Dienstag, 23. Februar 2010

Vier Tage war der Frosch krank…

…jetzt quakt er wieder, Gottseidank!

Fastenzeit – der Anfang (Achtung, das wird ein Mehrteiler! ;P)

Die Fastenzeit fing eigentlich sehr gut an: außer einer wunderbaren heiligen Messe in der Akademiekirche mit Inzens bei der Aschenweihe und feierlichem Segen spendete mir der Herr Pfarrer nun schon zum zweiten Mal das schönste und ordentlichste Aschenkreuz weit und breit. Im letzten Jahr ging ich mir damit ein Brot kaufen und aus dem freundlichen Hinweis der echt Berliner Verkäuferin „Sie haben sich da wo schwarz gemacht!“ ergab sich ein nettes Gespräch über die Herkunft des Wortes Aschermittwoch.

Allerdings habe ich den Tag wohl auch genutzt, um mich ausgiebig zu erkälten, weshalb seit Donnerstag zwischen den Gottesdiensten eigentlich nur heftiges Herumfiebern und „Hatschi!“ angesagt war. Eine bereits dräuende Halsentzündung habe ich unter Verweis auf den hl. Blasius abgewimmelt. Soll sie jemand anderen heimsuchen! (Vielleicht den, der sich gestern für den Pro7-Videotext die unvergleichliche Frage Soll Zölibat verboten werden? ausgedacht hat. Also bitte – gehts noch blöder?)

Das „zwischen den Gottesdiensten“ erklärt sich unter anderem daraus, daß ich a) eigentlich nur die heilige Messe versäumen würde, wenn ich im Fieber schon buntkarierte Flecken sähe und b) die Mitfeier einer schönen Liturgie wundersame Heilkräfte besitzen muß. Oft genug geht man krank oder halbkrank hin und kommt beschwerdefrei nach Haus. Das haben übrigens auch schon andere festgestellt. (Daß man während einer Krankheit eigentlich nicht zu fasten braucht, ist mir interessanterweise gar nicht erst in den Sinn gekommen.)

Trotzdem mußte der Besuch eines Vortrags über Bernanos am letzten Donnerstag leider ins Wasser fallen, nicht jedoch die Kreuzwegandacht, die Zulassungsfeier zu den Sakramenten und die Fastenpredigt des Dompropstes am Sonntagabend (immerhin). Bei dem Gottesdienst hat mir eine ältere Frau wegen meines Schleiers übrigens einen derartig giftigen Blick zugeworfen, daß ich mich immer noch frage, was sie mir damit eigentlich sagen wollte. Ob der gute Ratschlag „freundlich lächeln und grüßen“ etwas genutzt hat, werde ich wohl nie erfahren. Nun gut, das muß man aushalten können (als Kollarhemdträger eigentlich auch? Oder muß es dazu die Soutane sein?)

Bewegend fand ich bei der Zulassungsfeier zu den Sakramenten in der Kathedrale am Samstag, zu der auch „unser“ Täufling mit dem Herrn Pfarrer gekommen ist, daß sich einige bei der Handauflegung des Kardinals niedergekniet haben. In diesem Jahr sind es 62 Katechumenen.

Die Kreuzwegandacht am Freitag abend in der Kathedrale wiederum war angenehm traditionell. Früher waren die eigentlich alle so, und das ist ein Grund, warum ich sie schätze. Dann fing man an, herumzuexperimentieren, Motto: die Leute wollen öfter mal was Neues. (Wer behauptet sowas eigentlich immer? Meines Erachtens wollen die Leute das Gewöhnliche, Vertraute, Liebwordene.) Im letzten Jahr hatte einer der Gottesdienstbeauftragten den „phänomenalen“ Einfall, die Andacht mit einer Diaschau zu versehen. Da die von ihm gewählten Texte erheblich lang waren, saß man dabei stocksteif auf den Bänken in der Mitte und ging nicht von Station zu Station. Außerdem wurde der Kreuzweg geteilt: am Freitag 1 betete man die Stationen 1-7, am nächsten Freitag dann 8-14. Was mich am Rande zu der Bemerkung veranlaßte: „Herr Jesus, wir sind gekommen, deinen halben Kreuzweg nachzugehen.“ Seither mag mich derjenige, glaub ich, nicht mehr ganz so gern. Angeblich seien die Leute ganz ergriffen gewesen. Allerdings weiß ich, daß eine sonst sehr sanftmütige Frau wegen der Texte wutschnaubend von dannen zog. Daß jedes ausgelegte Faltblatt das persönliche Placet des Hausherrn braucht, man bei einer Andacht aber ganz offenbar Häresien ohne Ende vortragen kann, ist ein weiteres Kuriosum, das ich wohl nie verstehen werde. BTW: Ich gehöre nicht zu den Menschen, die überall Häretisches und freimauererische Verschwörungen wittern. Allerdings weiß ich wirklich nicht, wie man etwa die Feststellung, Jesus Christus sei „nicht für uns gestorben, sondern seinen eigenen Tod“ noch anders nennen könnte.

Übrigens, der Kreuzweg-Super-GAU: Letztes Jahr in einer ganz anderen Kirche fand ein offensichtlich völlig überforderter Kaplan unter anderem die 13. Station des Kreuzwegs nicht und irrte durch die Kirche. Außerdem konnte der Arme im Halbdunkel die Texte nicht lesen, was ihn zu diversen herzhaften Kommentaren wie etwa „Scheiße!“ veranlaßte. Am Sonntag darauf zog dann der dortige Pfarrer höchstselbst mit Kreuz und kleinen Leuchterträgern voran. Weiter so! :)

Doch das ist, wie gesagt, der Schnee vom vergangenen Jahr. Der wirkliche Schnee verabschiedet sich übrigens grade so allmählich und bringt tonnenweise Streumaterial zum Vorschein. Ich möchte bitte demnächst Schneeglöckchen!

Und obwohl die Fastenzeit gerade erst angefangen hat, haben wir in der Sakristei schonmal kurz ein vorausplanendes Auge auf die zu bindenden Palmbuschen für die Palmweihe geworfen.

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