Mittwoch, 7. April 2010

(M)eine kleine Nachlese der Heiligen Woche


(M)eine kleine Nachlese der Heiligen Woche (Leider habe ich mir pünktlich zur Heiligen Woche eine Schlafstörung zugelegt. Wahrscheinlich wars von allem ein bißchen: die Zeitumstellung, der Vollmond und das viele Adrenalin. Irgendwie bin ich innerlich dieses Jahr manchesmal nicht so richtig dem äußerlichen Verlauf der Feiern hinterhergekommen.):

Die von uns für den Palmsonntag gebundenen Palmsträußchen sind sehr schön geworden und haben diesmal auch gereicht. Trotz schlechter Wettervorhersagen kam kurz vor der Palmweihe die Sonne heraus, so daß die Weihe doch im Hof stattfinden konnte. Als ich zur Segnung der Palmzweige neben dem für unseren Pfarrer bestimmten Palmbuschen auch die für die Ministranten aus dem Fach unter dem Ambo aus dem Hof nehmen wollte, stellte sich heraus, daß offenbar ein Teilnehmer einer früheren Liturgie sich nicht entblödet hat, diese zu stibitzen, unter Hinterlassung eines recht struppigen Buchsbaumzweiges.* Ist so etwas zu fassen? Man kann immerhin noch froh sein, daß er uns den Buschen des Zelebranten gelassen hat. Der Pfarrer hatte übrigens später eine kindliche Freude an seinem Palmstrauß und den gelben Blümchen drin.

Umständehalber habe ich am Palmsonntag andernorts mehrmals die Passion mitgelesen (jeweils als Evangelista). Fürs nächste Jahr merken: das mache ich bestimmt nicht noch einmal. Daß in einem Fall statt des verinnerlichten Zelebranten, der eigentlich erwartet wurde, ein anderer kam, der die Passion las wie in der Bütt und zum Auszug, bei dem traditionell alle Strophen von Des Königs Banner schwebt empor gesungen werden, nicht schnell genug wegkommen konnte – weshalb er uns noch komisch kam – konnte vorher keiner wissen. Ich muß sowas allerdings an einem Feiertag wirklich nicht haben.

* Ich hoffe, er wird damit selig, zumal sein eigener Buchsbaumzweig wohl geweiht war, unsere Sträuße zum Zeitpunkt des Entwendens dagegen noch nicht.



Die Ölweihe am Dienstag der Karwoche war schön, Es ist wunderbar, so viele Priester an einem Ort versammelt zu sehen, wenn auch alle Priester, die ich gerne hätte vorbeiziehen sehen, auf der anderen Seite vorbeigezogen sind. Nun ja, man kann nicht alles haben. Merke: nächstes Jahr unbedingt einen Platz in der ersten Reihe anstreben. Was manche Leute immer ausgerechnet gerade während der Heiligen Messe ausführlich besprechen müssen, werde ich nie verstehen. Auch scheine ich eine magische Anziehungskraft auf Menschen auszuüben, die keinen Ton richtig singen können. Ein Geisterfahrer? Hunderte! Vor und links neben mir brummt man herum, ins rechte Ohr schreit solang von hinten eine andere hinein, leider auch falsch. Herr, schenk mir ein nachsichtigeres Gemüt! Nach der Messe gab es eine nette Begegnung mit einer anderen Schleierträgerin, die keine Ordensfrau ist, und Segenswünsche nachträglich zum Weihetag von der guten Frau neben mir. Ihre (unverdiente) Begeisterung über meine gewählte Lebensform hat mich sehr gerührt.

In der Akademiegemeinde gab es am Gründonnerstag keine eigene Feier vom letzten Abendmahl. Auch weil mir unmittelbar vorher auf einmal alle fehlgeschlagenen Experimente früherer Zeiten an den Kartagen wieder eingefallen sind, entschloß ich mich, bevor ich irgendwelche Grottigkeiten erdulde, in die Kathedrale zu gehen. Liturgischen Unfug gab es dort auch wirklich keinen, außerdem schöne Kirchenmusik. Zur Kommunionspendung unter beiderlei Gestalt wurde allerdings zwischen den „Herren Priesteramtskandidaten“ [sic!], den „Aposteln“ der Fußwaschung mit ihren Frauen und dem Rest der Welt dergestalt getrennt, daß erstere die Kommunion kniend an den Altarstufen empfangen durften und „das gemeine Volk“ genötigt wurde, sich in der Nähe der Treppe zur Unterkirche in eine Stehschlange einzureihen, Kommunion „nur“ unter einer Gestalt. Ich habe ernsthaft einen Moment in Erwägung gezogen, unter solchen Bedingungen nicht zu kommunizieren – aber grade am Gründonnerstag! Wieso mir der Ausdruck „die Herren Priesteramtskandidaten“ etwas affig vorkam, kann ich nicht so genau sagen – das bedürfte wahrscheinlich einer längeren Analyse – bei der aufgenötigten Stehkommunion weiß ich hingegen genau, warum mich die gegen den Strich gebürstet hat.

