Donnerstag, 15. April 2010

Mein Bräutigam, dir habe ich mich bewahrt



Mein Bräutigam, dir habe ich mich bewahrt, dir eile ich entgegen mit brennender Lampe.(1. Antiphon der zweiten Vesper im Commune Virginum)

Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn, er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt, er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau, sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist … Das sage ich zu eurem Nutzen, nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr damit ihr in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn dienen könnt. (1 Kor 7,32-35)

Der heilige Ignatius bezeichnet die Haltung derer, die die Jungfräulichkeit rühmen und schätzen, als ein Zeichen des Fühlens mit der Kirche, auch wenn sie selbst von Gott nicht berufen wurden, ihm in diesem Stand zu dienen (Die geistlichen Übungen, 4. Regel zum Fühlen mit der Kirche).

Da gerade dies manchmal nicht verstanden wird (was ist so besonders daran, öffentlich die Nachfolge Christi im Stand der Jungfräulichkeit[1] zu versprechen?) sei mir die Anmerkung gestattet: es geht hier um reine Gnade.

Die Kandidatin legt an diesem Tag das Geschenk der Jungfräulichkeit und ihr ganzes Leben in Gottes Hand zurück, daß er es heilige und annehme zu seinem Dienst. Die Kandidatin wird vom Bischof dem Dienst der Kirche geweiht, sie weiht sich aber auch selbst mit allen Kräften und Sinnen dem Dienst Gottes. Ich wage zu behaupten, für die Jungfrauen trifft das Wort Verherrlicht Gott in eurem Leib (1 Kor 6,20) in ganz besonderer Weise zu. An anderer Stelle sagt der Apostel Brand- und Sündopfer forderst du nicht, doch einen Leib hast du mir gegeben (Heb 10,5).

Seit den frühesten Tagen der Kirche hat Gott immer wieder Frauen in eine Beziehung zu Christus berufen, die in vollkommener Weise die Beziehung zwischen Christus und seiner Kirche widerspiegelt, da die Kirche Braut Christi ist. Als Abbild der Kirche[2] ist die gottgeweihte Jungfrau sichtbares Zeichen dessen, wie die Kirche eigentlich sein soll: heilig, makellos, völlig der Sache Christi hingegeben, freudevoll und bereit, alles zu vollbringen, was erforderlich ist, bis zur Hingabe des eigenen Lebens.

Viele frühchristliche Jungfrauen werden im ersten Hochgebet genannt – Agatha, Lucia, Agnes, Cäcilia, Anastasia. Sie und viele andere feiern wir an den Gedenktagen der Heiligen. Das Meß- und des Stundenbuch haben eigene Gebete für die Heiligen, die dem Stand der Jungfrauen angehören. Die Wertschätzung dieser Jungfrauen kam in der alten Kirche gleich nach dem der Märtyrer; in der Tat waren viele dieser Jungfrauen auch Märtyrinnen.

Durch die Jahrhunderte haben viele dem Ruf gehört, dem Lamm zu folgen, wohin es geht und Zeugnis für es abzulegen.

Dies ist die Berufung in einen eigenen Stand der Kirche, den Stand der Jungfrauen, und zu unterscheiden von der Berufung zum Leben in einem Orden. Sie wird gewährt durch die Gnade Gottes und kann nur von und mit dieser getragen werden. Sie gehört zu den frühesten Formen gottgeweihten Lebens in der Kirche.

Die ersten Frauenklöster haben sich aus Zusammenschlüssen geweihter Jungfrauen entwickelt. Im Altertum war die Kirche reich an Berufungen von Frauen jeden Alters, die sich Christus durch das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit für immer verbanden. Mit dem Niedergang des römischen Reiches schlossen diese sich zu in der Sicherheit der Klausur lebenden Konventen zusammen, einige Jungfrauen wählten auch das Eremitentum in der Einsamkeit der Wüste. In den Jahrhunderten zwischen 500 und 900 wurde die Jungfrauenweihe weiterhin klausurierten Nonnen gespendet, während es ab etwa 800 für Frauen in der Welt fast unmöglich war, die Jungfrauenweihe zu empfangen. [3]

1970 schließlich stellte Papst Paul VI. den Ritus für in der Welt lebende Frauen wieder her. Durch den Ritus, der vom Aufbau her dem der Ordination ähnelt, und das Weihegebet der Kirche wird die Jungfrau Christus und dem Dienst der Kirche geweiht.

