Samstag, 17. Juli 2010

Sel. Karmelitinnen von Compiègne – Jungfrauen, Märtyrinnen


Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit.
Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten:
für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit,
für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus,
Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen,
und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen. (1 Kor 1, 22-25)

Am Tag nach dem Hochfest unserer lieben Frau vom Berge Karmel begeht die Kirche den Gedenktag von sechzehn Märtyrinnen dieses Ordens.

Als die französische Revolution im Jahre 1789 ausbrach, lebten im Karmel von Compiègne, der dort seit 1641 bestand, 21 Unbeschuhte Karmelitinnen[1].

Bereits im August 1790 wurde von den Revolutionären die Aufhebung des Klosters angeordnet und die Besitztümer des Konvents beschlagnahmt. Am Fest der Kreuzerhöhung desselben Jahres – an diesem Tag beginnt im Orden die Fastenzeit – wurden die Schwestern dazu gezwungen, den Habit abzulegen und die Klausur zu verlassen. In der Folge lebten sie gruppenweise in vier Häusern, die allesamt in der Nähe derselben Kirche in Compiègne gelegen waren. Über mehrere Jahre hinweg konnten sie so ein geistliches Leben in der Verborgenheit führen, bis sechzehn von ihnen 1794 beschuldigt wurden, miteinander in geistlicher Gemeinschaft zu leben.

Ostern 1792 hatte die Priorin des Konvents, Mutter Therese, ihren Schwestern von einem Traum erzählt, den eine Schwester des Karmels von Compiègne 1693 gehabt hatte, und der in den Archiven des Klosters niedergeschrieben war: in diesem Traum sah die Schwester fast die ganze Kommunität dazu berufen, dem Lamm zu folgen. Nach Ansicht der Priorin bedeutete dies das Martyrium. So weihten Priorin und Konvent ihr Sterben als Opfergabe für den Frieden, für die Kirche und die Rettung Frankreichs.

Am 22. Juni 1794 wurden die Nonnen festgenommen und im Konvent der Visitandinnen in Compiègne arrestiert. Dort nahmen sie sogleich ihr klösterliches Leben wieder auf. Am 12. Juli 1794 wurden die Karmelitinnen nach Paris gebracht und fünf Tage später zum Tode verurteilt. Unter anderem bezichtigte man sie, die Gegner der Revolution mit Waffen versorgt zu haben, worauf die Priorin ein Kreuz hochhielt, mit den Worten: „Das ist die einzige Waffe, die wir je in unserem Haus gehabt haben!“

Am 17. Juli, einen Tag nach dem Hochfest unserer lieben Frau vom Berge Karmel, wurden sie auf einem Karren zur Guillotine gebracht. Bevor sie zur Guillotine hinaufstiegen, knieten sie nieder, sangen das Veni creator spiritus wie am Tag ihrer Profeß und erneuerten danach ihre Gelübde. Als erste erlitt die Jüngste, Sr. Constance, das Martyrium, als letzte die Priorin, Mutter Therese vom hl. Augustinus. Sr. Constance, die Novizin, kniete nieder, erbat den Segen ihrer Priorin und die Erlaubnis, sterben zu dürfen. Als sie hinaufstieg, sang sie den Psalmvers Laudate Dominum omnes gentes.

Man setzte die Karmelitinnen in einem Massengrab bei, in dem über 1.300 Opfer der Revolution ruhen. Einige Reliquien (Gewänder) der Karmelitinnen befinden sich heute im Besitz der Benediktinerinnen von Stanbrook. 1906 sprach Papst Pius X. die Karmelitinnen von Compiègne selig.

Das Schicksal der 16 seligen Märtyrinnen fand vielfachen Eingang in die Kunst. Gertrud von Le Fort schrieb den Roman Die Letzte am Schafott, Georges Bernanos das Stück Les dialogues des Carmélites, Francis Poulenc eine Oper gleichen Namens. Die Verfilmung der literarischen Vorlagen von Le Fort und Bernanos heißt in der deutschen Fassung Opfergang einer Nonne.[2] Bilder aus dem Karmel von Compiègne heutzutage sieht man hier.


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[1] Die heilige Teresa wünschte, daß ein Konvent der Unbeschuhten aus nicht mehr als 21 Schwestern bestehe; nur wenn eine Neugründung beabsichtigt ist, können zeitweilig mehr Schwestern aufgenommen werden.

[2] Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß die Figur der Blanche de la Force in all diesen Umsetzungen rein fiktiv ist.

Kommentare:

theresa hat gesagt…

wow, wirklich interessant. Herzlichen Dank!

Thomas hat gesagt…

Gratulation zu diesem tollen Blog.

Hier ein Link zu einem Film der das
Schicksal dieser Frauen am besten
beschreibt

http://www.youtube.com/watch?v=Ml7wXixl7o8

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke :). Das ist der Film, den ich im Beitrag gemeint hatte, und sogar im französischen Originalton, der mir am besten gefällt. Ich habe Deinen Link noch in das Posting eingebaut.

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