Montag, 26. Juli 2010

…oder ein anderes geeignetes Irgendwas

Bei den Fernsehgottesdiensten im ZDF wird ja immer mal wieder Grottiges geboten, was mich bei den Ausschnitten, die ich mir einem verspäteten Frühstück manchmal antue, zwischen der Hoffnung schwanken läßt, diese Gottesdienste möchten bitte nicht repräsentativ für das sein, was sich in anderen katholischen Bistümern so abspielt und der Überzeugung, selbst auf einer Insel der Seligen zu leben.

Besonders … äh, … räusper … interessant wars gestern aus der ÜberwasserkircheStanislaus berichtete ja auch schon. Mir scheint, dieser Gottesdienst hätte ohne weiteres in einer Unterwasserkirche stattfinden können – eigenartiger hätte ich ihn dort sicherlich auch nicht gefunden.

Den ganzen Gottesdienst habe ich mir nicht angetan; die Teile, die ich gesehen habe, reichten mir vollkommen und kamen mir stellenweise vor wie eine dieser Szenen im Film, bei denen man scheints einfach nicht wegschauen kann. Die Faszination des Häßlichen. Traurig ist, daß es sich um eine Heilige Messe handelt und in ihr um die Eucharistie, die die Kirche Ziel und Quell unseres Lebens nennt.

Daß außer dem Priester fast alle Anwesenden Frauen waren, war leicht schräg, konnte aber noch dem Motto „Leidenschaftlich glauben – kfd verbindet“ (wen oder was eigentlich genau?) zugeschrieben werden. Wer, wenn er nicht unbedingt muß, tut sich die Teilnahme an solcher Liturgie freiwillig an? Warum es neben der Predigt zwei weitere Ansprachen braucht, weil Krethi und Plethi unbedingt auch noch etwas sagen müssen, ist schon weniger erklärlich.

Zur Gabenbereitung bringt jemand etwas herbei, ich denke, was wollen die jetzt mit der Salatschüssel? Aber nein, es ist das Weihrauchgefäß, das, nachdem der Priester eingelegt hat, einsam auf einer Stele vor dem Altar vor sich hinkokelt. Gaben beräuchern, Priesterinzens, Inzens des Allerheiligsten – wer braucht sowas?

Gleichzeitig wurde der Altar an dieser Stelle überhaupt erst mit einem Tuch bedeckt, von zwei der Leidenschaftlichen natürlich. Selbige Leidenschaftliche kamen trotz vorhandener Ministranten auch schon zum Evangelium als Leuchterträger mit zwei scheußlichen Kerzen in bloßen Händen. Waren die Leuchter knapp? Oder hat da jemand die Bezeichnung „Armleuchter“ einfach zu sehr verinnerlicht? Auch die Vasa sacra sehen wieder einmal aus, als hätte man sie samt und sonders bei iKEA erstanden. (Zelatus und ich haben in einem albernen Anflug einmal Namen für eine kleine Kollektion sakraler Gefäße für iKEA entworfen, das Rauchfaß hieß jedenfalls RAUCHEN und die Kännchen GiESSEN). Ich weiß schon: Psalm – Bank – Spötter.

Vollends nicht mehr verstanden habe ich die katholische Welt, als die leidenschaftliche Frauentruppe wie zuvor schon auch während des Hochgebets am Altar stehenblieb wie die Figuren auf der Osterinsel und auch dann noch stur in die Kamera glotzte, wenn der Priester das Knie vor dem Allerheiligsten beugte. Abgesehen davon, daß es mich immer befremdet, wenn Leute bei der Konsekration stehenbleiben als bekämen sie dafür bezahlt – was hatten die da überhaupt zu tun? Grundsätzlich gilt: im Altarraum hält sich nur der auf, der einen Dienst verrichtet bzw. dort etwas zu tun hat und auch nur während dieser Zeit. Zieh deine Schuhe von den Füßen, denn der Ort an dem du stehst, ist heiliger Boden.

Leidenschaft, die ja vollmundig im Worte geführt wurde, habe ich jedenfalls genau da vermißt, wo sie angebracht wäre: in dem Bemühen, den Gottesdienst zur höheren Ehre Gottes darzubringen, in dem Glauben Es ist der Herr, in dem, wovon das heutige Evangelium in ganz schlichten Worten spricht:
Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören. Amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört. (Mt 13, 16-17)

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Auch ich habe nur kurz reingeschaut. Danach war ich sehr dankbar, einem solchen Ereignis aus dem Weg gehen zu können. Ich bin dankbar meine "Insel der Seeligen" in Berlin gefunden zu haben.

Anonym hat gesagt…

Kommt es nicht darauf an, dass Gebet und Verehrung von Herzen kommen? Der Herr möge mich davor bewahren, über andere zu urteilen und mich dankbar sein lassen für die Vielfalt seiner Geschöpfe.

Braut des Lammes hat gesagt…

Idealerweise folgt eines eines aus dem anderen: aus der Verehrung des Herzens und dem Gebet ergibt sich der Wunsch, den Gottesdienst möglichst würdig zu feiern. Oben wurde allerdings nicht "über andere geurteilt" – die ich persönlich gar nicht kenne – sondern einer Meinung über die "Gestaltung" dieses konkreten Gottesdienstes Ausdruck gegeben. Es steht jedem frei, zu diesem Thema eine komplett andere zu haben.

Braut des Lammes hat gesagt…

Tiberius: ja, so geht es mir auch. :)

.U. hat gesagt…

Kurz bevor es in der Versenkung des Depublizierens verschwindet: Die Frau, die das Evangeliar trug, und stehen bleiben hätte müssen, machte in ihrem Umfeld als einzige mit dem Priester eine Kniebeuge zum Auszug. m(

Braut des Lammes hat gesagt…

Wenn jemand einen Kniefall macht, obwohl er hätte stehen sollen, ist mir das immer noch lieber als andersherum: wenn jemand knien könnte und auch sollte, aber auch vor ausgesetztem Allerheiligsten stehenbleibt wie ein Baum.

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