Dienstag, 25. Mai 2010

Pfingsten und Maria, die Hilfe der Christen

In der Heiligen Messe am Pfingstmontag der Akademiegemeinde am Pfingstmontag sprach der Zelebrant in seiner Predigt unter anderem über den erst vor wenigen Jahren eingeführten Gebetstag für die Kirche in China. Die gesamte Predigt zum Pfingstmontag kann man hier nachlesen.
Die Kirche begeht heute – am 24. Mai – einen besonderen Gebetstag, der vor drei Jahren vom Papst eingeführt worden ist. Dieser Tag ist in der Provinz Shanghai der Wallfahrtstermin zur Muttergottes von Sheshan, einem Marienheiligtum auf einem Berg in einem Vorort der Millionenstadt.

Aus Anlaß der 400-Jahrfeier der katholischen Kirche in China hatte der Papst den chinesischen Katholiken einen Brief geschrieben, und sie zur Einheit und zum Zeugnis aufgerufen. Dieser Brief durfte damals nicht verbreitet werden – er galt als Einmischung in innere Angelegenheiten.
Seit der Olympiade und sicher in Verbindung mit der Weltausstellung in Shanghai ist auch das Reich der Mitte stärker in das Blickfeld der westlichen Welt geraten und es wird immer deutlicher, wie groß inzwischen das Interesse der Chinesen am Christentum ist.
Die Gräber der ersten Jesuiten Matteo Ricci und Schall von Bell kann man in Peking ansehen. Sie sind Zeugen des Glaubens in China – aber die Enttäuschung über den Kommunismus verbunden mit einem Emfpinden für die Banalität des westlichen Materialismus und die damit verbundene Orientierungslosigkeit in den Herzen der Chinesen kann man nicht sehen. Man kann nur hören, daß die Parteiführung inzwischen ganz offen von einem „religiösen Fieber“ spricht. Und daß sich die wichtigsten soziologischen Institute zunehmend mit dem Christentum befassen. Ein großes Interesse an christlicher Literatur ist einfach nicht zu leugnen.
Die Entwicklung dabei ist ähnlich wie in Korea. Obwohl die katholischen Gemeinden häufig eine lange Tradition haben, einen starken Glauben und sehr viele Märtyrer in ihren Reihen, wachsen sie doch nur wenig. Der Bischof von Shanghai Aloisius Jin Luxian SJ, selbst schon 95 Jahre alt, der ca. 20 Jahre seines Lebens in furchtbaren Lagern verbracht hat, hat vor drei Jahren in seinem Hirtenbrief selbstkritische Töne gefunden:

Die meisten Katholiken von Shanghai legen vor allem Wert auf die Feier der Sakramente und vernachlässigen die Verkündigung der Frohbotschaft und den Dienst der Liebe. Daher ist die Zahl der Katholiken in der Diözese von 100.000 vor 1949 auf heute nur rund 150.000 gestiegen, was bei Berücksichtigung des allgemeinen Bevölkerungswachstums de facto ein Rückgang ist. Die protestantischen Schwesterkirchen in Shanghai, die Evangelisierung und Werke der Nächstenliebe betonten, sind im gleichen Zeitraum von nur 30.000 Mitgliedern auf über 200.000 angewachsen.

Er als Bischof spüre sein Versagen. Priester, Schwestern und Seminaristen könnten nach der heiligen Messe nicht einfach die Kirchentür abschließen und ihre Zeit vor dem Fernsehen oder Internet verbringen. Die Kirchentüren sollten den ganzen Tag geöffnet und Besucher immer willkommen sein. Spiritualität und Gebetsleben müssten gestärkt werden. Er forderte insbesondere die Priester und Schwestern auf, den Missionaren der Geschichte im Geist des Opfers und des Dienens nachzueifern und wie sie die katholischen Laien zum Einsatz zu bewegen.
Der wirklich heiligmäßige Bischof verschweigt natürlich, daß die protestantischen Hauskirchen viel Unterstützung aus den USA und aus Australien erhalten – eben auch materielle Hilfe, die an die Armen weitergegeben werden kann.

Und er verschweigt eine bestimmte Stimmung die für den Diaspora-Katholizismus typisch ist, und sicher auch verständlich, weil sie resultiert aus einer beständigen Rechtsunsicherheit, einer Lähmung durch die lange Verfolgung. Ich meine den Mangel an Träumen und Visionen, die Favorisierung des Status quo.
Hier gleichen sich viele Christen auf der ganzen Welt. Warum wagen wir es nicht, unsere Träume auszusprechen: Es wird geschehen, daß ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben, und eure jungen Männer Visionen. Auch über Knechte und Mägde werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen.

Bitten wir um ein neues Pfingsten für unsere Gemeinden in Berlin und in ganz Europa und bitten wir die Mutter Maria, die Hilfe der Christen von Sheshan, die als kleines Mädchen ihr Ja gesagt hat, zu einem Traum, den sie nicht begreifen konnte. „Siehe ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort!“

Sprich dieses Wort noch einmal, damit wir sehen, wie schön es ist, sich für den Willen Gottes zu öffnen, damit wir die Kraft haben, jeden Tag immer neu dem Anruf des Geistes zu folgen. Amen.

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