Samstag, 20. März 2010

Passionssonntag – Beginn der Passionszeit


Du allein warst wert zu tragen, aller Sünden Lösegeld.
du, die Planke, die uns rettet, aus dem Schiffbruch dieser Welt.
du, gesalbt vom Blut des Lammes, Pfosten, der den Tod abhält.


Mit der ersten Vesper des 5. Sonntags der Fastenzeit tritt die Kirche in die eigentliche Passionszeit ein, deren zweite Woche, die Karwoche, in die Vigil der Osternacht mündet.

Die Passionszeit, in der nach altem Brauch Kruzifixe, Kreuze und mancherorts auch Standbilder mit schlichten violetten oder schwarzen Tüchern verhängt werden, soll unseren Blick verstärkt auf das Leiden und Sterben des Herrn wenden. Gegen Ende seines öffentlichen Wirken wandte Jesus seinen Blick nach Jerusalem:
Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem. Dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und Schriftgelehrten übergeben werden. Sie werden ihn zum Tode verurteilen und den Heiden überliefern. Man wird ihn verspotten, anspeien, geißeln und töten. Nach drei Tagen aber wird er wieder auferstehen. (Mk 10,33)
Einen Grund für Verhüllung des Kreuzes in der Tradition der Kirche nennt die Catholic Encyclopedia: Die Kreuze werden verhüllt, weil Christus in dieser Zeit nicht mehr öffentlich wirkte, sondern sich verbarg. Aus diesem Grund fand die rituelle Verhüllung der Kreuze in der päpstlichen Kapelle in der Liturgie statt bei den Worten des Evangeliums: Und er verließ den Tempel und verbarg sich.

Zugleich ist das Verhängen von Kreuzen und Standbildern auch Zeichen der Trauer und eine weitere Form des "Fastens der Augen", in das wir uns seit dem Beginn der Fastenzeit durch den Verzicht auf Blumenschmuck und prachtvolle Behänge bereits eingeübt haben.

Obwohl der lateinische Name des Palmsonntags, mit dem die heilige Woche beginnt, Dominica in palmis de passione Domini lautet[1], ist diese Bezeichnung kaum verbreitet und der 5. Fastensonntag im Volksmund noch immer der Passionssonntag.

Die Passionszeit stellt uns die menschliche Natur Christi vor Augen, während die göttliche in seinem bitteren Leiden und Sterben vor den Augen der Welt verborgen erschien.

Das Kreuz des Herrn, ein Zeichen, das wir täglich sehen, wird unseren Blicken einstweilig entzogen und tritt uns bei der rituellen Enthüllung und Erhebung in der Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag wieder neu und machtvoll vor Augen:

Ecce lignum Crucis, in quo salus mundi, pependit.
Seht, das Holz des Kreuzes, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt.



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[1] Da kennzeichnende Elemente die Palmprozession und die Lesung der Passion des Herrn nach einem der synoptischen Evangelien sind. Am Karfreitag dagegen wird stets die Passion nach Johannes gelesen.

Kommentare:

Gespräche am Jakobsbrunnen hat gesagt…

Obwohl der lateinische Name des Palmsonntags, mit dem die heilige Woche beginnt, Dominica in palmis de passione Domini lautet*, ist diese Bezeichnung kaum verbreitet und der 5. Fastensonntag im Volksmund noch immer der Passionssonntag.

Ähm.... jetzt bin ich aber etwas verwirrt??? Der 5. Fastensonntag ist der 5. Fastensonntag; der "6." Fastensonntag ist der Palmsonntag.
Und wieso sollte der 5. Fastensonntag der Beginn der Passionszeit sein? Hab ich noch nie gehört. Die Passionswoche beginnt mit dem Palmsonntag. Bitte um Aufklärung, danke.

Braut des Lammes hat gesagt…

Du hast insofern recht, als die Heilige Woche mit dem Palmsonntag beginnt. Ich hatte aber oben versucht, aufzuzeigen, daß die eigentliche Passionszeit in der Tradition der Kirche zwei Wochen umfaßt und mit dem Sonntag Judica beginnt. Im Missale von 1962 war das deutlicher, denn es nannte diesen Sonntag Dominica I de passione, der Palmsonntag war dann Dominica II.

Gesagt war auch, daß die ins Deutsche übertragene Bezeichnung des lateinischen Namens Palm- und Passionssonntag meines Erachtens keine Verbreitung gefunden hat, sondern der Palmsonntag eben Palmsonntag genannt wird und der 5. Fastensonntag nach alter Sitte Passionssonntag.

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