Montag, 15. März 2010

Quibbelt euch doch die Rassel blank!


Wie man als Fernsehsender genau den Beitrag erhält, den man ohnehin von vornherein bringen wollte, konnte ich am Rande des Bußgang der Berliner Katholiken beobachten, der auf dem Weg zwischen den beiden Stationskirchen St. Elisabeth und St. Bonifatius von einem Drehteam „begleitet“ wurde, das einen Beitrag für die Abendschau bringen wollte. Die journalistische Technik des gezielten Weglassens ist mir natürlich nicht neu, wenn man es (buchstäblich) hautnah miterlebt, ist man doch ein wenig erstaunt.

Alles, was einen Schleier trug oder als Kleriker erkennbar war, schied als Interviewpartner offenbar von vornherein aus, womöglich hätte derjenige etwas Positives über das ehelose Leben zu sagen gehabt. Da ich allerdings ohnehin nicht scharf drauf war, beim Bußgehen interviewt zu werden, war ich fein raus und durfte nahezu ungestört unseres Weges ziehen.

Über manche Äußerungen am Rande des Bußgangs kann man sich nur wundern. Da fühlt sich ein Teilnehmer von der Kirche „nicht repräsentiert“. Guten Morgen! Wir sind die Kirche, der Leib Christi, und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm. Und wenn das Ohr sagt: Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört es doch zum Leib. – Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit. (1 Kor 12).

Und daß jemand, der erkennbar nichts versteht, dümmlich fordert, dies alles und vor allem der Zölibat müsse mal richtig „revolutioniert“ werden, braucht uns im Grunde nicht zu berühren.
Hier wird deutlich: Nur wer wirklich an Gott glaubt, versteht etwas vom Zölibat. Gott kann einem Menschen so nahe kommen, daß er ihm das Herz abgewinnt. Sollte Gottes Menschenfreundlichkeit nicht genug Charme besitzen, einen Menschen in dieser Weise ganz zu erfüllen? Aus meiner persönlichen Erfahrung meines Priesterlebens darf ich schlicht und dankbar sagen: Ja, unser Gott hat diesen unwiderstehlichen Charme! Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, heißt es beim Propheten Jeremia.

Wo gibt es denn solche Liebesanträge? Einzelne antworten darauf mit der Ausschließlichkeit und Direktheit der Ehelosigkeit und liefern sich so in Freiheit und Wahrheit dieser Liebe aus. – Das ist Zölibat.

Das schließt ein, daß der Zölibat an die Grenzen unserer menschlichen Möglichkeiten führt, weil er in der Spannung zwischen menschlichem Dasein und der verheißenen Vollendung steht. Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen hält mitten unter uns die Sehnsucht wach nach der einen, endgültigen, vollkommenen Liebe.

Der zölibatäre Mensch streckt sich mit seinem ganzen Dasein aus nach jener letzten Erfüllung, die nur Gott schenken kann. Der Zölibat ist deshalb ein Charisma, eine Gnadengabe, und damit ein kostbares Geschenk der Freiheit. Wer die gottgeweihte Ehelosigkeit nur pragmatisch, funktional oder psychologisch bewertet, greift notwendig zu kurz.

Sicher, wir machen bisweilen auch die bedrückende Erfahrung menschlicher Begrenztheit und Schwachheit. Die notwendige innere Reifung bleibt aus oder wird verweigert, der Einzelne verfehlt sich oder wird sogar schuldig. Daran darf nichts beschönigt werden. Aber es wäre ebenso verfehlt, deshalb die Möglichkeiten eines zölibatären Lebens – wie auch der lebenslangen ehelichen Treue – grundsätzlich in Frage zu stellen oder ganz zu verneinen.
(Joachim Kardinal Meisner in seinem Hirtenbrief zum Priesterjahr über den Zölibat)
Und so möchte man den vielen, die sich gerade bemüßigt fühlen, das ehelose Leben um des Himmelreiches willen in den Medien in Frage zu stellen oder in Verruf zu bringen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, zurufen: Ach, quibbelt euch doch die Rassel blank!

Von den Dreharbeiten einmal abgesehen, verlief der Bußgang der Berliner Katholiken erwartungsgemäß sehr würdig, still und ohne Provokationen. Seinen Abschluß fand er mit einem Pontifikalamt in der Johannesbasilika. Hier machte der Erzbischof in seiner Predigt Versöhnung und Vergebung zum zentralen Thema. „Die Heilung von Sünde ist nicht Menschenwerk, das muß von Gott kommen. Wir müssen uns von Gott versöhnen lassen.“

Vor diesem Gottesdienst wurde das mitgetragene Kreuz aufgerichtet, unter dem Gesang des wunderschönen Liedes Des Königs Fahne schwebt empor, in dessen sechster Strophe es heißt:

Dein Kreuz, o Christe grüßen wir;
all unsre Hoffnung steht zu dir.
Gib den Gerechten neue Huld,
den Sündern Nachlaß ihrer Schuld.

Kommentare:

Paul Miller hat gesagt…

Genau so ist es. Wer auf diese Weise fordert, den Zölibat zu "revolutionieren", fordert das gleiche im Prinzip von der ehelichen Treue, denn letzten Endes fordert er die Abschaffung der Keuschheit.

Danke auch für den schönen Bericht!

Josef Bordat hat gesagt…

Danke für den Bericht! Ich bin in den letzten Jahren immer mitgegangen (gehöre zu St. Norbert/St. Konrad, Schöneberg), konnte aber dieses Jahr leider nicht.

Herzliche Grüße,
Ihr
Josef Bordat

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke Paul, das trifft es. Die Kirche sagt dazu neben anderem:

Die Hochschätzung der Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen [Vgl. LG 42; PC 12; OT 10] und der christliche Sinn der Ehe lassen sich nicht voneinander trennen; sie fördern einander.

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