Mittwoch, 11. August 2010

Hl. Klara – Jungfrau


Herr, sei gelobt, weil du mich erschaffen hast. (Hl. Klara)

Es ist zweifelhaft, ob auch nur einer von den Gepäckträgern, die an diesem Abend auf dem Bahnhof Dearborn umherwanderten, die Lebensgeschichte der Frau kannten, von der die Stimme Gottes erklärt hatte, sie werde „ein Licht" sein, „das die ganze Welt erleuchtet. Mehr als siebenhundert Jahre hat dieses ungetrübte Licht der hl. Klara nun die Welt erleuchtet, aber die Welt als solche weiß es nicht. Wenn wir im Sonnenlicht arbeiten, studieren oder schreiben, denken wir nicht weiter darüber nach, daß alle diese Beschäftigungen ohne die Sonne unmöglich wären. Wir stellen keine langen Berechnungen über die Zahl der künstlichen Lichter an, die wir den ganzen Tag brennen lassen müßten, um uns einen traurigen Ersatz für das Sonnenlicht zu verschaffen. Und wenn die Sonne an manchen Tagen nicht scheint, machen wir uns auch darüber keine Gedanken, nur ein unbestimmtes Gefühl von Mißmut befällt uns beim Schein elektrischer Lampen, und wir warten mit einiger Ungeduld auf die baldige Wiederkehr der Sonne. (Mary Francis Aschmann PCC)

Chiara Offreduccio wurde im Jahre 1194 als älteste Tochter einer einflußreichen italienischen Familie geboren. Man erzählte sich, daß ihrer Mutter während der Schwangerschaft ein Engel erschienen sei, der gesagt habe: Dein Kind wird ein Licht sein, das die Welt erleuchtet! Aus diesem Grund nannte ihre Mutter sie Klara, was „Licht“ bedeutet.

In der Nacht des Palmsonntags 1212 verließ Klara mitten in der Nacht heimlich ihr Elternhaus, um sich dem jungen Franziskus von Assisi anzuschließen, der keine Vorstellung davon hatte, wo und wie er sie unterbringen sollte, ihr aber dessen ungeachtet die langen blonden Haare abschnitt – die noch heute erhalten sind –, ihr einen groben graubraunen Habit mit Schleier übergab und sie „die erste meiner armen Frauen.“ nannte. Bis er die verfallene Kirche von San Damiano wiederaufgebaut hatte, brachte er Klara bei den Benediktinerinnen unter. Später schlossen sich Klara ihre jüngere Schwester Agnes sowie viele Verwandte und Freundinnen an und die Gemeinschaft ließ sich in San Damiano nieder. So entstand der zweite Orden des heiligen Franziskus, der man auch den seraphischen Orden nennt.

Die Regel der heiligen Klara, für deren Anerkennung sie bis zu ihrem Tod zweiundvierzig Jahre später eintreten mußte, ist im Grunde sehr einfach und fordert zugleich alles. Sie besteht darin, einfach das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus zu beachten.

Klara lebte in der Klausur von St. Damiano das einfache Leben nach dem Evangelium, das sie sich gewünscht hatte. Ihre Ordensregel – die erste, die von einer Frau verfaßt wurde – erhielt die päpstliche Anerkennung erst zwei Tage vor Klaras Tod am 11. August 1253. Zu dieser Zeit gab es bereits 125 Klarissenklöster, heute gehören die Klarissen zu den beiden größten beschaulichen Frauenorden.

Im Februar 2006 starb die Klarissin Mother Mary Francis Aschmann PCC, von die Zeilen oben stammen. Ihre Werke – Stücke, Betrachtungen und Bücher über das kontemplative Leben in einfacher, poetischer Sprache und zugleich voller Humor – haben vielen Menschen Freude bereitet. Ihr bekanntestes ist sicher das Buch A right to be merry (Das Recht, fröhlich zu sein) über Übersprung und Leben der Armen Klarissen. Ähnlich wie bei Thomas Merton, dessen Berg der sieben Stufen viele junge Männer dazu hinführte, ihre Berufung bei den Trappisten zu erproben, ist es nicht möglich, zu sagen, wieviele Frauen bei den Klarissen eintraten, weil ihnen dieses Buch in die Hände kam.


