Sonntag, 9. Mai 2010

Wo wären wir ohne die Sakramente?

Bei der Ministrantenprobe in der Karwoche erwähnte der Pfarrer am Rande, es käme immer wieder einmal vor, daß die Gläubigen auf die Fragen des Priesters: Widersagt ihr…? und Glaubt ihr…? antworten mit: Wir widersagen! bzw. Wir glauben! Dies sei widersinnig, weil man stets nur für sich selbst bezeugen kann, wem oder wessen man widersagt und an was man glaubt. So habe ich das auch stets empfunden und deshalb stört es mich eigentlich, wenn mir im feierlichen Hochamt der Chor auch noch das ganze Credo in konzertanter Manier vorsingt. Ich glaube an Gott… – und das singen dann andere für mich (während mir womöglich eher zum Einschlafen zumute ist). – Der Wechselgesang mit der gregorianischen Schola ist dagegen gute kirchliche Tradition.

Höchst eigenartig in Bezug auf das persönliche Bekenntnis dessen, woran einer glaubt, erschien mir daher diese Meldung (wenn sie denn so stimmt, das weiß man heute ja nie so genau):
Enttäuschte Katholiken wechseln die Konfession

Das Verhalten vom Pontifex und den deutschen Bischöfen im Mißbrauchsskandal stieß bei vielen Gläubigen auf Kritik. Einige von ihnen ziehen daraus offenbar Konsequenzen: Mehrere evangelische Landeskirchen berichten von einem zunehmenden Interesse ehemaliger Katholiken am Eintritt in die evangelische Kirche. Sie bestätigten damit einen Bericht der "Leipziger Volkszeitung". Demnach registrieren vor allem die großen Landeskirchen Hannover und Rheinland sowie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau gestiegenes Interesse an einem Kirchenübertritt.
Wie kann etwaige Enttäuschung, Frustration, Ärger über manche ihrer Vertreter oder auch Kritik jemals dazu führen, daß ich die Kirche – die KiRCHE – verlasse? Daß ich etwas anderes glaube als das, was ich als die Wahrheit ansehe oder erkannt habe? Was die Kirche als Wahrheit ansieht oder erkannt hat? Was ich bisher geglaubt habe?

In der Präfation des Hochfestes vom Heiligsten Herzen Jesu, das wir demnächst feiern, heißt es:
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben durch unseren Herrn Jesus Christus. Am Kreuz erhöht, hat er sich für uns dahingegeben aus unendlicher Liebe und alle an sich gezogen. Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser, aus seinem durchbohrten Herzen entspringen die Sakramente der Kirche. Das Herz des Erlösers steht offen für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heiles.
Aus seinem Herzen entspringen die Sakramente der Kirche … damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heils.

Ohne Sakramente können wir nicht sein, ohne Sakramente gäbe es keine Kirche. Die katholische Kirche lehrt, daß es sieben solcher Sakramente gibt. Was geht in jemandem vor, der, wie es oben heißt, "ein gestiegenes Interesse" zeigt? Innerlich vier Sakramente zu Sakramentalien erklären, darunter zwei, von denen man bisher geglaubt hat, daß sie der Seele ein unauslöschliches Siegel einprägen? Wie ist es mit der Transsubstantiation, also mit der Wandlung der eucharistischen Gaben in den Leib und das Blut Christi? Glaubt derjenige dann ab, sagen wir, kommenden Dienstag, daß es sich anders verhält?

Man verstehe mich recht, es geht mir nicht darum, ein Bekenntnis gegenüber einem anderen abzuwerten. Nur sollte es dann auch eines sein. Seine Konfession zu wechseln wie etwa die Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung ist da sicher nicht der rechte Weg und die rechte Auffassung von Kirche.

Ich bin katholisch geworden wegen der Sakramente und der dauerhaften Gegenwart Christi im Allerheiligsten. Nie könnte ich die Kirche verlassen, die mir Mutter ist, ebensowenig wie ich Gott verlassen könnte, der mir Vater ist, Christus verlassen könnte, der mir alles bedeutet.

In der Heiligen Messe am letzten Sonntag sagte der Pfarrer, der über das Leben aus den Sakramenten gepredigt hatte, man könne fragen, so lange gehe ich jetzt schon zur Kirche, bete und empfange die Sakramente – und was ist geworden, mit mir und meinem Leben? Was hat sich geändert? Man kann aber auch fragen: wo wäre ich ohne das Gebet? Ohne die Sakramente?

Kommentare:

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Ehrlichgesagt: Wo ich wäre, könnte ich ziemlich genau sagen. Aber nicht, wer ich wäre (und ob das wirklich ich wäre).

Anonym hat gesagt…

Ich denke, dass die Christen, die einen Konfessionswechsel erwägen, dies tun, weil sie schon länger mit dem Autoritätsanspruch der Institution röm.-kath. Kirche hadern. Sie verlassen die Institution, aber ihrem Verständnis nach nicht die Kirche, die viele eher paulinisch als Gemeinschaft der Glaubenden, die sich nach Gottes Wort und Geboten ausrichten, ansehen. Kirche ist nach ev.-lutherischem Verständnis überall dort, wo 'das Evangelium recht gepredigt und die Sakramente recht verwaltet und gespendet werden.' Zu den Sakramenten: Auch in der evangelisch-lutherischen Kirche wird von der Realpräsenz Christi in Brot und Wein ausgegangen. Es ist letztendlich eine philosophische Auseinandersetzung, ob man das jetzt als Transsubstantiation (kath.) oder Konsubstantiation (ev.-luth.) versteht. Die Differenz besteht vielmehr im Amtsverständnis, womit wir in letzter Konsequenz wieder beim Autoritätsanspruch der Röm-katholischen Kirche wären.
Als ökumenisch engagierte ev.-luth. Theologin sehe ich den aktuellen Trend eher mit Besorgnis als mit Freude, denn ich stimme Dir zu: einen Konfessionswechsel sollte man nicht vornehmen wie einen Wechsel der Krankenkasse oder eines Sportvereins (ohne allen 'Wechslern' unterstellen zu wollen, dass sie die Entscheidung auf die leichte Schulter nähmen). Allzuschnell werden damit auch persönliche wichtige spirituelle Wurzeln gekappt.
Ich kann die Frustration der 'Wechsler' verstehen, würde aber selbst eher dafür plädieren, sich aktiv in der Kirche zu engagieren, um Probleme in Angriff zu nehmen, anstatt den 'Verein' zu wechseln. Was die Missbrauchsthematik in Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen angeht, sitzen wir nämlich in einem Boot.
Malwine

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