Sonntag, 6. Juni 2010

Randbemerkungen zu Fronleichnam

Dirk offers an answer: "Happy Cadaver!"
"Huh?"
"Fronleichnam" he replied. "Fro: happy….Leiche: cadaver…
I remember Leiche meant corpse rather than cadaver. "So, it is like day of the Dead" I think to myself.

All the people we passed were cool.

I thought I would greet the next group, and I carefully assembled my phrase. Since Guten Tag is how everyone says hello around here, I unfurled a "Guten Fronleichnam!" in the direction of five people, two children and their elders strolling along ahead of us.

I got the puzzled look I have become famiar with because my accent might not be up to snuff. "SHOENEN Froleichnam!" I enunciate more loudly.

A fixed look from everyone tells me I just said nonsense, which my companions confirmed as I asked them if this holiday was …er… celebrated like Valentine's Day, or Christmas, or any other one where you say Happy whatever the hell to complete strangers.

Über diesen etwas skurrilen Auszug aus dem Beitrag Lost in scramblation kann man als Katholik schmunzeln. In der Tat tun sich offenbar einige mit der Erklärung des Festgeheimnisses schwer. In der Wikipedia etwa wird das scheinbare Fehlen einer verständlichen Erklärung beklagt. Eine schlichtere:

Die Kirche gedenkt an diesem besonderen Fest in Dankbarkeit und Freude der leiblichen Gegenwart Jesu Christi in den Gestalten von Brot und Wein bei der heiligen Kommunion.

Warum heißt das Fest Fronleichnam? Das Wort hat nichts mit „froh“ und nichts mit dem Leichnam zu tun, den man aufgebahrt sieht. Es leitet sich von einem altdeutschen Begriff ab, der einfach des Herren Leib bedeutet. In anderen Sprachen heißt das Fest zumindest für den Lateiner verständlicher Corpus Christi, Leib Christi.

In einem Forum lese ich, daß sich jemand überlegt, ob er zur Messe im alten Ritus gehe, da gebe es aber keine Prozession oder zur Feier im ordentlichen Ritus mit Prozession, worauf flugs jemand mit der Antwort herauskommt, zur Teilnahme an der Prozession sei man doch eh' nicht verpflichtet. Nun ja, formal stimmt das. Die Fronleichnamsprozession ist eine sogenannte „fromme Übung“. Allerdings empfiehlt die Kirche den Gläubigen, an den frommen Übungen teilzunehmen, ja der Bischof lädt selbst in diesem Fall dazu ein.

Welcher Art ist die Liebe, bei der man immer nur das tut, was man unbedingt muß? – Leicht eigenartig mutete mich im vergangenen Jahr eine Gottesdienstankündigung vor der Kirche an: „8. Dezember: Immaculata (nichtgebotener Feiertag)“ Also, falls sich sonntags jemand fragen sollte: Muß ich da am Dienstag etwa schon wieder hin? – das wäre dann jedenfalls geklärt.

Selbst würde ich mir die „Gestaltung“ dieser Open-air-Gottesdienste „für alle“ manchmal etwas anders wünschen (was die Überlegung des obigen Foranten wieder verständlicher erscheinen läßt). Warum muß etwa, obwohl Gläubige sehr zahlreich anwesend sind, der obzwar herzige Kinderchor aus dem sogenannten neuen gruseligen geistlichen Liedgut Kyrie, Gloria, Sanctus, Agnus dei und den Kommuniongesang vorsingen? Die Gläubigen dürfen dann immerhin zu diesen unsäglichen Credo von Harald Schmitt ihr "Aaaaamen, wir glaauuuben!" (wieso eigentlich WiR?) beisteuern.) Eine Lesung auf koreanisch(?), eine auf polnisch. Warum nicht noch mit kroatischen Untertiteln? – Aber allen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann, und wer fragt mich schon?



Wundern kann man sich auch über manche Ministranten, die die Prozession begleiten. In vergangenen Jahren war unausgesetzes Schwätzen heftigst Spätpubertierender hinter uns ein Problem (bei der Aufstellung der Meßdiener wird seit einiger Zeit nach Farbe des Talars und Größe der Ministranten sortiert). Dieses Mal landete ich in der Aufstellung gleich hinter den Jüngsten, da noch „ein kleiner schwarzer“ gebraucht wurde, der zugleich auch auf die kleinen roten vor ihm achten kann. Entweder bin ich kleiner geworden oder die hinter mir größer. Gleich hinter den „kleinen roten“ war es erfreulicherweise viel ruhiger, allerdings trat bei der Messe manchesmal geradezu schmerzhaft zutage, daß von der Gruppe, die gemeinhin als ideale Zielgruppe des Ministrantentums gilt, kaum einer eine Vorstellung hat, was man während der Heiligen Messe tut oder vielleicht doch lieber läßt (Sitzbänke umschmeißen, anderen das Liedblatt aus der Hand schlagen, so daß es in hohem Bogen davonfliegt) und daß man wenigstens zur Wandlung und der Litanei vor dem ausgesetzten Allerheiligsten nach vorn schaut. Zwischendurch fragt man sich da schon: machen die das in ihren Gemeinden eigentlich auch so? Und wenn ja, wer leitet die an?

