Dienstag, 29. Juni 2010

Elijas Mantel und das Akademiefest


Elija wirft seinen Mantel über Elischa
(Skulptur von Naomi Spiers
in der Synagoge von Westminster)

Den Ausklang des akademischen Jahres feierte die katholische Akademie am Sonntag. In seiner Predigt übertrug der geistliche Rektor Christoph Karlson das Bild des Mantels auf Orte des Geistes und die Kirche:

Wir haben in der Kirche und auch in der Universitätslandschaft viele Jahrzehnte mit der Überzeugung gelebt, man solle doch die alten Mäntel abschaffen, um dem Geist wieder Raum zu geben. Sind wir uns der Kraft des Geistes so sicher, daß wir auf den Mantel ganz verzichten? - Gewiß der alte Mantel garantiert den Geist keineswegs.

Aber das bloße Zurechtstutzen des Mantels hat der deutschen Kirche zumindest nicht die prophetische Existenz gebracht, von der sie möglicherweise geträumt hat. Und dennoch wird nach wie vor ständig um den Mantel gestritten.

Das verwundert doch sehr. Die Logik der Abschaffung all dessen, was an der Kirche nicht bürgerlich plausibel ist, läuft auf eine Abschaffung des Geistes hinaus. Ich glaube, das Leute, die mantraartig Strukturreformen fordern, genau denjenigen auf den Leim gehen, die eine Radikalität des Geistes für Unsinn halten, die keine inneren Überzeugungen kennen, sondern nur dem gerade Nützlichen und Praktischen, dem Üblichen hinterherlaufen.

Was würden diese Menschen dem Elija entgegnen: Was soll der Unfug? Der Acker, die Familie ist doch viel wichtiger! Gott gibt es vielleicht gar nicht. Und die geistigen Kräfte des Volkes Israel regenerieren sich doch von allein - wenn die Leute genug zu essen haben! Wir brauchen keine Propheten und Spinner!

Wir wollen Gott für das nun endende akademische Jahr danken. Wir wollen hoffen, daß unsere Akademie auch in Zukunft ein Ort des Geistes sein kann, auch wir müssen noch sehr viel lernen, was es heißt, eine Prophetenschule, ein Ort der Freiheit zu sein, zu der wir alle berufen sind. Möge es uns vergönnt sein, daß dieser Ort immer mehr ein Schutzort des Lernens, ein Prophetenmantel wird für all jene Menschen, die ihre Sehnsucht noch spüren.
Anschließend gab es bei schönstem Wetter (Siebenschläfer!) in den katholischen Höfen – wo heute die große Party steigt – ein kleines Fest und am Nachmittag durften wir uns ein weiteres Mal in einem Konzert am Ensemble de Morales erfreuen, die uns zuvor schon die Heilige Messe mit Palestrina verschönert hatten.

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Nicht schlecht. Vielleicht sollte ich mal wieder in die Akademie gehen. Danke für den Bericht.

Braut des Lammes hat gesagt…

Immer gerne! Kämest du mittags, sähen wir uns unbekannterweise (<- schöner Konjunktiv! :P)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...