Dienstag, 10. August 2010

Kräuterweihe am Fest Mariä Himmelfahrt

Als der Herr Pfarrer am letzten Sonntag vor dem Segen kurz erwähnte, daß die zu Mariä Himmelfahrt vielerorts traditionell gesegneten Kräuter später auch ans Vieh verfüttert wurden, hatte ich einen heiteren Moment (just call me Kichererbse!), weil ich mir in diesem Moment lebhaft vorstellen konnte, wie das Viehzeug aussieht, das bei mir vor oder nach der Kräuterweihe die gesammelten Kräuter unbedingt verzehren will.[1]

Bei der Kräuterweihe handelt es sich jedenfalls um einen alten Brauch, den es in der katholischen Kirche etwa seit dem 10. Jahrhundert gibt. In den Tagen vor Mariä Himmelfahrt werden Kräuter gesammelt – naturgemäß meist von Frauen –, gebunden und vom Priester bei oder nach der Heiligen Messe zum Festtag gesegnet. Danach kann man Tee daraus bereiten, sie an das Vieh (siehe oben) verfüttern oder sich einfach selbst an ihnen erfreuen.

Die Kräuterweihe hat ihren Ursprung in der Überlieferung, dass bei der Öffnung des Grabes Mariens ein aromatischer Duft von Blumen und Kräutern ausströmte.

Welche Kräuter und oder Blumen gesammelt werden, ist ganz unterschiedlich, ebenso, wieviele davon man zu einem solchen Buschen zusammenstellt. Man bindet sie zu Sträußchen oder ausgewachsenen Kräuterbuschen, die man mit den Blättern des Rohrkolbens einfassen kann. Die Mitte kann ein Apfel (wie beim Palmstock), die Dolde einer Königskerze, eine Rose oder eine Lilie bilden. In einen Kräuterbuschen kann alles gebunden werden, was in der heimischen Natur an Heilpflanzen, Kräutern oder Blumen im August wächst – giftige Pflanzen sollen es allerdings nicht sein. Besonders bieten sich die Pflanzen an, die einen direkten Bezug zur Gottesmutter haben, die wir als Heil der Kranken, geheimnisvolle Rose und Jungfrau über allen Jungfrauen anrufen.

Zahlensymboliken bei der Anzahl von Kräutern kann man, braucht man aber nicht beachten. Ein Buschen mit 72 oder 99 Kräutern bleibt in der Großstadt wahrscheinlich ein Traum – oder man tut wochenlang nichts anderes (Indiana Jones und die Jagd nach dem verlorenen Kraut)[2]. Hier findet man eine kräuterkundliche Erläuterung zur Zusammenstellung eines Buschens in Niederösterreich. Die auf das Fest Mariä Himmelfahrt folgende Zeit bis zum Fest Mariä Namen am 12. September eignet sich zum Kräutersammeln besonders gut und hat daher im Volksmund den Namen Frauendreißiger.

Der Priester segnet die Kräuter und Blumen und besprengt sie mit Weihwasser:
Herr, unser Gott, du hast Maria über alle Geschöpfe erhoben und sie in den Himmel aufgenommen. An ihrem Fest danken wir dir für alle Wunder deiner Schöpfung. Durch die Heilkräuter und Blumen schenkst du uns Gesundheit und Freude.

Segne diese Kräuter und Blumen. Sie erinnern uns an deine Herrlichkeit und an den Reichtum deines Lebens. Schenke uns auf die Fürsprache Mariens dein Heil. Laß uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir gelangen und dereinst einstimmen in das Lob der ganzen Schöpfung, die dich preist durch deinen Sohn Jesus Christus in alle Ewigkeit.

Zum Fest Mariä Himmelfahrt wird es bei uns also eine Kräuterweihe[3] geben, wenn Kräuter mitgebracht werden. (ich mache mich jedenfalls ans Werk).

Sonntag, 15. August, 12 Uhr
Hl. Messe zum Fest Mariä Himmelfahrt
Katholische Akademie in Berlin
Hannoversche Straße 5, Berlin-Mitte

____
[1] Auch träumte einer Kollegin vor Jahren, ich hätte mir jetzt eine Milchkuh angeschafft und hielte sie in meiner Wohnung. (Hint: das war ein Alptraum…)

[2] In diesem Zusammenhang auch zur Lektüre geeignet: Der Zwerg Nase von Wilhelm Hauff.

[3] Das Auseinanderdividieren der Begriffe Weihe und Segnung erspare ich dem geneigten Leser an dieser Stelle. Traditionell wird es „Weihe“ genannt, ist aber eine Segnung.

Kommentare:

Gespräche am Jakobsbrunnen hat gesagt…

Netter Post, aber bitte: KräuterSEGNUNG, nicht Kräuterweihe! Heißt ja auch JungfrauenWEIHE, nicht Jungfrauensegnung.

Braut des Lammes hat gesagt…

?? Diesen Einwand verstehe ich nur halb: es steht ja im Beitrag ausdrücklich drin, daß es sich um eine Segnung, nicht um eine Weihe – im Sinne von Konsekration – handelt).
Sprache orientiert sich nicht immer an der Logik, sondern ist etwas Gewachsenes: im Apfelkuchen sind Äpfel, im Hundekuchen aber keine Hunde.

Nichtsdestoweniger nennt der Volksmund die Kräuterweihe (wie auch die Kerzenweihe) weiterhin so, die Benediktion einer Äbtissin nennt sogar das Pontifikale selbst die "Weihe einer Äbtissin". Den Versuch, an dieser Stelle Begriffe wie "Dedikation" und "Benediktion" unters Volk bringen und auseinanderklamüsern zu wollen sehe ich ähnlich zum Scheitern geeignet wie das Verwenden von Wortungetümen wie "Verunfallter".

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...