Die nahezu einzigen, die einen Plan hatten, wann und daß man zum sakramentalen Segen niederkniet, waren wahrscheinlich die aus St. Afra. Die Andächtigen wurden dann wiederum von den Liedblatt-Wegschlagern scheel beäugt. Leute, sucht mich nächstes Jahr vielleicht doch lieber in der Nähe der Ordensritter (mit Damen!) und Ordensfrauen.

Kurzum, die Teilnahme an der zentralen Meßfeier und Prozession fällt für mich eher in die Kategorie Opfer, was ich zum Glück jedes Jahr, bevor es wieder soweit ist, weitgehend verdrängt habe. Vielleicht ist es tatsächlich ein wenig so, wie ich es kürzlich irgendwo las: zur großen Prozession gehen die Leute, um zu sehen und gesehen zu werden, zur Pfarrprozession wegen der Andacht und Frömmigkeit. In der Tat waren die kleinen Prozessionen in der Akademie innerlich erbaulicher. Dieses Jahr gab es leider keine, aber eine Messe mit sakramentaler Aussetzung – eigentlich fand ich das sogar noch schöner.

Immerhin: Ein vollkommener Ablaß wird demjenigen Christgläubigen gewährt, der an der feierlichen eucharistischen Prozession – die an Fronleichnam, dem Hochfest des Leibes und Blutes Christi, von größter Bedeutung ist – entweder innerhalb der Kirche oder außerhalb andächtig teilnimmt.

Die zentrale Prozession verlief bei schönstem Wetter ruhig und störungsfrei. Der Herr Kardinal bemerkte nach der Prozession abschließend, er habe „nicht eine einzige Lästerung“ gehört, nur die vereinzelte verblüffte Frage eines Passanten: „Was, halten die etwa immer noch zur Kirche?“ Ja, das tun sie, bis ans Ende der Welt.

Kommentare:

Michael hat gesagt…

Ich bin ja auch ein großer Fan des Lateinischen, bin aber nicht ganz sicher, ob es nicht doch sinnig ist, als Zeichen der Internationalität der Kirche auch die Auslandsgemeinden zu Wort kommen zu lassen.

Habe ich etwas missverstanden?

Anonym hat gesagt…

Hallo ich war auch dabei und habe die Gesänge über mich ergehen lassen. Ja, ich ahnte bereits vorher, dass wir Menschen erlösungsbedürftig sind. Jetzt weiß ich es. Der Chor sucht übrigens laut Programmheft noch Mitglieder für die "anspruchsvolle" Musik. Mich wundert es nicht, dass da kaum einer mitmachen will. Ansonsten fand ichs schön, es waren hier in Berlin auch viele junge Menschen dabei. Gruß Alfred

Anonym hat gesagt…

Anmerkung: Sollte wir nicht einfach mal nett schreiben, dass wir die Mudik gruselig fanden. Womöglich denken die Verursacher, alle findens schön... Alfred

Anonym hat gesagt…

Die musikalische Gestaltung dieses Gottesdienstes war in der Tat grauslich. Schade, denn es war ein wunderschöner Sommerabend und die Atmosphäre auf dem Gendarmenmarkt war froh und festlich. Irritierend allerdings die oben zitierte Schlußbemerkung des Kardinals - Warten wir jetzt schon krampfhaft auf jede "Lästerung"? Wenn wir zuversichtlich die Wiederkunft des Herrn erwarten, haben wir solche Sensibelchen-Attitüden doch wirklich nicht nötig.

Braut des Lammes hat gesagt…

@Michael: Natürlich sollen die Auslandsgemeinden zu Wort kommen. Es ging mir darum, daß für die Lesungen - die Fürbitten sind übrigens auch mehrsprachig – Fremdsprachen genommen wurden, die vergleichsweise wenige kennen. Es ist völlig ungewiss, wieviele Gläubige zum Beispiel von der koreanischen Gemeinde zur zentralen Feier kommen. In einem solchen Falle würde ich, wenn Latein nicht gewünscht ist, vielleicht doch lieber Englisch, Spanisch oder Französisch nehmen, damit könnten ungleich mehr etwas anfangen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Nett an den Domkapellmeister zu schreiben kann sicher nicht schaden.

Man möge mir übrigens nachsehen, falls der Beitrag etwas kritisch ausgefallen ist – womöglich sollte man in schlechter Verfassung keine Beiträge einstellen. Mittlerweile gehts wieder.

Braut des Lammes hat gesagt…

Als Ausgleich für das etwas düstere Posting habe ich noch ein paar Bilder nachgereicht.

Tiberius hat gesagt…

Dieses Jahr konnte ich bei der Prozession leider nicht dabei sein. Auch letztes Jahr habe ich nicht verstanden, warum die Katholizität der Kirche nicht in der ihr eignen Sprache zum Ausdruck kommen konnte.

Herzlich lachen mußte ich über folgende Passage: "Die nahezu einzigen, die einen Plan hatten, wann und daß man zum sakramentalen Segen niederkniet, waren wahrscheinlich die aus St. Afra." Das ist ein bißchen zuviel der Ehre.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...