Sonntag, 20. Juni 2010

Sel. Maria Rosa Flesch – Jungfrau

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodaß die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. (Mt. 13, 31-32)

Der Gedenktag der seligen M. Rosa Flesch am 19. Juni ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Es handelt sich um einen noch jungen Gedenktag, Mutter Maria Rosa Flesch, die Gründerin der Kongregation der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, wurde 2008 im Trierer Dom seliggesprochen. Das Leben der seligen Gründerin beschreibt Sr. Maura Böckeler OSB in ihrem Buch Die Macht der Ohnmacht.

Margaretha Flesch wurde am 24. Februar 1826 in Schönstatt/Vallendar geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon als sechsjähriges Kind mußte sie nach dem Tod ihrer Mutter den Haushalt und die Wirtschaft der gepachteten Ölmühle für den Vater und die fünf jüngeren Geschwister besorgen.

Nach der Erstkomunion nahm sie bei jedem Wetter stundenlange Wege ins Nachbardorf und zurück auf sich, um täglich an der Heiligen Messe teilnehmen zu können. Ich war schon als Kind nie glücklicher, als wenn ich allein sein und beten konnte, sagte sie von sich selbst. Beim Beeren- und Kräutersammeln und Versorgen des Viehs betete sie, einmal vergaß sie über dem Beten und Kränzewinden für die Maikönigin ihre Kuh.

Ihre Berufung, schlicht und einfach unter den Menschen zu leben, war die einer wahren Mitschwester und Tochter der heiligen Franziskus. Als ihr Vater 1842 starb, sicherte Margaretha den Unterhalt der Familie durch das Sammeln von Heilkräutern und das Herstellen von Tees. Zu Allerheiligen 1851 zog sie mit ihrer kranken Schwester in eine Klause in der Kreuzkapelle bei Waldbreitbach, die sie sich als Wohnung selbst erbeten hatte. Dort lebte sie hauptsächlich von Stickarbeiten und versorgte noch Arme und Kranke in der Gemeinde. Später schrieb sie über das Leben in der ungeheizten Klause, deren Wände vor Feuchtigkeit glitzerten: Wie war es in der Kreuzkapelle so arm und doch so schön!

Nachdem sich ihr 1856 erste Frauen angeschlossen hatten, begann diese kleine Gemeinschaft 1851, unterstützt von einem der Brüder Margarethas, mit dem Bau des ersten Marienhauses auf einem felsigen Stück Land auf dem Kapellenberg, das sie für wenig Geld gekauft hatten. Der Bischof von Trier anerkannte 1863 ihre Absicht, eine Ordengemeinschaft zu gründen. Im Alter von 37 Jahren legte Margaretha Flesch die erste Profeß ab und nahm dabei den Namen Maria Rosa an. Die Gemeinschaft blühte durch Eintritte so rasch auf, daß 1878, als die Amtszeit von Mutter Rosa als Generaloberin endete, 100 Schwestern in 22 Niederlassungen tätig waren.

Lieblosigkeit, menschliches Versagen, Ausgrenzung und Intrigen sind immer schmerzlich. Besonders berührend und fast unverständlich erscheinen sie im geistlichen Amt und in klösterlichen Gemeinschaften. Nachdem Mutter Rosa wegen der Ordensstatuten 1978 nicht mehr ins Amt der Generaloberin gewählt werden konnte, wendete sich die neugewählte Oberin gegen sie. Mutter Rosa wurde von der Gemeinschaft und dem geistlichen Rektor ausgegrenzt und gedemütigt; im Laufe der Zeit geriet sogar in Vergessenheit, daß sie die Gemeinschaft einmal gegründet hatte. Von den neuen Oberen wurde sie in abgelegene Gründungen versetzt, wo sie bis zu ihrem Tod einfachste Arbeiten in Haus und Garten verrichtete, was sie still hinnahm, denn sie liebte kein Aufsehen um die eigene Person.

Am Fest der Verkündigung des Herrn, dem 25. März 1906, zugleich der Sonntag Laetare, gab Mutter M. Rosa ihre Seele Gott zurück. Die Nachricht von ihrem Tode verbreitete sich rasch in den umliegenden Tälern, und unzählige Arme und Kranke, die sie gepflegt hatte, erwiesen ihr die letzte Ehre.

In einem Brief schrieb der Bischof über Mutter Rosa und ihre Gründung:
… Es war ein schwaches Reis, das die frommen Jungfrauen seinerzeit in steinigen Boden senkten. Nach menschlicher Berechnung durfte man kaum Gedeihen hoffen. Und dennoch faßte es Wurzeln und wuchs zu einem kräftigen Baum empor, weil man es in Demut gepflanzt hatte, in fester Hoffnung auf Gottes Segen zum Heil der leidenden Menschheit. … Sie hatte sich auf den Ruf des himmlischen Bräutigams treu vorbereitet und ihre Lampe war mit dem Öl der Liebe und der guten Werke angefüllt.

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