Mittwoch, 3. März 2010

Reliquien – was uns auch mit den Heiligen verbindet

Schädelreliquie der hl Agnes in Rom

Da gerade von Reliquien die Rede war: als frischgebackene Katholikin hatte ich dazu eher keinen Bezug (schon mangels portabler Reliquien in der ländlichen Diaspora – ich nehme an, die sind dort alle solide in den Altären eingebettet). Als Kindheitserinnerung ist mir ein Besuch im Speyerer Dom mit brokatgekleideten Skeletten in Glassärgen geblieben. Das fand ich als Kind angenehm gruselig. (Als Erwachsene würde ich mich eher fragen, ob es den so Ausgestellten recht wäre, daß wir ihre sterblichen Überreste in dieser Weise betrachten. Aber wahrscheinlich sind sie darüber hinweg).

Den Gottesdienst, den ich als ganz junge Frau einmal mitgefeiert habe, in dem verschiedene Dinge wie der Mantel Mariens, die Windeln Jesu und auch etwas, das mit der Passion zu tun hatte (ich weiß es wirklich nicht mehr) ausgestellt wurden, fand ich dagegen seinerzeit etwas bizarr. Zum einen dürfte man schwerlich noch einen anderen Gottesdienst finden, in dem sowohl Ich steh an Deiner Krippen hier (zur Erhebung der Windeln) als auch O Haupt voll Blut und Wunden gesungen wird. Zum anderen endete dieser Gottesdienst damit, daß Menschen im Chorraum in Schlange an den Reliquien vorbeizogen und sie mit Anhängern und ähnlichem berührten, was für mich aussah wie irgendein Mummenschanz. Nach etwas katholischer Fortbildung weiß ich heute zumindest, daß auf diese Weise eigene, mittelbare Berührungsreliquien entstanden sind. Nichtsdestoweniger fand ich es damals befremdlich, wie auch die Sitte, Heilige in ihre Einzelteile zu zerlegen, um sich dann etwa einen der vielen Arme des hl. Matthias oder den Schädel des hl. Rupertus brokatbedeckt und perlenbestickt in eine Vitrine zu legen.

Dauerhaft verändert hat sich mein Verhältnis zu diesem Thema, als Ende der 80er Jahre zwei Karmelitinnen aus dem Karmel Regina Martyrum nach Polen fuhren und dort unter anderem die Mitschwestern des neugegründeten Karmels auf dem Gelände des Konzentrationslagers Auschwitz – eine Gründung polnischer Karmelitinnen, die eigentlich Sr. Gemma Hinricher OCD einmal hatte vornehmen wollen – besuchten.

Von dort brachten sie den Stein eines Bodens aus dem Vernichtungslager mit. Die schiere Möglichkeit, daß auch Sr. Theresia Benedicta vor ihrem Tod über diesen Stein gegangen sein könnte, hat mich so angerührt, daß ich zum ersten Mal etwas von Wesen und Bedeutung von Reliquien empfand.

Der Stein liegt heute unter dem Kruzifix des Meditationsraums der Karmelitinnen in der Klausur.

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