Donnerstag, 22. April 2010

Teresa de Los Andes, Jungfrau

Herr, du hast mich betört und ich ließ mich betören. (Jer 20,7)

Etwas verspätet schreibe ich zum Gedenktag der heiligen Teresa de Los Andes am 12. April. Verspätet, weil ich sie eigentlich unter dem 13. Juli im Gedächtnis habe. Dies ist allerdings ihr Geburtstag, und an diesem Tag feiert sie die chilenische Kirche. Teresa de Los Andes ist die erste Chilenin, die heiliggesprochen wurde, die erste amerikanische Karmelitin und eine von fünf heiligen Karmelitinnen, die den Namen Teresa trugen.

Teresa wurde in Santiago de Chile als Juana (Juanita) Fernandez Solar geboren und ging als junges Mädchen in das Internat der Schwestern vom Heiligsten Herzen. In dieser Zeit las sie die Geschichte einer Seele der kleinen heiligen Therese, hatte aber auch die typische Kindheit einer höheren Tochter: mit Begeisterung ritt sie, spielte Tennis und musizierte. Bei Tanzveranstaltungen umging sie das Tanzen, in dem sie sich anbot, das Klavier oder der Gitarre zu spielen. Die sich anbahnende Freundschaft mit einem Nachbarsjungen beendete sie, in dem sie sich und ihr Leben Christus weihte: Im Alter von 14 Jahren legte sie für die Dauer einer Novene ein Gelübde ab, ihre Jungfräulichkeit zu bewahren, das sie in der Folge täglich erneuerte.

Nach ihrer ersten heiligen Kommunion konnte Juanita eigentlich nur noch an ihre Liebe zu Christus denken. Von einer der Ordenschwestern angeregt, begann sie ein Tagebuch zu führen. Zusätzlich entwarf sie eine feste Ordnung für ihr geistliches Leben, die täglichem Meßbesuch und einer Zeit für das innere Gebet umfaßte.

Am 8. Dezember 1915, dem Hochfest der unbefleckten Empfängnis, gelobte Teresa:
Heute, am 8. Dezember 1915, im Alter von 15 Jahren, verspreche ich, keinen anderen Bräutigam als meinen Herrn Jesus Christus zu kennen, den ich mit meinem ganzen Herzen liebe und dem ich dienen will bis zum letzten Moment meines Lebens.

An ihre jüngere Schwester Rebeca, die später selbst Karmelitin in Los Andes werden sollte, schrieb sie kurz darauf:
Wie glücklich bin ich, liebe Schwester! Ich bin gefangen in den liebenden Netzen des heiligen Fischers. Ich wünschte, ich könnte Dir diese Glückseligkeit verständlich machen. Ich kann mit Sicherheit sagen, daß ich seine Erwählte bin und sehr bald mit ihm unsere Hochzeit im Karmel feiern werde. … Am 8. Dezember habe ich mich ihm versprochen. Es ist unmöglich zu sagen, wie sehr ich ihn liebe. Mein Geist ist erfüllt von ihm allein. … Ich sehne mich nach dem Tag, wenn ich in den Karmel eintreten und mich ihm allein hingeben kann, mich vor ihm in Demut niederwerfen und allein sein Leben führen kann: für die Seelen zu lieben und zu leiden. Ja. Ich dürste nach Seelen, weil ich weiß, daß mein Jesus nach ihnen mehr als nach allem anderen verlangt.
Im Alter von 18 Jahren ging dieser glühende Wunsch in Erfüllung: Juana Fernandez Solar trat als Postulantin in das Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen von Los Andes ein und nahm zur Einkleidung am 14. Oktober, dem Vorabend des Hochfests der hl. Teresa von Avila, den Namen Teresa von Jesus an (dies war auch der Ordensname der großen heiligen Teresa).

Ihrem Beichtvater bekannte sie einem Monat vor ihrem Tod, daß Christus sie bei ihrer ersten heiligen Kommunion berufen und ihr dabei auch enthüllt habe, sie werde jung sterben und zu ihm in den Himmel eingehen. Sie nahm diese Vision mit Glück und Freude hin, ihrer Liebe zum Herrn gewiß, und in der freudigen Erwartung, ihm bald zu begegnen.

