Sonntag, 6. Juni 2010

Jungfraus Feierabend


Bei der abendlichen Erholung auf einem der größeren Friedhöfe der Stadt habe ich die Schließzeit versäumt, nicht viel, nur so zwanzig Minuten… Bisher war das nie ein Problem, heute aber war man pünktlich und sämtliche Tore waren verrammelt. Vor einiger Zeit dachte ich schon mal, bevor man hier die Polizei herbeitelefoniert, könnte man vielleicht doch über einen der hinteren Zäune steigen: die sahen nicht zu hoch aus, und in der Nähe waren größere Erdhaufen aufgeschichtet. Also hin! Doch ach, aus der Nähe hatte der Zaun sehr spitzige Piken, die Gitter waren zum Kraxeln zu eng und die Erdhaufen doch zu weit weg.

Auf der Suche nach einem passenden Zaun an der vorderen Straße fand ich einen jungen Mann friedlich lesend vor, der wußte noch gar nichts von seinem Glück. Schließlich half mir dieser hilfreiche Samariter einen orientalisch aussehenden Zaun (mit relativ stumpfen Piken) hinauf, dessen Sternchenmuster sich gut zum Erklimmen eignete – indes bin ich nicht sehr sportlich. Der gute Samariter hielt solange meinen Rucksack. Selbst blieb er dann noch ein bißchen auf dem Friedhof, da er schon mal da war. Jedenfalls haben wir uns sehr nett verabschiedet.

Als ich den Weg an einem Teil der Straße entlang nahm, den ich sonst nicht nehme, sah ich, daß weiter vorn jemand einen Teil der Mauer fast ganz eingerissen und Baugitter davorgestellt hatte, die ich wahrscheinlich ohne weiteres hätte beiseiteschieben können – kein Grund also, Kleid und Weichteile in Gefahr zu bringen. Andererseits: so wars zugleich menschlicher und abenteuerlicher.

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