Ihr Dienst ist vor allem anderen, das Brevier im Namen und Auftrag der Kirche zu beten, wie die Kleriker und Ordensleute. So ist sie zugleich Abbild der Braut des Lammes aus der Offenbarung, die mit dem Geist ruft Komm, Herr Jesus!

In der Einführung des Pontifikales heißt es:
Die gottgeweihten Jungfrauen legen auf Eingebung des Heiligen Geistes das Gelübde eheloser Keuschheit ab, weil sie Christus entschiedener lieben und ihren Brüdern und Schwestern ungehindert dienen wollen.

Die Christus geweihten Jungfrauen sollen sich, je nach ihren Verhältnissen und Gnadengaben, der Buße, den Werken der Barmherzigkeit, dem Apostolat und dem Gebet widmen.

Es wird ihnen dringend geraten, ihre Gebetspflicht dadurch zu erfüllen, daß sie täglich das kirchliche Stundengebet, vor allem Laudes und Vesper, beten. So vereinen sie ihre Stimme mit dem Hohenpriester Christus und der heiligen Kirche; sie preisen den himmlischen Vater ohne Unterlaß und treten ein für das Heil der ganzen Welt.
Eine geweihte Jungfrau in der Welt ist weitgehend frei in der Wahl ihres Apostolats und Berufs. Ihr Lebensstil muß einfach und würdig sein und in Einklang stehen mit der Lebensform, zu der sie berufen ist, Sie kann Pflegerin oder Katechetin sein, als Verwaltungsangestellte bei einer Versicherung oder bei VW am Fließband arbeiten. Sie verdient ihren Lebensunterhalt selbst. Dabei kann sie allein wohnen oder, wie Can. 604 § 2 des kirchlichen Rechts vorsieht, zusammen mit anderen Jungfrauen. In all dem untersteht sie ihrem Bischof, dem es zusteht, festzulegen, auf welche Weise die geweihten Jungfrauen seiner Diözese ihre Berufung leben sollen.

––––
[1]Bei der Weihe antwortet die Consecranda auf die Fragen des Bischofs:
Bist du bereit, bis an dein Lebensende am Vorsatz der heiligen Jungfräulichkeit festzuhalten und dem Herrn und seiner Kirche zu dienen?
Bist du bereit, dein Leben in der Nachfolge Christi, zu der das Evangelium aufruft, als ein Zeugnis der Liebe zu leben und als ein Zeichen des kommenden Reiches Gottes?
Bist du bereit, dich durch die Jungfrauenweihe unserem Herrn Jesus Christus, dem Sohn Gottes, auf immer zu verbinden?


[2] aus diesem Grund kann Männern die Jungfrauenweihe nicht gespendet werden. Männer wie Frauen können ein privates Gelübde ablegen. Idealerweise bespricht man das mit einem Priester.


[3] Es gibt jedoch in der Geschichte immer wieder Beispiele, daß es einigen in der Welt lebenden Frauen doch möglich gewesen ist, die Weihe im Geheimen zu empfangen.

Kommentare:

Michael hat gesagt…

Gibt es etwas ähnliches auch für Männer ?
Kannst Du Dich mal melden ?
(sauerbruch@web.de)
L.G.Michael

Braut des Lammes hat gesagt…

Leider nein, siehe Fußnote [2]. Dieses Sakramentale kann nur Frauen gespendet werden, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Möglich ist das private Gelübde, das bei aller Ernsthaftigkeit jedoch nicht die Aufnahme in den religiösen Stand bedeutet.

Männer (wie auch Frauen) können öffentlich ein Leben nach den evangelischen Räten versprechen und als Einzelne als sogenannte Diözesaneremiten leben. Dies ist ebenfalls ein öffentlicher Stand der Kirche.

Ich zögere jedoch, dies als "etwas Ähnliches" zu bezeichnen, denn naturgemäß verlangt die Lebensweise eines Eremiten die Trennung von der Welt, während die geweihte Jungfrau in der Regel eben gerade – verborgen oder den Gläubigen bekannt - als geweihte Jungfrau in der Welt lebt.

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