Dienstag, 20. April 2010

Stundengebet


Das Stundengebet ist nach alter christlicher Überlieferung so aufgebaut, daß der gesamte Ablauf des Tages und der Nacht durch Gotteslob geweiht wird. Wenn nun die Priester und andere kraft kirchlicher Ordnung Beauftragte oder die Christgläubigen, die zusammen mit dem Priester in einer approbierten Form beten, diesen wunderbaren Lobgesang recht vollziehen, dann ist dies wahrhaft die Stimme der Braut, die zum Bräutigam spricht, ja es ist das Gebet, das Christus vereint mit seinem Leibe an seinen Vater richtet. (Sacrosanctum Concilium)

Gelegentlich wird die Ansicht vertreten, die Verpflichtung der geweihten Jungfrau zum Stundengebet im Namen der Kirche umfasse, ähnlich wie bei den ständigen Diakonen, ausschließlich das tägliche Gebet von Laudes und Vesper.

Eine solche Auslegung hielte ich für eine fehlerhafte Interpretation bzw. es hängt natürlich ganz entscheidend davon ab, was zuvor mit dem Bischof besprochen worden ist, da es dem Diözesanbischof zusteht, festzulegen, auf welche Weise die Virgines in der Welt ihr Leben führen sollen.

In der allgemeinen Einführung etwa heißt es über die Jungfrauen (Hervorhebung von mir):
Es wird ihnen dringend geraten, ihre Gebetspflicht dadurch zu erfüllen, daß sie täglich das kirchliche Stundengebet, vor allem Laudes und Vesper, beten. So vereinen sie ihre Stimme mit dem Hohenpriester Christus und der heiligen Kirche; sie preisen den himmlischen Vater ohne Unterlaß und treten ein für das Heil der ganzen Welt.
Ich interpretiere „vor allem“ hier nicht etwa im Sinne von nur Laudes und Vesper, sondern im Sinne von: wenn – etwa wegen besonderer beruflicher Anspannung – überhaupt gar nichts mehr geht, dann auf jeden Fall noch Laudes und Vesper. Für Krankheit gilt natürlich: wenn man im Fieberrausch buntkarierte Flecken sieht, ist wohl der Zeitpunkt gekommen, sich zu dispensieren.

Mit meinem Bischof sind fünf von sieben (Matutin, Laudes, eine der kleinen Horen, Vesper und Komplet) Tagzeiten vereinbart. Von anderen Diözesen weiß ich, daß dies dort ebenfalls so ist. Eine geweihte Jungfrau, die ein eremitisches Leben führt oder eine, die nicht mehr berufstätig ist, könnte dagegen ohne weiteres alle Tagzeiten beten.

Bei der Weihe spricht der Bischof bei der Übergabe des Stundenbuchs:
Empfange das Stundenbuch der Kirche. Das Lob Gottes und das Gebet für das Heil aller Menschen sei allezeit dein Dienst.
Das heißt, dies ist der einzige Dienst, zu dem die Jungfrau bei der Weihe konkret verpflichtet wird – insofern, wenn es einen schon nicht aus Liebe zum Gebet zieht, ist dies eine Verpflichtung, die möglichst ernstzunehmen ist und an der sich Treue und Durchtragen beweisen kann.

Schon der syrische Bischof Rabbula von Edessa schreibt: Die Kleriker sollen die Psalmen auswendig lernen, die gottgeweihten Jungfrauen außerdem noch Hymnen. Ich singe soviele Teile des Stundengebets wie es irgend geht und wann immer es möglich ist.

Zuhause habe ich meine Gebetsecke mit Kniebänkchen und trage beim Gebet den Schleier, wenn ich tagsüber unterwegs bin, habe ich mein Stundenbuch eigentlich immer dabei. Da es hier mehrere kontemplative Orden gibt, habe ich auch die Möglichkeit, am Chorgebet der Schwestern teilzunehmen.

1 Kommentar:

Sponsa Agni hat gesagt…

"Zuhause habe ich meine Gebetsecke mit Kniebänkchen und trage beim Gebet den Schleier, wenn ich tagsüber unterwegs bin, habe ich mein Stundenbuch eigentlich immer dabei."
Ebenso. Von Messe und Brevier lebe ich! :-)
Hab seit ich denken kann fünf Horen gebetet - dies ist auch dann im Skrutinium vom Bischof so angesprochen worden...
Manchmal wünsche ich mir aber schon ein Leben als so was wie Eremitin, denn dann ginge das echt mit allen sieben Horen!
:-)

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