Mittwoch, 25. August 2010

…doch einen Leib hast du mir gegeben


Keiner würde sich über Kreuz und Mühe beklagen, die ihm etwa begegneten, wenn er die Waage erkennen würde, auf der sie den Menschen zugewogen werden. (Rosa von Lima)

In der Predigt zum gestrigen Heiligenfest nannte der Zelebrant die Liebe der hl. Rosa zum Kreuz und zum Leiden „barock“.

In der Tat konnte ich mich in der Auseinandersetzung mit dieser Heiligen der Frage nicht erwehren: Darf man das? Darf man durch Bußübungen und Askese seine Gesundheit dauerhaft schädigen oder sein Leben in Gefahr bringen? Darf man sein Leben mittelbar verkürzen, um auf diese Weise umso schneller mit Christus vereint zu sein?

Vor Jahren ist eine Großstadteremitin in einer Hochhaussiedlung gestorben, vermutlich an den Folgen extremen Fastens (ihr Beichtvater hatte vergebens versucht, sie dazu zu bewegen, mehr zu essen). Ist ihr Schicksal so verschieden von dem der hl. Rosa? Wieviel ist zuviel?

Wiederum ruft die Kirche die geweihten Jungfrauen außer zum Gebet in besonderer Weise zur Buße und zum Fasten auf.

Grundsätzlich kann man sicherlich sagen: wo etwas im Ungehorsam gegen die Oberen geschieht, kann man davon ausgehen, daß es hier nicht der Wille Gottes liegt. Womit ich nicht etwa die hl. Rosa meine. Im Leben der hl. Rosa von Lima von P. Faber konnte ich keinen Hinweis darauf finden, daß ein Oberer versucht hätte, sie davon abzubringen, indes war die Heilige offenbar recht erfinderisch darin, Auswirkungen ihrer Bußübungen zu verbergen. Ihre engsten Verwandten wiederum hatten Bedenken, sie etwa vom Tragen der eisernen Dornenkrone abzubringen (wenn man hier genau hinschaut, sieht man am oberen Rand des Schleiers punktförmige Verletzungen), aus Furcht, sie könnte sich eine andere, noch qualvollere Möglichkeit ausdenken, die Leiden Christi nachzuahmen.

Die heilige Teresa, die immerhin den recht asketisch lebenden Ordenszweig der Unbeschuhten gegründet hat, ist zugleich für Äußerungen bekannt wie: Tue deinem Leib Gutes, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen. Oder auch: Wenn Fasten, dann fasten, wenn Rebhuhn dann Rebhuhn! (Was bedeuten kann, daß man in Demut auch etwas annimmt, was einem „zu gut“ erscheint, weil es das ist, was man gerade bekommen hat und das etwa aufgetischte Rebhuhn nicht mit einem, „Nein danke, ich ernähre mich gerade nur von linksdrehendem Knäckebrot“ zurückweist.) Bei aller Askese enthält dieses Leben auch ein heilsames Korrektiv gegen möglichen Größenwahn: keine Karmelitin stirbt daran.

Ich glaube, daß ein Leben wie das der hl. Rosa heute nicht leicht verstanden wird: Christus in seinem Kreuz und Leiden zu umfangen. (Ganz abgesehen davon, daß darüber hinaus auch die Lebensweise einer geweihten Jungfrau heute nicht leicht verstanden wird. Die schiere Tatsache, daß man niemals ein eigenes, leibliches Kind haben wird, kann übrigens ein tiefer, dauerhafter oder wiederkehrender Schmerz sein. Dennoch würde ich mich unter keinen Umständen „zurückhaben“ wollen.)

Eine Antwort kann lauten: durch die Gnade Gottes kann es gelingen, wenn es die eigene Berufung ist, wenn das eigene Herz dort verankert ist, wo die wahren Freuden sind, wie es im Tagesgebet des letzten Sonntags heißt:
Gott unser Herr, du verbindest alle, die an dich glauben,
zum gemeinsamen Streben. Gib, daß wir lieben, was du befiehlst,
und ersehnen, was du uns verheißen hast, damit in der Unbeständigkeit
dieses Lebens unsere Herzen dort verankert seien, wo die wahren Freuden sind.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Gott schreibt auch auf krummen Zeilen gerade. Ich glaube das könnte die Antwort sein. Ich finde nichts im Evangelium, das zu einer Extremaskese und der Verachtung des Leiblichen oder des Geschaffenen Anlass gibt. Aber zur Hingabe. Gott selbst ist es, der unsere Bemühungen fruchtbar macht und eben auch extreme Formen der Hingabe. Aufgabe der Kirche ist es , das rechte Maß im Auge zu behalten. Gabriele

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