Freitag, 9. April 2010

Hat sich ihr Licht auch in die Runde verteilt – die Osterkerze

die Osterkerze in St. Thomas von Aquin
mit Taufbrunnen, Altar und Vortragekreuz
Die Bienen bauen Waben, die Gerechten arbeiten an der Kirche.
(Hl. Augustinus)


Der liebste Moment in der Osternacht ist mir das Exsultet – unser Pfarrer singt es wirklich wunderbar (dieses Jahr hatte ich einen der Leuchter und somit einen wirklich guten Ort). In jedem Jahr freue ich dabei auch an der Stelle über die Bienen:
In dieser gesegneten Nacht, heiliger Vater, nimm an das Abendopfer unseres Lobes, nimm diese Kerze entgegen als unsere festliche Gabe! Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet, wird sie dir dargebracht von deiner heiligen Kirche durch die Hand ihrer Diener. So ist nun das Lob dieser kostbaren Kerze erklungen, die entzündet wurde am lodernden Feuer zum Ruhme des Höchsten.

Wenn auch ihr Licht sich in die Runde verteilt hat, so verlor es doch nichts von der Kraft seines Glanzes. Denn die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiß der Bienen für diese Kerze bereitet hat.

O wahrhaft selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet! Darum bitten wir Dich, o Herr: geweiht zum Ruhm Deines Namens, leuchte die Kerze fort, um in dieser Nacht das Dunkel zu vertreiben. Nimm sie an als lieblich duftendes Opfer, vermähle ihr Licht mit den Lichtem am Himmel. Sie leuchte, bis der Morgenstern erscheint, jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht: Dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, der von den Toten erstand, der den Menschen erstrahlt im österlichen Licht; der mit Dir lebt und herrscht in Ewigkeit.

Osterkerzenleuchter mit der Osterkerze

Die Kerze aus teurem, gebleichtem Bienenwachs ist zugleich auch Sinnbild für die menschliche Natur Christi und seinen verklärten Leib nach der Auferstehung, die Flamme gilt als Zeichen seiner göttlichen Natur. Die fleißigen Bienen aus dem Osterlob sind dabei wiederum selbst unter anderem ein Christussymbol, denn wenn die Biene der Wabe entschlüpft, ist damit die alles überschreitende Auferstehung des gekreuzigten Herrn Jesus Christus angedeutet.

Das Ostertier schlechthin ist also nicht etwa der Hase, sondern die Biene. In einer hymnischen Beschreibung findet sich das sogenannte Bienenlob:
Die Biene überragt alle übrigen Lebewesen, die dem Menschen unterworfen sind. Obwohl sie winzig ist in ihres Körpers Kleinheit, gewaltige geistige Kräfte wälzt sie in ihrer engen Brust, an Körperlichkeit schwach, aber stark an geistiger Fähigkeit. Nachdem sie erkundet der Jahreszeiten Wechsel, sobald sein weißes Aussehen der reifbedeckte Winter abgelegt und das altgewordene Eis des Frühlings laue Lüfte aufgeleckt haben, folgt sogleich der Drang, hinauszugehen zur Arbeit, und verstreut über die Fluren lassen sie sich, nachdem sie die Flügel noch ein wenig geschwungen haben, mit lockeren Beinen nieder, um mit dem Rüssel zu sammeln den Blütenstaub.

Beladen mit ihrer Nahrung kehren sie zum Lager zurück und dort errichten die einen mit unschätzbarer Kunst kleine Gehäuse mit zäh haftendem Leim, andere pressen den flüssigen Honig zusammen, andere wandeln den Blütenstaub in Wachs, andere formen mit dem Rüssel die Brut, wieder andere schließen den von den Blättern gesammelten Nektar ein. O wahrhaft glückliche und wunderbare Biene.
Die Fruchtbarkeit und Arbeitsfreude der Biene dient in Bezug auf die Osterkerze dem vornehmsten Zweck, auf den alle Schöpfung hindeutet – dem Lob und der Verehrung Gottes.

Und wie die Osterkerze mit dem Leib Christi und dessen menschlicher Natur verglichen wird, die sich für uns verzehrt, so wird das Licht, das sich in die Runde verteilt hat, verglichen mit der einzelnen Seele, die sich Gott geweiht hat und deren Licht nichts von der Kraft des Glanzes Christi verloren hat.

Der Hl. Ambrosius vergleicht darüber hinaus die gottgeweihte Jungfräulichkeit mit der Jungfräulichkeit der Bienen, ihrem Fleiß, ihrer Bescheidenheit, ihrer keuschen Enthaltsamkeit:
Seht zu, daß eure Arbeit der eines Bienenstocks ähnelt, denn eure Reinheit und eure Keuschheit sollen mit den arbeitsamen, bescheidenen und enthaltsamen Bienen verglichen werden. Die Biene ernährt sich von Tau, kennt keine sinnlichen Laster und bringt kostbaren Honig hervor. Der Tau einer Jungfrau ist das Wort Gottes selbst; er sinkt wie der Tau der Bienen wohltätig und rein vom Himmel herab.
Bild auf einer Exsultetrolle –  die reine, jungfräuliche Biene sammelt
 Nektar von weißen Lilien (einem  weiteren Symbol der Jungfräulichkeit),
die aus einem Blumenteppich hervorsprießen

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