Nach der Sakramentsprozession habe ich mich, wie ja zuvor schon geschrieben, sehr auf die Anbetung in der Unterkirche gefreut. Zwar wurde die Zeit dafür in den letzten Jahren immer mehr verkürzt, man konnte aber immerhin bis gegen 23 Uhr beim Herrn sein – manchmal war außer dem Weihbischof em. und mir nur noch ein anderer Beter da. In diesem Jahr dagegen kam – kaum daß das Gepolter des ausziehenden Chores in der Oberkirche etwas nachgelassen hatte – ca. 25 Minuten nach Beginn der Anbetung ein Geistlicher und trug das Allerheiligste hinweg. Die zu diesem Zeitpunkt noch zahlreich anwesenden Beter waren derart getollschockt, daß wir noch eine Zeitlang den leeren Tabernakel angeschaut haben. Auf diese Weise konnten wir nicht einmal die sprichwörtliche Stunde mit dem Herrn wachen.



Bei wunderbarem Wetter gingen wir am Karfreitag in größerer Zahl den Kreuzweg nach Plötzensee. Da die Stadt um diese Zeit noch still ist, begegnet man dabei nur vereinzelten Joggern und Radlern. Von der ersten zur zweiten Station durfte ich das Kreuz tragen. Irgendwann ist mir zwischen zwei Stationen ein Stück Rollsplitt in den Schuh geraten. Obwohl ich nicht soweit gehen würde, mir bei der Wallfahrt Erbsen in die Schuhe zu legen, habe ich es erstmal dringelassen, bei der nächsten Station mußte es dann aber doch heraus. Nicht einmal einen so vergleichsweise kleinen Schmerz habe ich längere Zeit aushalten können, Christus dagegen hat für uns bereitwillig das Kreuz auf sich genommen.

Die Liturgie vom Leiden und Sterben Christi am Nachmittag in der Akademie war sehr würdig, bei der elften Fürbitte (bei uns an zehnter Stelle) gab es leider ein wenig Gefummel mit dem Meßbuch, da man(n) dazu unbedingt das kleine grüne haben wollte. Dieses Jahr hatten wir auch wieder eine Kommunionfeier.


Der Karsamstagmittag war schon ganz geprägt von den Vorbereitungen für die Osternacht: Kirche, Sakristei und liturgische Geräte herrichten, putzen, schmücken, ein kleines Osterfeuer aufbauen, das später hoffentlich gut und lang genug brennen wird (es hat dann ganz vorzüglich gebrannt).

Im vergangenen Jahr haben wir in der katholischen Akademie damit schon morgens angefangen und erstmal die gefühlten ca. 23 Kreuze weggeräumt, die die Künstlerseelsorge für ihre Karfreitagsliturgie verwendet hat. (Wieviele Kreuze braucht man denn bei der Kreuzverehrung?) In diesem Jahr haben die Künstler vorbildlich aufgeräumt, dafür war der für das hohe Fest extra bei der Floristin bestellte Blumen- und Kranzschmuck leider teilweise Murks, weshalb wir nacharbeiten mußten. So waren wir erst gegen 18 Uhr fertig, und ich war kurz vor der Osternacht so müde, daß ich im Stehen hätte einschlafen können. Rechtzeitig zur Liturgie war ich dann aber wieder ganz frisch. Wer könnte sich auch schlapp fühlen, wenn direkt neben einem – ich hatte einen der Leuchter – ein junger Zelebrant in wunderbarer Weise das Exsultet singt und darum bittet, man möge mit ihm zum allmächtigen Vater rufen, daß er, der mich ohne mein Verdienst, aus reiner Gnade, in die Schar der Leviten berufen hat, mich erleuchte mit dem Glanz seines Lichtes**.

**(diese Worte sind mir in diesem Jahr besonders aufgefallen).

In der Osternacht wurde die junge Frau getauft, deren Stationen des Katechumenats ich zuvor in der Fastenzeit jeweils miterleben durfte. Sie sagte uns Ministranten nach der Taufe, sie habe sich von uns umsorgt gefühlt. Wenn die Kirche nun täglich für die Neugetauften betet, haben wir gleich konkret jemanden vor Augen.


Am Ostersonntag stehe ich jedes Jahr körperlich ziemlich neben mir (wie mag das erst dem Pfarrer gehen?). Dieses Jahr mehr als im letzten, obwohl ich letztes Jahr auch dergestalt ein Faktotum darstellte, als ich Meßdienerin, Küsterin und Lektorin in Personalunion war. Bei der Besprengung zum Taufgedächtnis am Ostersonntag geht wegen der Übermüdung immer irgendwas quer, diesmal habe ich das Meßbuch gebracht, obwohl es gar keine Oration vor der Besprengung gibt. Grummel. Jedenfalls habe ich mich damit getröstet, daß sich die Jünger am Ostersonntagmorgen bestimmt auch nicht so strahlend gefühlt haben. Zur Vesper am Ostersonntag gab es in der Sakristei der Kathedrale Schokoladenlämmchen (ich habe es leider nicht geschafft, noch Osterlämmer zu backen). Daß es für den Weihbischof em. ein schwarzes Lämmchen gab, hat er mit gutem Humor getragen. :)

Am Ostermontag gab es nochmal eine Taufe, ein süßer achtmonatiger Junge, der die Gelegenheit beim Effata genutzt hat, um dem Herrn Pfarrer einmal probeweise in die Hand zu beißen – glücklicherweise waren noch kaum Zähne da ;) Bei der Taufe durfte ich unter anderem den Kopf des Kindes abtupfen – das ist wirklich ein denkbar schöner Dienst.

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