Mittwoch, 5. Mai 2010

Gleicht euch nicht dieser Welt an – Ordensgewänder

Sœurs de la consolation
Hier hatte ich mich schon zum Thema Ordenstracht bzw. Schleier und Ring als Zeichen geäußert.

Mit der Aufnahme eines Lebens als Eremit oder als gottgeweihte Jungfrau war traditionell das Anlegen eines einfachen Gewandes und im Falle einer Jungfrau auch die Verschleierung (Velatio) und das Tragen einer ärmlichen Tunika verbunden. Der Wechsel der Gewänder gehörte früher zum Ritus der Jungfrauenweihe.

Ordensmänner und -frauen, die sich ja aus dem Eremitentum und den Zusammenschlüssen gottgeweihter Jungfrauen entwickelten, zogen in späterer Zeit zunächst ein gewöhnliches Gewand ihrer Zeit an, jedoch trugen in der Regel alle Mitglieder der Gemeinschaft Gewänder der gleichen Art. Daraus entwickelten sich im Laufe der Zeit die Ordenstrachten als unverwechselbares Kennzeichen des religiösen Standes.

Der Habit einer Ordensschwester sagte früher viel über seine Trägerin aus. Man konnte seinem Aussehen entnehmen, zu welchem Orden seine Trägerin (wahrscheinlich) gehörte, was für eine Tätigkeit sie ausübte, ob sie schon die Profeß abgelegt hatte oder Novizin war. Einige Trachten sind besonders leicht zu erkennen. Die Birgittinnen zum Beispiel tragen zu einem schlichten grauen Habit eine weißleinene Haube mit schwarzem Schleier und einer weißen Leinenkrone, auf der fünf rote Tropfen in Kreuzform angeordnet sind. Auch die Postulantinnen (Ordensanwärterinnen) hatten bereits eigene Gewänder.
Im Zuge der Reformen nach dem zweiten vatikanischen Konzil wurden die Ordensgemeinschaften aufgefordert, auch ihren Habit zu erneuern. Die Tracht sollte einfach und bescheiden sein, zugleich ärmlich und kleidsam. Sie sollte gesundheitlichen Normen genügen und den örtlichen Umständen angepaßt sein.

Dies führte in der Folge leider dazu, daß – wie so oft – vielfach das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde. Mit der Vereinfachung verloren die Trachten vieler Gemeinschaften auch das ihnen eigene, Unverwechselbare und wurden teils zu einer Art „Schwesternstandardkleidung“, oft auch ohne die symbolhaften Elemente des Skapuliers als Sinnbild des Joches Christi (Mt 11,30) oder des Schleiers für die ausschließliche Bindung der Frau an Christus durch Gelübde.

Eigene Gewänder bzw. Schleier oder Häubchen für Postulantinnen bzw. Kandidatinnen wurden oft abgeschafft, obgleich doch der Eintritt in ein Kloster, wenn auch die Anwärterin bis zur ersten Profeß nicht dem Orden angehört, einen radikalen Bruch bedeutet. In vielen Gemeinschaften trägt die Postulantin heute bis zur Einkleidung weiter weltliche Kleidung, obwohl die Anwärterin „die Welt“ bereits verlassen hat.

Bereits 1982 schrieb Marcelle Bernstein in Nonnen. Leben in zwei Welten:
Immer häufiger stellt sich heraus, daß die Versuche, die Ordenstracht zu „modernisieren“, dazu führte, daß die Frauen aussehen, als kauften sie ihre Sachen in Ramschläden. Die alten Nonnentrachten mit ihren bauschigen Rocken, den weiten Ärmeln und den Schultertüchern eignen sich einfach nicht dazu, gekürzt oder enger gemacht zu werden. Die schlechteste Werbung für religiöses Leben sind jene Schwestern, die ihre Rocksäume acht Zentimeter anheben, ihre Schleier zu Kopftüchern verarbeiten und dicke Baumwollstrümpfe und Kunststoffschuhe tragen. Sie sehen unterbezahlt und ärmlich aus, wie ausgebeutete Sklavinnen in staubigem Schwarz. Daß sie in ästhetischer Hinsicht Mißfallen erregen, ist dabei gar nicht so wichtig, wenn man davon absieht, daß wir in einer materialistischen Gesellschaft leben, in der die Menschen nach ihrer äußeren Erscheinung eingeschätzt zu werden. Viel wesentlicher ist, daß diese so unglückliche Aufmachung eine erschreckende Zaghaftigkeit beweist. Es ist eine symbolische Geste, die nirgendwo ankommt.
Daß es auch anders geht, zeigen zum Beispiel die Kleinen Schwestern Jesu oder die monastischen Gemeinschaften von Jerusalem:

die Gründerin der Kleinen Schwestern Jesu,
Kleine Schwester Magdeleine Hutin

die Kleinen Schwestern bei der Arbeit auf dem Teil
des Grundstücks, der ihnen von den Trappisten
von Tre Fontane in Rom überlassen wurde

