Montag, 19. April 2010

Kommt, laßt uns niederfallen, uns vor ihm verneigen


In seinem Beitrag Macht Euch klein! schreibt Deus, tu conversus vivificabis nos:
Die Gemeinde andererseits ist zu einem guten Teil großbürgerlich, akademisch und voller Selbstvertrauen. Eine Klientel, die partout nicht knien will, auch nicht vor dem Heiland. So geht also eine Minderheit von vielleicht einem Viertel der Gemeinde nach dem Sanctus noch in die Knie. Wir sehen dann allerdings nicht mehr den Altar, nicht mehr den Priester, nicht mehr den Leib des Herrn und auch nicht mehr den Kelch mit seinem Blut. Wir sehen nur noch die Hinterteile unserer stehenden Mitchristen.

Brüder und Schwestern im Glauben, wenn ihr schon nicht in Ehrfurcht knien wollt, dann tut es doch ganz praktisch-christlich aus Nächstenliebe, aus Rücksicht! Sonst könnten Außenstehende noch glauben, wir Knienden würden eure Hintern anbeten, die aber so schön in der Regel dann doch nicht nicht sind.
Recht hat er, nicht nur mit der Schönheit der Rückfronten. Selbst wenn sie schön wären, was hülfe es dem Menschen…?

Als Meßdienerin und ansonsten chronische Erste-Bank-Sitzerin genieße ich zwar den unverstellten Anblick auf den Altar, komme aber auch bei meist niedergeschlagenem Blick in einer runden Kirche nicht umhin, zu bemerken, wenn man gegenüber – obwohl bei sichtlich guter Gesundheit – nicht kniet, und manchmal streift mich der Gedanke, warum jemand so handelt oder handeln mag, wenn meine Gedanken eigentlich nur bei der Heiligen Messe sein sollten.

Warum bleibt jemand auch dann sogar bei den Einsetzungsworten stehen, wenn alles außer den Zelebranten auf den Knien liegt? Und das, obwohl die AEM über die Gläubigen sagt:
Wenn nicht gesundheitliche Gründe, beengte Platzverhältnisse, eine große Teilnehmerzahl oder andere vernünftige Gründe entgegenstehen, soll man während der Konsekration knien. Wer aber zur Konsekration nicht kniet, soll eine tiefe Verneigung machen, wenn der Priester nach der Konsekration eine Kniebeuge macht. [Anm.: Auch diese tiefe Verneigung sieht man übrigens fast nie]
Und an anderer Stelle
Wo der Brauch besteht, daß die Gemeinde nach dem Sanctus bis zum Ende des eucharistischen Hochgebets und vor der Kommunion, wenn der Priester das Seht das Lamm Gottes spricht, knien bleibt, wird er lobenswerterweise beibehalten.
Warum entschließt sich also einer, sich den örtlichen Gegebenheiten durchaus nicht anpassen zu wollen? Warum bleibt jemand stehen, wenn das Allerheiligste in Prozession vorbeigetragen wird, und steckt dabei beide Hände in die Hosentaschen? Und wenn er das unbedingt tun muß, warum bleibt er nicht in der letzten Reihe als Leuchtturm stehen, sondern in der ersten? Wir wissen es nicht und wollen es in diesem Falle auch nicht wissen.

Was nimmt es mir von meiner Würde, wenn ich knie? Nichts. (Und wenn, was läge daran? Auch nichts. Nicht uns, o Herr, sondern deinem Namen gib die Ehre!) Gott ist für uns Mensch geworden und hat sich am Kreuz für die Sünden aller erniedrigt. Und da sollten wir vor ihm nicht knien wollen?

Beim Stundengebet nehmen wir im Invitatorium der Matutin den Vers des Psalmes 95 wörtlich, in dem es heißt:
Kommt, laßt uns niederfallen, uns vor ihm verneigen, laßt uns niederknien vor dem Herrn unserm Schöpfer! Denn er ist unser Gott, wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt.
Besser kann man einen Tag nicht beginnen.

Kommentare:

Stefan hat gesagt…

Vielleicht ist aus Rücksicht gegenüber den Freunden des außerordentlichen Ritus. Dort sieht man ja auch weder Heiland noch Altar, sondern einen menschlichen Rücken.

Gespräche am Jakobsbrunnen hat gesagt…

Ach, was soll ich sagen:
wenn ich nicht von Gründonnerstag bis zur Osternachtfeier vorne in der ersten Bank aufstehen, hinsitzen, niederknien würde - und zwar ganz demonstrativ - dann würde die Gemeinde alle drei Tage nur sitzen. Einige wissen sicher ganz genau, wann man steht oder knien sollte - aber sie trauen sich nicht das vorzumachen. Und dann frage ich mich immer: wenn wir uns hier in Mitteleuropa nicht mal trauen aufzustehen, niederzuknien oder mitzusingen - was bedeutet das Wort Glaubenszeugnis dann für uns? Ich glaube nicht, dass sie nicht knien oder stehn weil sie s nicht wollen, sondern weil sie feige sind. Stehe ich auf oder knie ich hin, tut es auch die restliche Kirche, aber sie brauchen halt einen "Vor-aufsteher-hinknier".
Ich hatte am Palmsonntag einer Worgottesfeier in einer Pfarre des Dekanats vorzustehen. Wir lasen die Passion und ich ließ die Gemeinde wie vorgesehen an den gewissen Stellen aufstehen, beim Sterben Jesus niederknien (Schweigeminute) und dann wieder aufstehen. Ich habe es immer jeweils angesagt und alle haben gefolgt; kein Gemurre, kein Gebrummel, nix. Aber man muss es ansagen und darf es nicht einfach mehr erwarten. Viele (Junge) wissen es sicher auch nicht (mehr), dass man da steht oder kniet. Daher: in der Predigt wieder öfter solche Sachen der Gemeinde erklären!

Braut des Lammes hat gesagt…

@Stefan: Mit dem außerordentlichen Ritus habe ich wenig Erfahrung, für den ordentlichen kann ich das aber verneinen – ich habe seit Jahren das Privileg, fast jeden Tag eine versus Deum zelebrierte Messe mitfeiern zu dürfen. Man sieht nicht nur den Rücken des Zelebranten, sondern natürlich auch den Herrn bei der Elevation der Gaben und den Altar (so breite Priester gibt es selten, daß man den Altar nicht mehr sähe).

In dieser Zeit habe ich diese Zelebrationsrichtung aufrichtig schätzen gelernt. Eigentlich sehe ich lieber mit dem Zelebranten, der mich quasi zu Gott führt, zum Herrn, als dem Zelebranten ins Gesicht. Just my 2 cents,

Braut des Lammes hat gesagt…

@ Maria-Martha: Womöglich ist das nicht recht deutlich geworden: lobenswerterweise wird bei uns gekniet, eher mehr als weniger. Umso erstaunlicher ist es dann, wenn einzelne oder eine hinzukommende Gruppe sich entschließt, sich in dieser Hinsicht durchaus nicht der Gemeinde anpassen zu wollen. Es gibt Leute, die stehen auch dann noch, wenn der Zelebrant selbst kniet.

Im Prinzip bräuchten die Leute sich eigentlich nur an der Körperhaltung der Meßdiener orientieren – das ist fast nie verkehrt.

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