Donnerstag, 12. August 2010

Legt euren Gürtel nicht ab und laßt eure Lampen brennen!

Zum Gedenktag der heiligen Klara[1] ist mir gestern noch ein Gedanke von Mother Mary Francis im Kopf herumgegangen: sie vertritt die Ansicht, daß es kein Zufall war, daß der heilige Franziskus als seinen zweiten Orden einen Orden klausurierter Nonnen gründete.

Manch einer mag einwenden, für Frauen hätte es damals eben keine andere Möglichkeit gegeben, ein geistliches Leben zu führen. Dagegen wendet sie zu Recht ein, daß der heilige Franz gerade der rechte gewesen wäre, das zu ändern, wenn er es für denn sinnvoll gehalten hätte. Offensichtlich aber wollte aber Franziskus einen Orden gründen, dessen Schwestern die Minderbrüder durch ihr Gebet stärken und für das Heil der ganzen Welt beten sollten.

In der Tat stehen die Klarissen nachts zum Gebet der Matutin vor dem ausgesetzten Allerheiligsten auf. Der Gedanke, daß daß jemand in der Nacht wacht und für die Welt, in der viele Menschen zur selben Zeit leiden, krank sind, sich von Sorgen oder Schmerzen bedrängt, schlaflos herumwälzen, oder vielleicht im Begriff sind, eine schwere Sünde zu begehen, finde ich immer wieder ergreifend. Ich habe versucht, davon soviel in mein Leben zu übernehmen, daß ich, wenn ich nachts nicht schlafen kann, die Zeit zum Gebet nutze.

Mir fiel während des Evangeliums des letzten Sonntags ein, wie sehr dieses Evangelium Sinn und Streben des gottgeweihten Lebens zusammenfaßt und welch hohem Maße die Heiligen, die wir in dieser Woche feiern, dem entsprochen haben, wie sehr ihr Leben von dem Licht Christi durchdrungen war: der heilige Laurentius, von dem ein Kirchenvater schrieb, daß ihm das Feuer, das in ihm brannte, die Kraft gab, sein Martyrium zu bestehen, die heilige Klara, die ein Licht genannt wurde, das die Welt erleuchtet, Edith Stein und Maximilian Kolbe, die in der Dunkelheit und Verzweilfung des Konzentrationslagers anderen Licht und Rettung sein konnten.
Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frißt. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Legt euren Gürtel nicht ab, und laßt eure Lampen brennen!  Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft. Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüßte, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, daß man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. (Lk 12, 33-40)
Wie wäre das, habe ich mir noch gedacht, wenn er heute abend wiederkäme? Wäre ich bereit?

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[1] Daß der Priester sich zur Feier des Tages in den diversen Heiligenvitae verirrt hatte, war ein wenig schade. Zwar brachte er richtigerweise die heilige Klara in Verbindung mit dem hl. Franziskus (dafür gibt es zwei Gummipunkte!), der Rest der Predigt beschrieb dann aber leider das Leben der hl. Teresa von Avila und bog bei „jeder von uns muß seinen eigenen Weg durchs Leben finden“ ganz plötzlich in Richtung Deepak Chopra ab.

Kommentare:

Dorothea hat gesagt…

Sie hatten mir über den kleinen grünen Katechismus geschrieben. Es haben sich einige Interessenten gemeldet für ein Projekt ähnlich der RCIA-Kurse und ich würde gerne mehr über den von Ihnen empfohlenen Katechismus wissen. Können Sie mir schreiben wann der herausgegeben wurde? Entschuldigen Sie daß ich hier schreibe, ich konnte keine mail-Adresse von Ihnen finden.

medioinmundo hat gesagt…

Manchmal hege auch ich den Wunsch in mir, so zu leben wie die Klarissen, nachts zum Gebet aufzustehen, sehr viel anzubeten, die Sorgen der Welt Gott ständig hinzuhalten. Aber in der Lebensform, in die ich anscheinend berufen bin, ist es mir nicht möglich. Denn hier brauchen wir unsere Kräfte am Tag. Insoweit bin ich mehr als froh um das Wissen, dass Ordensfrauen wie die Karmelitinnen die Mission auch meiner Gemeinschaft mittragen.

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