusammen mit dem Priester in einer approbierten Form beten, diesen wunderbaren Lobgesang recht vollziehen, dann ist dies wahrhaft die Stimme der Braut, die zum Bräutigam spricht, ja es ist das Gebet, das Christus vereint mit seinem Leibe an seinen Vater richtet. (Sacrosanctum Concilium)
Wir haben heute neben dem monastischen Stundenbuch (etwa der Benediktiner) das römische Stundenbuch, das in einer großen dreibändigen und einer Ausgabe als kleines Stundenbuch mit vier Bänden (Festkreise und ein Band für die Heiligengedenktage extra) herausgeben wurde. Sowohl das große als auch das kleine römische Stundenbuch folgen demselben Zyklus mit vier Lesewochen. Das kleine Stundenbuch ist für all jene gedacht, die nur einige Tagzeiten beten: Laudes, Vesper und die Sonntagskomplet sind mit der kleinen Ausgabe möglich. Wer mehr Tagzeiten betet, braucht das große Stundenbuch, diejenigen, die die Matutin beten, darüber hinaus auch noch die Lektionare (schon bei den Lesungen zur Matutin kann übrigens variiert werden, also auch hier keine Einheitlichkeit).

Seit einigen Jahren kann das alte lateinische Brevier wieder verwendet werden, das meines Wissens allerdings auch zuvor schon von denen weiterverwendet werden durfte, denen man die Umstellung auf das jetzige römische Stundenbuch etwa wegen des Alters nicht mehr zumuten wollte.

Unglücklich ausgedrückt sind in Bezug auf das Stundengebet Formulierungen, die zumindest den Anschein erwecken, es gebe quasi ein unterschiedliches Stundengebet für die Kleriker und die Laien. Kleriker und Laien beten mit dem gleichen Stundenbuch, in derselben Verteilung der Psalmen auf vier Lesewochen. Richtig ist, daß Kleriker und diejenigen im Stand des geweihten Lebens zum Stundengebet verpflichtet sind – wenn man das eine Verpflichtung nennen will. Sie alle vollziehen damit Liturgie im Namen und direkten Auftrag der Kirche.

Mit der Möglichkeit, den Psalter auf vier Lesewochen zu verteilen, wie es im römischen Stundenbuch und dem dazu gehörenden Antiphonale geschehen ist, wollte die Kirche vor allem die Priester entlasten, zum anderen war es ihr ein Anliegen, daß die jeweiligen Tagzeiten möglichst etwa zu der Zeit des Tages gebetet werden, zu der sie auch vorgesehen sind, das heißt, daß nicht ein überbürdeter Gemeindepfarrer mitten in der Nacht „gesammelte Gebetszeiten“ antizipieren oder nachholen muß, damit er überhaupt noch Land sieht.

Und noch etwas: wie sehr manche die Prim, bei der in den Klöstern traditionell das Martyrologium des liturgischen Tages vorgetragen wurde, auch vermissen mögen: die Kirche nennt in ihren Ausführungen über das Stundengebet Laudes und Vesper Angelpunkte dieser Liturgie.[3] Wer die Prim weiterhin beten möchte, mag dies tun – die Kartäuser tun es ja auch. Die Empfehlung eines Gebetbuchs der Piusbruderschaft für Laien, das Prim, Vesper und Komplet enthält, scheint aber schon aus genau dem Grund ungeeignet, der Ausgangspunkt der jeweiligen Exkurse war: die eigene Stimme mit dem Gebet der Kirche zu erheben. Und darum geht es beim Stundengebet.

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[1] Was auch bedeutet, daß es heute nicht mehr möglich ist, einzelne Tagzeiten in Vaterunsern zu beten.

[2] Hervorhebung von mir.

[3] Vor allem sollen sie jenen Gebetsstunden das gebührende Gewicht beimessen, die gleichsam die Angelpunkte dieser Liturgie sind, nämlich Laudes und Vesper. Sie dürfen diese Gebetsstunden nur aus schwerwiegenden Gründen unterlassen. (Allgemeine Einführung ins Stundenbuch, 29)

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