Donnerstag, 1. April 2010

Gründonnerstag: Am Abend vor seinem Leiden – das ist heute

Am Abend des Gründonnerstags bildet die Liturgie des Letzten Abendmahles, das heißt, das Gedächtnis der Einsetzung der Eucharistie durch den Herrn das Tor zu den drei österlichen Tagen vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn.

Ein besonders berührender Moment in der Liturgie der Kirche ist für mich der flüchtige im Hochgebet des Abends, wenn es bei den Einsetzungsworten heißt:

Am Abend, bevor er für unser Heil und das Heil aller Menschen das Leiden auf sich nahm – das ist heute – nahm er das Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, erhob die Augen zum Himmel, zu dir, seinem Vater, dem allmächtigen Gott, sagte dir Lob und Dank, brach das Brot, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.
Das ist heute – so singen die Priester, wie auch der Herr in den Einsetzungsworten sagt: das ist mein Leib. Nicht, das bedeutet meinen Leib, sondern ganz schlicht und umwunden: das ist…

Dieser Tag ist das wahre Fronleichnam, der Herr selbst gibt seinen Leib für uns hin und setzt zugleich das Priestertum ein, indem er den Jüngern aufträgt, die Geheimnisse seines Leibes und Blutes zu feiern.

Die der Einsetzung des Herrenmahls vorausgehende Fußwaschung ist auch tiefster Ausdruck der Menschwerdung Gottes – der Herr selbst macht sich zum demütigen Diener aller. Der Apostel besingt dies in einem Hymnus im Philipperbrief:

Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest,
wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave
und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.

Hier vollendet sich das, was einst in der Krippe begann und was der Pfarrer, der uns unterrichtete, seinerzeit „Luthers fröhlichen Tausch“ nannte: Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein!

Nachdem sie den Lobgesang beendet hatten, gingen sie zum Ölberg hinaus. (Mk 14,26)

Nach dem Schlußgebet wird das Allerheiligste unter dem Gesang des Pange Lingua an einen anderen Ort übertragen und der Hauptaltar entblößt. Da der Altar ein Christussymbol ist, sieht Durandus dies als ein Sinnbild für die Wegnahme der Kleider des Herrn.

Die sich anschließende Ölbergwache in der Unterkirche der Kathedrale, wohin das Allerheiligste in Prozession übertragen wird, ist ganz still. So vertieft beten und wahrhaft beim Herrn wachen kann man das ganze Jahr nicht.

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