Sonntag, 22. August 2010

Maria Königin


Ave Regina coelorum,
ave Domina Angelorum
Save radix, salve porta,
ex qua mundo lux est orta.
Gaude Virgo gloriosa,
super omnes speciosa:
Vale o valde decora,
et pro nobis, Christum exora.


Meinst du nicht, daß Maria die mit der Sonne umgebene Frau ist? Gewiß verweist der Zusammenhang der prophetischen Sicht, dies von der gegenwärtigen Kirche zu verstehen; aber man kann dies auch zutreffend von Maria sagen: denn sie hat sich gleichsam mit einer anderen Sonne umgeben. Wie die geschaffene Sonne in gleicher Weise über Gute und Böse aufgeht, so sieht auch sie nicht auf frühere Verdienste, sondern erweist sich gegen alle einsichtsvoll, überaus gütig, und hat in weitherziger Liebe Erbarmen mit den Nöten aller. Sie ist über alle Mängel erhaben, und was immer gebrechlich oder verdorben ist, überragt sie einzigartig in hervorragendster Erhabenheit und übertrifft alle Kreatur, sodaß mit Recht gesagt wird, daß unter ihren Füßen der Mond sei . Andererseits würden wir nichts Besonderes gesagt haben, wäre bloß der geschaffene Mond unter ihren Füßen, die ohne jedweden Zweifel über alle Chöre der Engel, über Kerubim und Seraphim erhöht ist.

Der Mond bezeichnet gewöhnlich nicht bloß den Fehler der Verdorbenheit, sondern ebenso der törichten Gesinnung und bisweilen auch die Kirche dieser Zeit; ersteres wegen seiner Veränderlichkeit, letzteres jedenfalls wegen des anderswoher entlehnten Glanzes! In jedem Sinn aber wird sozusagen der Mond überaus passend zu Füßen Mariens verstanden, wenn auch auf verschiedene Weise, denn „ein heiliger Mensch bleibt in der Weisheit wie die Sonne, aber ein Tor ist veränderlich wie der Mond“. In der Sonne ist nämlich sowohl die Glut als der Glanz beständig, im Mond ist nur der Glanz, und auch dieser ist unentwegt veränderlich und unsicher, weil er niemals im gleichen Zustand bleibt. Mit Recht wird daher Maria als mit der Sonne umgeben dargestellt, da sie die gewaltige, unermeßliche Tiefe der göttlichen Weisheit weiter durchdrungen hat, als man zu glauben vermag; sodaß sie soweit dies die Natur des Geschöpfes ohne persönliche Vereinigung zuläßt in jenes unzugängliche Licht eingetaucht erscheint. Mit diesem Feuer wurden zwar die Lippen des Propheten gereinigt, von diesem Feuer sind auch die Seraphim entflammt; aber weit anders verdiente Maria, nicht bloß kurz davon berührt, sondern vielmehr davon bedeckt und umflossen, ja gleichsam vom Feuer selbst eingeschlossen zu werden. Höchst rein, fürwahr, aber auch ganz glühend ist das Kleid dieser Frau, an der alles so herrlich strahlt, daß man an ihr ich will nur sagen nichts Finsteres oder auch nur etwas ein wenig Dunkles oder minder Lichtes, ja nicht einmal etwas Laues oder nicht ganz Glühendes annehmen darf.
(aus dem Sermo des hl. Bernhard von Clairvaux zum Oktavtag von Mariä Himmelfahrt)

Der Gedenktag Maria Königin ist Patrozinium im hiesigen Karmel Regina Martyrum und der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum (Maria, Königin der Märtyrer) und daher dort ein Hochfest. Briefe an den Konvent unterm Jahr, die etwa an „Frau Regina Martyrum“ adressiert sind, schaffen es für ein kurzes Gaudium ans Schwarze Brett des Klosters.

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