Im Alter von nur 19 Jahren erkrankte sie an Flecktyphus und starb ein halbes Jahr vor dem Ende ihres Noviziats. Auf diese Weise sollte sich die Vision bei ihrer Erstkommunion erfüllen. Auf dem Totenbett durfte Teresa im Angesicht des Todes die feierlichen Gelübde ablegen.

Das Foto, dem später eine fromme Seele einen Heiligenschein hinzufügte, und das sie in der Tracht einer Karmelitin mit feierlicher Profeß zeigt, entstand bei einem Fotografen in Santiago noch vor ihrem Ordenseintritt.

Im Karmel schrieb sie:
Wie groß ist die Mission, die sich vor mir auftut! Sie ist universal und ich bin derart unfähig, sie zu vollenden. Aber er, mein angebeteter Bräutigam, ist bei mir und wird mir die Kraft geben, mich zu opfern und mein ganzes Herzblut in mystischer Liebe zu verschwenden, denn eine Karmelitin muß bereit sein, jederzeit für ihre eigene Seele und die Seelen aller zu sterben. Welche Reinheit verlangt meine Berufung, stets mit Gott vereint zu sein, mein Leben in einer geheiligten Atmosphäre zu verbringen. Welche Sammlung, welche ununterbrochene Anbetung. Welcher Frieden. Wie entflammt vor Liebe ist die Seele, die dem Gekreuzigten vermählt ist! Welche Armut und Loslösung des Herzens und des Geistes und welcher Gehorsam und Unterwerfung unserer selbst! Karmelitin … Wie wenig in der Lage bin ich, Pater, in den Lebensentwurf zu passen, der mir von meinem heiligen Bräutigam und meiner allerheiligsten Mutter geboten wurde.
Die heilige Teresa zeichnete sich ungeachtet ihrer Jugend durch ihre außergewöhnliche Liebe und Hingabe an den Herrn und ihre Opferbereitschaft aus. Ihr kurzes, sehr heiligmäßiges Leben gemahnt uns daran, wie die gottgeweihten Jungfrauen Christus lieben sollen: für ihn zu leben und zu atmen, für ihn zu opfern, ihn zu lieben, indem wir einander lieben. Teresas außergewöhnliche Tugend bestand darin, ihr Leben ganz für Christus zu leben.

Kurz vor ihrem Tode schrieb sie an ihren Bruder:
Meine Zeit ist nicht meine eigene. Ich habe alles, was ich besaß, hingegeben, sogar meinen eigenen Willen! Ich muß alles tun, was Gott von mir verlangt, Augenblick für Augenblick … welche Freude! Wie glücklich bin ich, indem ich Christus alles hingegeben habe! Es bedeutet überhaupt nichts im Vergleich dazu, wie sich unser Herr von der Krippe zum Kreuz für uns opferte und vom Kreuz bis hin zur Gestalt des Brotes, in der er sich uns hingibt bis ans Ende aller Zeiten. Eine unerkannte Liebe, eine Liebe, die von den meisten Menschen nicht erwidert wird.
Einer säkularisierten Gesellschaft, die Gott den Rücken zugekehrt hat, zeige ich mit einer lebhaften Freude diese junge Chilenin, die ein Modell für die ewige Jugend des Evangeliums ist. Sie trägt das klare Zeugnis einer Existenz, die den Menschen von heute sagt, daß in der Liebe, in der Anbetung und im Gottesdienst Wachstum, Freude und die völlige Verwirklichung des Menschen liegt. Das Leben der seligen Teresa ruft uns auf sanfte Art zu: Gott allein genügt. (Johannes Paul II. in seiner Predigt zur Heiligsprechung)
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Zelle der Heiligen im Karmel von Los Andes: Mein Kloster macht einen armseligen Eindruck. Es hat nicht einmal die Form eines Klosters, denn es ist ein altes, häßliches Haus. Diese Armut hat mich aber tief getroffen und bewegt. (Teresa nach ihrem ersten Besuch im Karmel von Los Andes).
Mehr über Teresa erfährt man in mehreren Sprachen hier

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