Montag, 1. März 2010

Herr Jesus, wir sind gekommen, einen Diavortrag anzuhören…

In die Kategorie völlig vergurkte Andachten gehört leider der gestrige Kreuzweg in der Kirche St. B. in B. – Ich kam zur Andacht ziemlich knapp so grade noch zurecht (eigentlich nicht meine Art) und dachte im ersten Moment, die Andacht ist ausgefallen. Außer dem Vorbeter (mit Klampfe) war als „Volk“ nur noch eine Frau aus der Kategorie „rüstiges Weiblein“ anwesend. Dazu kam nun noch ich, was die Teilnehmerzahl mit einem Schlag verdoppelte und den Altersdurchschnitt deutlich senkte. Ha!

Als ich einen Blick auf des Kaplans gesammelte Materialien wurf, schwante mir nichts Gutes. Und tatsächlich: „Heute hab ich uns mal den ökumenischen Jugendkreuzweg herausgesucht! Mit Dias! Bitte versuchen Sie sich ganz auf die Texte einzulassen!“

Sprachs und sang uns ein Liedchen aus dem NGL vor. Da der Fotokopierer zu wenig Toner hatte und die Texte auf die Schriftgröße eines Beipackzettels herunterkopiert waren, war ich in der dunklen Kirche von vornherein aus dem Rennen. Das Weiblein versuchte es erst gar nicht, vielleicht aus demselben Grund. Ich wette, Christi Mutter stand mit Schmerzen, O Haupt voll Blut und Wunden oder etwas ähnliches hätten wir gut hingekriegt. Aber das war wahrscheinlich nicht jugendlich genug für uns beide.

Zur zweiten Station waren wir dann schon zu viert: ein auch mit gutem Willen nicht jugendlich zu nennender Mann und eine junge Polin, die aber eigentlich nur die nächste Heilige Messe in der Umgebung suchte.

Der „Kreuzweg“ stellte sich dann als eine öde Diaschau (Verzeihung!) scheußlich grobschlächtiger Malerei heraus, zu denen der Vorbeter und das rüstige Weiblein sich beim Vorlesen länglicher Texte[1] gegenseitig abwechselten. Ob das Volk dabei sitzen, stehen, liegen oder hängen sollte, war irgendwie nicht klar. Zu tun oder zu respondieren hatten wir jedenfalls nichts.

Himmeldonnerwetter noch einmal! (Verzeihung!) Ein Kreuzweg heißt deshalb Kreuzweg, weil man ihn mit- oder nachgehen soll. Gehen. Von Station zu Station. Natürlich geht man nicht nur äußerlich, aber jedenfalls geht man, wenn man gehen kann. Und macht Kniebeugen, wenn man knien kann. Zumal wenn die Kirche groß ist und einen figürlich gestalteten Kreuzweg hat. Es spricht nichts gegen Diavorträge, ich meine, wenn man es vorher weiß. Die sollte man dann halt nicht Kreuzweg nennen, sondern Vortrag mit Lectio continua. Oder eben 1001 Meisterwerke der Volkshochschule.

Zumindest die Polin und ich haben nicht bis zum Ende durchgehalten, sondern sind unauffällig entfleucht (das tut uns jetzt wirklich leid, Herr Kaplan!). Ich hoffe, sie hat noch eine Heilige Messe gefunden.

_____
[1] Und wieso müssen eigentlich neuerdings urkatholische Andachtsformen, die in einer katholischen Kirche begangen werden, auch noch ökumenisch sein? Damit die nichtanwesenden Protestanten sich nicht ausgegrenzt fühlen?

Kommentare:

Sarah hat gesagt…

Ihr Ärmsten...nur, wie kann man unauffällig abhauen, wenn man nur zu 4. ist? Oder war der Kaplan von seinem Werk so begeistert? ;-))

Braut des Lammes hat gesagt…

Weitgehend unauffällig abhauen kann man, wenn der Kaplan sich selber auf die Bank hockt (ab da war wenigstens die Körperhaltung vorgeben, vorher sind wir abwechselnd gestanden oder gesessen, leider nie synchron) und auch Dias guckt.

Wahrscheinlich gar nicht unauffällig abhauen kann man aber leider, wenn man in der dunklen Kirche einen weißen Schleier trägt. Daß der jetzt fehlt, ist ihm wahrscheinlich spätestens nach der 14. Station aufgefallen (räusper). Mea culpa. Ich wußte wirklich nicht, was schlimmer ist – gehen oder bleiben und mich konstant ärgern.

Sarah hat gesagt…

Kenne ich, ich bin letztes Jahr während der Messe aus der 2. Reihe einer vollen Kirche gegangen, als der Gemeindereferent sich am Tag des Herz-Jesu Festes, der auch noch gerade der Tag der Eröffnung des Priesterjahres war, zum Ambo begeben hat um zu Predigen und der Priester sich hin gesetzt hat. Ich konnte einfach nicht anders, es war aber nicht gerade unaufällig.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

"1001 Meisterwerke der Volkshochschule" ... irgendwie glaube ich ahnungsvoll zu wissen, was Du damit sagen willst. Mein Mitgefühl!

Deus semper major hat gesagt…

Der Kaplan hat sich sicher nicht gewundert, dass nur "2 oder 3" anwesend waren...

In diesem Fall hätte ich nach der 1. Station ein lautes "Herr Kaplan, sie können Feierabend machen" gerufen und wäre gegangen.

Andererseits wäre ein Durchhalten in diesem Fall echtes Mitleiden gewesen...

Braut des Lammes hat gesagt…

:) Der Gedanke, ob es sich nicht um eine Bußübung im unmittelbaren Sinne des Wortes gehandelt habe, kam mir nachher, "auf der Flucht". Womit wir bei einer interessanten Frage wären: dürfen Bußübungen sinnliche Freude bereiten?

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