Vergleichsweise wenig verändert hat sich der unverwechselbare Charakter der Tracht der Karmelitinnen von so (rechts) nach so (links). Statt selbstgewebter grober und ungeachtet des Klimas einheitlich warmer Wolle nimmt man dabei heute für den Habit einen pflegeleichteren Stoff, dessen Beschaffung bei einem norditalienischen Großhändler allerdings auch immer schwieriger wird.

Karmelitinnen im Karmel von Compiègne
Oder, wenn das gottgeweihte, ehelose Leben sowieso eher als etwas der „Welt“ und der heutigen Zeit völlig Konträres, Radikales verstanden wird, warum dann nicht einfach so aussehen wie oben links? – (Ein Foto neueren Datums von den Petites sœurs de la consolation, du Sacré-Coeur et de la Sainte Face, einem Orden mit sichtlich viel jungem Nachwuchs.)

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

Was ich mir schon LANGE wünsche: Ein Kleidungsstück im weitesten Sinn des Wortes, irgend etwas, das ich mir auf/über die Schultern lege bevor ich zu beten beginne, ob zu Hause oder in der Kirche. Und dieses Kleidungsstück möchte bitte von einem Priester gesegnet sein. Ob so etwas die Konzentration fördern kann? - Und wenn es mich (wenn ich an mir herunter schaue) nur daran erinnert, daß ich doch eigentlich jetzt BETEN möchte!!! (D. h. das karmelitische Skapulier wäre mir hierfür zu klein, ich trage es ja auch immer und nicht nur zum Beten.)

Braut des Lammes hat gesagt…

Bei mir fördert es sie: ich lege zum Stundengebet zu Hause außer dem Schleier auch eine Albe an. Der Brauch einiger Orden, wenigstens zu den feierlichen Tagzeiten einen Chormantel oder eine Kukulle anlegen hat meiner Ansicht nach nicht nur praktische Gründe.

Göre hat gesagt…

Ich finde, Bescheidenheit und Verzicht auf Extras sind gerade Ausdruck eines Lebens, daß nur GOTT gefallen möchte. Deshalb finde ich einfache, ganz normale Kleidung passend für solch ein Leben. Und der Welt entsagen ist nicht gut - mitten in der Welt leben und IHN mit unserem Leben verkünden, dass ist in meinen Augen Nachfolge. Das hebt uns natürlich in keinster Weise ab - aber sollte das denn?

Braut des Lammes hat gesagt…

Liebe Göre, wenn ich jetzt wüßte, wen du im Speziellen mit "uns" meinst, fiele mir die zielgerichtete Antwort leichter.

Durch ihre Profeß oder Weihe unterscheiden sich die gottgeweihten Personen aber gerade von der Welt. In Bezug auf die Ordensleute wünscht die Kirche, daß diese ein Ordensgewand tragen (und daß auch Zivilkleidung, wo sie getragen wirdin gewisser Weise immer von der Kleidung der Weltleute abweichen soll). Zur Armut: ich wette, ein Habit ist von den "Betriebskosten" her günstiger als weltliche Kleidung, wie einfach auch immer. Es sei denn, du hättest nur einen Pulli und einen Rock.

Anonym hat gesagt…

Die völlige Abschaffung des Schleiers und der Kopfbedeckung für christliche Frauen war ein Fehler.
Sie waren auch sichtbares Zeichen des Glaubens, der heute mehr und mehr aus dem Strassenbild verschwindet. Manchmal beneide ich muslimsche Frauen um ihre Gebetskleidung ...

Sandra K.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das geht mir genauso. Es steht dir aber jedenfalls frei, eine solche Kopfbedeckung selbst zu wählen. Darauf habe ich hier
The secret dreamworld of a veiloholic
einzugehen versucht.

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