Alberta Aschmann [1] wurde 1921 in St. Louis geboren und war sich schon in jungen Jahren ihrer Berufung sicher. Mit 16 trat sie als Kandidatin bei den Schulschwestern von Notre Dame ein und studierte in der Folge an der Universität von St. Louis, mit dem Ziel, Lehrerin an einer der Schulen des Ordens zu werden. Dieses Leben liebte sie sehr; sie wurde sich jedoch darüber klar, daß Gott sie in einen kontemplativen Orden rief. 1942 trat sie in das Kloster der Armen Klarissen in Chicago ein und wurde am 26. Juni 1043 als Sr. Mary Francis von Unserer Lieben Frau eingekleidet.

Ihre Äbtissin erlaubte ihr, ihr Talent zum Schreiben weiterzuentwickeln – das erste Werk erschien noch während ihres Noviziates und erregte in der literarischen Welt soviel Aufsehen, daß sie in der Folge immer wieder von bedeutenden Schriftstellern am Klausurgitter besucht wurde.

1948, ein Jahr nach ihrer feierlichen Profeß, wurden einige Schwestern, unter ihnen Sr. Mary Francis, nach Roswell in New Mexico gesandt, um dort die Neugründung des Klosters Unserer Lieben Frau von Guadalupe vorzunehmen.[2] Einige Jahre später nahm Sr. Mary Francis auf Geheiß ihrer Äbtissin an einem literarischen Wettbewerb teil, da der Konvent Geld brauchte, um das Dach des Klosters reparieren zu lassen. So schrieb Sr. Mary Francis ein Buch über das Leben der Armen Klarissen in Roswell, das 1956 erschien. – An dem Preisausschreiben nahm sie übrigens dann doch nicht teil, das Dach wurde aber trotzdem repariert. (Und unser himmlischer Vater ernährt sie doch!)

1964 wählte der Konvent von Roswell Sr. Mary Francis zur neuen Äbtissin, was sie bis kurz vor ihrem Tode, 41 Jahre lang, blieb. In dem sehr schönen Kapitel Türen schrieb sie 1956:
Ich schaue gedankenvoll auf die zwei unteren Flügel[3], die ich nur einmal geöffnet sah: als am Tage der Einweihung der Kapelle und des Klosters Erzbischof Byrne und sein Gefolge den Chor betraten. Eines Tages werden sie für mich geöffnet sein. An jenem Tage wird mein Sarg vor dem Gitter stehen, und die Leute werden vorbeigehen, um mein Gesicht zu sehen. Ich hoffe, daß sie dazu sagen werden, was die Leute immer sagen, wenn sie eine Arme Klarissin erblicken: „Wie glücklich sie dreinschaut, wie friedlich.“ Nach dem Requiem werden die franziskanischen Mönche durch diese beiden Türen kommen und mich zu dem kleinen Friedhof im Klostergarten geleiten. Meine Schwestern werden singen „Mögen die Engel dich ins Paradies geleiten“. Und nachher werden sie zu meiner Ehre ein Festessen haben, und es wird den ganzen Nachmittag Rekreation sein – weil ich mein Ziel erreicht und meinen Lauf vollendet habe. Ich hoffe, ich werde ihnen ein bißchen fehlen; ich weiß, sie werden mich beneiden. Und ich werde in den kleinen Friedhof schlafen, wohin meine Schwestern nach dem Beten des Kreuzwegs unter den Bäumen kommen werden, um mich zu besuchen.
____
[1] auf dem Foto links bei der feierlichen Profeß einer ihrer Schwestern

[2] Eine Tochtergründung dieses Ordenszweigs kam wieder nach Europa zurück: die Armen Klarissen in Eindhoven

[3] des Holzladens am Chorgitter

1 Kommentar:

Johanna hat gesagt…

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