Montag, 12. April 2010

Weißer Sonntag – Quasimodogeniti

Eine leicht nostalgische Reminiszenz an meine Konfirmandenzeit hatte ich gestern, als der Pfarrer in der Predigt den Sonntag Quasimodogeniti erwähnte.

Seinerzeit hatte ich im Konfirmationsunterricht eine Stempelkarte, auf der für jeden Sonntag des Kirchenjahres ein Feld zum Abstempeln vorgesehen war (allein schon die endlose Folge der "Sonntage nach Trinitatis" reicht aus, um einen Menschen in die Arme der katholischen Kirche zu treiben…). Wer am Ende zu wenig Stempel vorweisen konnte, wurde nicht konfirmiert. Die lateinischen Sonntage waren auf dieser Karte faszinierenderweise in aller Unschuld – die Konfirmanden ja oft abgeht – zum Teil abgekürzt. So wurde aus Septuagesima Sept. und aus Sexagesima Sex., was wir natürlich außerordentlich witzig fanden. Sancta simplicitas! Der mich am meisten faszinierende Name Quasimodogeniti war zwar nicht mit Quasimodo abgekürzt, hat mich aber natürlich doch an jenen (in Gestalt von Antony Quinn) erinnert – völlig zu Recht, wie ich erst viele Jahre später, als mich der Name des Sonntags immer noch faszinierte, herausfand. Der Sonntag hat seinen Namen von den ersten Worten des lateinischen Introitus aus 1 Petr 2,2:

Quasi modo geniti infantes, Halleluja, rationabile, sine dolo lac concupiscite.
(Wie die neugeborenen Kindlein seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch.)

Bei Quasimodo wollte Victor Hugo sicher auch darauf hinaus, daß sein Gemüt war wie das eines neugeborenen Kindes. Ein ganz süßes solches wurde gestern getauft. Der Oktavtag von Ostern ist sicher einer der schönsten Tauftermine. In der frühen Kirche war es Brauch, daß die Neugetauften – damals vor allem Erwachsene – ihre weißen Taufgewänder in der ganzen Osteroktav trugen, wovon sich wahrscheinlich die Bezeichnung Weißer Sonntag (Dominica in albis) ableitet.

Der kleine Täufling hat einige von uns beim Schlußgesang dadurch erheitert, daß er mit einem Liedblatt quasi im Takt wedelte.

Kommentare:

Theresia Benedicta hat gesagt…

Meines Wissens nach - hat mir unser Kantor am Sonntag zumindest so erklärt - heißt Quasimodo nach dem Introitus, weil er an diesem Sonntag gefunden wurde... :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist sicher richtig, jedenfalls habe ich das auch so gelesen. Ich wollte darauf hinaus, daß es mehr als eine Bedeutung haben kann.

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