Freitag, 28. Mai 2010

Betet ohne Unterlaß

Über die gestrige Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg kann man sich nur wundern. Ein muslimischer Schüler, der sich vor Gericht eine Genehmigung erstreiten mußte, eine Unterrichtspause zum Beten nutzen zu dürfen, hatte im letzten November zunächst obsiegt. Der zuständige Senat legte gegen die Entscheidung des Gerichts, dem Schüler das Gebet während der Pause zu gestatten, Widerspruch ein. Diesem Widerspruch gab das OVG nun statt. Nachzulesen etwa hier.

Man beachte: der Schüler hatte ursprünglich nicht die Zurverfügungstellung eines Raumes gefordert, er wollte einfach beten, wo und wie er gerade war: in seinem Falle in der Ecke des Schulkorridors. Das war der Schule – und manch anderem – nicht recht.

Wer sich fragt, warum ich als Katholikin mich daran stoße: wie ich meinem Gewissen und Glauben folgen muß, so kann ich auch nur wünschen, daß andere dem ihren folgen können.

Religionsfreiheit wird neuerdings gern mit Freiheit von Religion verwechselt. Da spricht man vom "ungestörten Schulbetrieb", störenden "kultischen Handlungen" und der möglichen Entstehung von "Glaubensinseln". Welche Störung genau vom Gebet eines Menschen ausgeht, der sich in der Ecke eines Schulflures niederwirft, bleibt ungewiß – derjenige bringt schließlich keine Schlacht- und Brandopfer dar. Und was an Glaubensinseln nun schlecht sein soll, erschließt sich mir auch nicht. Wem natürlich der Glaube als solcher unerwünscht erscheint, den stört auch eine Glaubensinsel.

Diese Haltung führt übrigens gern einmal dazu, daß "kultische Handlungen" auch dort, wo sie der Ansicht der Behörden nach gerade noch zu vertreten sind, nämlich im Kirchhof, gestört werden dürfen. Alljährlich kreisen während der Palmweihe Hubschrauber im Luftraum über der Kathedrale und gegenüber lädt die Staatsoper mit laufenden LKW-Motoren und unter dröhnendem Geschepper irgendwelches Gemöck ab. Ist die Palmweihe vorüber, sind die Arbeiten wundersamerweise ebenfalls beendet. Anderswo führt jemand bissige Hunde durch eine kleine Fronleichnamsprozession über den Kirchhof spazieren. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Es wird in Umfragen und Kommentaren gefragt: Sollen muslimische Schüler in der Pause beten dürfen? Wieso betrifft diese Frage eigentlich nur Moslems? Sollte nicht jeder beten können, wann immer er will (vorausgesetzt, natürlich, daß dies die Pflichten nicht beeinträchtigt, die man gerade hat, etwa bezahlte Arbeit zu leisten)?* Der Apostel fordert uns im Tessalonicherbrief jedenfalls dazu auf: Betet ohne Unterlaß!

* Jedoch kann man auch bei vielen Arbeiten beten, wenigstens ein Stoßgebet verrichten oder die Arbeit selbst zum Gebet machen.

1 Kommentar:

Ulrich hat gesagt…

danke

sehr wichtiger beitrag, danke.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...