Montag, 23. August 2010

Hl. Rosa von Lima – Jungfrau


Stark wie der Tod ist die Liebe. Die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn. (Hohelied 8,6-7)

Die heilige Rosa wurde 1586 in Lima, der Hauptstadt Perus als Tochter einer verarmten spanischen Familie geboren. Ihr Taufname lautete Isabella, wegen ihres Aussehens gab man ihr jedoch schon als kleines Kind den Beinamen Rosa.

Schon früh zeigte das freundliche und stille Mädchen eine ungewöhnliche Duldsamkeit im Leiden. Als sie sich beim Schließen einer Truhe den Daumen quetschte, verbarg sie es solange klaglos, bis der Finger sich so entzündet hatte, daß der Arzt gezwungen war, ein Fingerglied zu amputieren. Bei einer anderen Gelegenheit, als sie sich einer sehr schmerzhaften ärztlichen Behandlung unterziehen mußte, gab sie keinen Laut von sich, obwohl sie vor Schmerz zitterte.

Als ihr älterer Bruder einmal beim Spiel eine Bemerkung über langes Haar und Zöpfe hinwarf, die er als "des Teufels Fallstricke für junge Männer" bezeichnete, ärgerte sie sich. Als sie später ewige Jungfräulichkeit gelobte, schnitt sich zum Zeugnis dessen ihr schönes langes Haar ab, da sie es als einen Quell der Eitelkeit betrachtete.

Ihre Mutter war sehr stolz auf Rosas Äußeres und schmückte sie mit Blumen und Bändern, Perlen und Korallenschmuck. Rosa ertrug dies geduldig, verbarg aber heimlich Dornen oder Nadeln unter den Blumenkränzen. Auch verachtete sie die eigene Schönheit, so daß sie einmal sogar Pfeffer auf ihrer Gesichtshaut verrieb.

Als sie ins heiratsfähige Alter kam, wurde Rosa ohne ihr Wissen dem Sohn einer reichen Witwe versprochen. Als sie davon erfuhr, weigerte sie sich unter allen Umständen, auch, als ihre Mutter sie deswegen schlug. Nachdem sie die Schriften der hl. Katharina von Siena gelesen hatte, nahm sie sich diese dominikanische Mystikerin zum Vorbild. Ihre Bußübungen, die sie der Bekehrung ihres Volkes und der Sühne für die Bluttaten der spanischen Eroberer aufopferte, begann Rosa, indem sie an drei Tagen der Woche fastete.

Im Alter von 20 Jahren erhielt sie die Einwilligung, in den dritten Orden des heiligen Dominikus einzutreten. Als Terziarin wohnte sie in einer Hütte im Garten ihrer Eltern. Zu diesem Zeitpunkt intensivierte sie ihre Bußwerke: sie aß sehr wenig, und wenn, dann nur einfachste Nahrungsmittel, schlief auf einem aus groben Brettern, Holzstücken und Tonscherben bestehenden Lager, das den Leib eher quälte als ihm Ruhe verschaffte, sie trug ein härenes Hemd, einen Gürtel und – in Nachahmung der hl. Katharina – eine Dornenkrone aus Eisen. Den Gürtel schloß sie ab und warf den Schlüssel weg, so daß sie ihn auch dann nicht mehr hätte abnehmen können, wenn sie gewollt hätte. Die Wunden, die die Dornenkrone verursachte, verbarg sie mit ihrem Schleier vor den Augen ihrer Mutter. Ihre Lebensordnung sah zehn Stunden Arbeit, zwölf Stunden Gebet und nur zwei Stunden Schlaf vor.

Als Folge dieser extrem asketischen Lebensweise litt sie oft unter großen Schmerzen und auch geistlicher Trockenheit, in denen sie daran zweifelte, daß sie eine unsterbliche Seele besäße. Zu anderen Zeiten sah sie sich zur Hölle verdammt, so daß sie ausrief: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Jeden Samstag schmückte sie den Altar einer Rosenkranzkapelle mit Blumen, die sie eigens für diesen Zweck gepflanzt hatte. Sie hatte es ebenso unternommen, dort ein Bildnis der Gottesmutter, für das sie eine große Verehrung hegte, zu schmücken, und für dieses ein "geistliches Kleid" aus Gebet und Fasten anzufertigen. Zu dieser Andachtsübung schrieb sie nieder:

Jesus, Maria,
das geistliche Kleid, das ich Sr. Rosa von der hl. Maria, unwürdige Dienerin der Engelskönigin mit ihrer Hilfe der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter bereite:
1. Ihre Tunika soll aus sechshundert Ave Marias, ebensovielen Salve Reginas und fünfzehn Fasttagen bestehen, zur Ehre der geistigen Freude, die sie empfand, als der Erzengel ihr die Menschwerdung des Wortes in ihrem keuschen Leib ankündigte.
2. Das Material für ihr dieses geheimnisvolles Kleid sollen aus sechshundert Ave Marias, fünfzehn Rosenkränze und 15 Fasttagen bestehen, zur Ehren der Freude, die sie empfand, als sie ihre Cousine Elisabeth besuchte.
3. Ich will es mit sechshundert Ave Marias, genausovielen Salve Reginas, fünfzehn Rosenkränzen und fünfzehn Fasttagen säumen, zur Ehre der Freude, die ihr Herz erfüllte, als der Sohn Gottes in die Welt kam.
4. Die Verschlüsse sollen aus sechshundert Ave Marias, sechshundert Salve Reginas und fünfzehn Fasttagen sein, zur Ehre ihrer Freude bei der Darstellung ihres Sohnes Jesus Christus im Tempel.
5. Ihr Halsband soll aus sechshundert Ave Marias, ebensovielen Salve Reginas, fünfzehn Fasttagen und fünfzehn Rosenkränzen bestehen, zur Ehre der Freude, als sie ihren Sohn im Tempel wiederfand. Das Zepter soll aus 33 Vaterunsern, 33 Rosenkränzen, 33 Gloria Patris und 33 Salve Reginas bestehen, zur Ehre der 33 Jahre, die Jesus Christus, wahrer Mensch und Gott, zu unserer Erlösung auf Erden verbrachte.

Etwas kleiner schrieb sie darunter:
Gott sei auf ewig verherrlicht und seine allerreinste Mutter, die Jungfrau Maria, verehrt von aller Kreatur. Ich habe dieses geistliche Kleid angefertigt und mich diesem Werk mit der Hilfe Gottes hingegeben, der meine Unvollkommenheit ergänzt hat.

Im Alter von 31 Jahre erkrankte Sr. Rosa, die sich sehr danach sehnte, auf immer mit Christus vereint zu sein, schwer. Am ganzen Körper gelähmt und fieberkrank, war sie dennoch bei klarem Bewußtsein und konnte ein letztes Mal die hl. Kommunion empfangen. Mit den Worten "Jesus, bleib bei mir" starb sie am 24. August 1617. Im Tode zeigte ihr Gesicht ein süßes Lächeln.

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