Sonntag, 7. März 2010

Am Jakobsbrunnen


Der dritte Fastensonntag ist in der westlichen Tradition der Sonntag der Entscheidung. Die Taufbewerber sagen ihrem bisherigen Leben völlig ab. – abrenuntio – Ich widersage! heißt das, und der Bischof betete ein Schutzgebet über die Taufbewerber.

Es geht also um den Glauben, die Taufe, das Wasser des ewigen Lebens. Der Glaube ist nicht etwas, was einem plötzlich überraschend einfällt. und dann glaubt man eben an Gott. Sondern er ist etwas Lebendiges, ein Pflänzchen, das des Wassers bedarf, es muß beschützt werden vor dem Frost und vor zu starker Sonne, der Glaube ist nicht etwas, das man ein für alle Mal begriffen hätte und dann bleibt man dabei; sondern er ist etwas, das sich entfaltet, entwickelt. Es gibt ein Wachstum im Glauben - aber auch ein Verkümmern. Ein Verflachen, eine Entwöhnung – etwas, das verlorengehen kann. Das gilt besonders für den Glauben, der nicht durch soziale Flankierungen, die Stammeszugehörigkeit bzw. Brauchtum etc. gestützt ist, wie im Altertum und im christlichen Mittelalter. Das Christentum der Moderne ähnelt durchaus dem Christentum der frühen Zeit: Johannes kennt das Problem und möchte dazu eine Hilfe geben.

Johannes und seine Gemeinde kennen die interkulturellen Schwierigkeiten der frühen Gemeinden: Sie sind sehr aktuell. Das Gespräch könnte heute genauso beginnen. In Nablus, im Westjordanland sitzt ein Jude, und er begegnet einer Palästinenserin. Sie würde genauso fragen: Du, ein Israeli fragst mich, ob ich dir etwas geben könnte?

Und Johannes kennt das einende Prinzip: die Quelle des Glaubens: das Wasser. Hier ist das Sakrament der Taufe symbolisch darstellt. Und darüber hinaus gibt es eine zweite Symbolik in diesem vierten Kapitel. Sie schließt an das Gespräch mit der Frau über das wahre Gebet im Geist an und ist als Jüngerbelehrung eingefügt – die Samaritanin geht in das Dorf. Unterdessen kommen seine Jünger mit Lebensmitteln zurück – und er spricht von der Speise, den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat.

Blickt auf und seht – die Felder sind weiß – reif zur Ernte. Der eine sät und die anderen ernten. Der eine weckt den Glauben, die anderen können nur staunen und sich gemeinsam freuen. Die Stärkung des Glaubens, den die Menschen in der Taufe empfangen, ist die Speise, die auf den Feldern reif ist zur Ernte. Die Sammlung der Menschen zur gemeinsamen Eucharistie ist kein "Werk" der Menschen, sondern das Werk, das der Messias vollenden wird. Das ist ein langsamer, unaufhaltsamer Prozeß. So wie sich im Gespräch nach und nach herausstellt, wer es ist, der mit der Samaritanin spricht – erst Prophet, dann der Gesalbte – der Christus, am Ende das Bekenntnis, "er ist wirklich der Erlöser der Welt", so schiebt Johannes ganz vorsichtig die Wachstumsprozesse des persönlichen Glaubens den Jüngern in die Entwicklung seiner Theologie mit ein. Die Selbsterkenntnis, das Gebet im Geist und in der Wahrheit, das persönliche Bekenntnis (er hat mir alles gesagt, was ich getan habe – ob er vielleicht der Christus ist?) und schließlich das gemeinsame Bekenntnis der Samariter. Er ist wirklich er Retter der Welt.
Wenn das alles wahr ist, hat das lange Kapitel mit dem Gespräch – mit dem gelingenden Gespräch am Jakobsbrunnen eine ungeheuer entlastende Wirkung auch auf unsere heutige Zeit.

Gott wächst in unseren Alltag hinein – Johannes läßt das Normale transparent werden für das Zentrale, das Kleine verweist auf den Ursprung, die Armseligkeit auf das Unendliche.

Es kommt nicht auf unsere Geschicklichkeit an, sondern auf den Geist, der weht wo er will, es kommt nicht auf Erntebilanzen an, sondern auf die gemeinsame Freude des Säenden und des Erntenden. Es kommt darauf an, ob wir bereit sind, das Wirken Gottes in unserem Alltag, an unseren vielen Jakobsbrunnen dieser Zeit zu akzeptieren, ob wir die Sehnsucht nach dem Wasser des Lebens in uns akzeptieren. (aus der Predigt Pfr. Chr. Karlsons zum 3. Fastensonntag)

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