Samstag, 13. Februar 2010

Trag den Schleier zum Zeichen deiner Weihe an Gott


In der Antike dienten Vorhänge oder Schleier dazu, das Heilige zu verhüllen. Sie wurden nur zu bestimmten Gelegenheiten entfernt. Das Standbild der ägyptischen Isis trug die Inschrift: Ich bin das All, das Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige, mein Gewand hat noch kein Sterblicher gelüftet. Die Statue der Pallas Athene auf dem Parthenon war durch einen Vorhang den Blicken entzogen und durfte nur von den im Tempel diensttuenden Jungfrauen gesehen werden. Nach Homer verehrten die eleusinischen Mysterien Demeter als die "Herrin des glänzenden Schleiers". Der Tabernakel im Tempel hatte vier Vorhänge in verschiedenen Farben. Im 34. Kapitel des Buch Exodus heißt es, daß Mose, als er vom Berg Sinai herunterstieg, sein Gesicht mit einem Schleier verhüllen mußte, da die Leute den Anblick seines erleuchteten Gesichtes nicht ertragen konnten.

Der Schleier im allgemeinen erscheint oft als Symbol des verborgenen Wissens, des Geheimen, der Illusion und Ignoranz. Vielfach ist er auch Zeichen der Keuschheit und Stärke.

Bei einem amerikanischen Autoren habe ich vor kurzem mit Interesse gelesen, daß in der Liturgie Verhüllung immer den heiligsten Objekten gilt – man denke an das Ziboriumvelum. So bedeuten die Bezeichnungen Velamen und Velum auch Schleier, Hülle.

So leitet sich der Schleier der Frau historisch und etymologisch vom Vorhang ab, der das Private vor dem Öffentlichen schützt. Im Hebräischen bedeutet das Wort für Braut (kallatu) wörtlich die Verschleierte.

Die Worte Velum oder Velamen bezeichnen den Schleier, der von Frauen getragen wurde. Im antiken Rom trugen jung verheiratete Frauen einen roten Schleier oder einen Schleier mit roten Streifen, das sogenannte Flammeum.

Besonders schützen sollte sich die Frau im Gottesdienst, um zu vermeiden, daß die Männer lüsterne Blicke auf sie würfen. Euer Schmuck soll nicht der äußerliche sein, Haarflechten und Anlegen von Goldgeschmeide oder Kleidung, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck eines sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist. (1. Petr 3,3). Tertullian forderte im Jahre 216 in seiner Abhandlung Über die Verschleierung der Jungfrauen (De virginibus velandis) ausdrücklich, daß sich auch christliche Jungfrauen zu verschleiern hätten: Ich bitte dich, Jungfrau, verhülle mit dem Schleier dein Haupt! Ergreife die Waffe der keuschen Zucht, umgib dich mit dem Walle der Schamhaftigkeit … Denn du hast Dich mit Christus vermählt, ihm hast du deinen Leib übergeben. Der Schleier der christlichen Jungfrau ist somit ein Zeichen ihrer Weltabgewandtheit, er steht für die Überwindung der Fleischlichen, denn der Leib der Jungfrau ist ein heiliges Gefäß, das dem Herrn geweiht ist.

Für die christliche Jungfau ist Christus der, dem die Jungfrau gefallen will, um dessen Sache sie sich sorgte (1. Kor 7,34). Der Schleier symbolisiert hier nicht nur die Reinheit der Jungfrau als vielmehr die unwandelbare Treue gegenüber Christus, dem sie den Schleier und damit sich selbst unbefleckt bewahren soll.

Jungfrauen nahmen selbst den Schleier oder empfingen ihn aus der Hand ihrer Eltern. Schleier wurden auch von gottgeweihten Witwen getragen, die ein Versprechen der Beständigkeit ablegten.

Zu diesen Formen der Schleiernahme kam schon früh in der Kirchengeschichte die feierliche Übergabe des Schleiers bei der Heiligen Messe durch den Bischof an hohen Kirchenfesten. Nach einiger Zeit war der Ritus der Spendung der Jungfrauenweihe dem Bischof vorbehalten. während Witwen den Schleier aus der Hand der Priester empfingen.

Diese Jungfrauen und Witwen lebten nicht alle in Klöstern. Frau, die in ein Kloster eintraten, wurde von der Äbtissin ein Profeßschleier übergeben, während die Jungfauen im Alter von 25 Jahren aus der Hand des Bischofs in einem feierlichen Ritus den Schleier als Zeichen ihrer Weihe empfingen.

In Frauenkonventen gab es im Laufe der Zeit verschiedene Schleier, von denen einige später wieder außer Gebrauch kamen: den Schleier der Novizinnen, der im allgemeinen weiß war, der Profeßschleier, der Schleier der geweihten Jungfrau, der Ordinationsschleier, den Nonnen im Alter von 40 Jahren bei der Diakonissenweihe erhielten – dieser Schleier war mit dem Recht verbunden, das Stundengebet anzustimmen und die Lesungen im Chor vorzutragen. Dazu kamen der Schleier der Vorsteherin, den Äbtissinnen im Alter von 60 Jahren erhielten, der Schleier der Witwen und ein Sühneschleier, den Schwestern trugen, die besondere Bußwerke verrichteten.

Die Schwestern der Bettelorden empfingen den Schleier der geweihten Jungfrauen, der bis ins 16. Jahrhundert hinein verliehen wurde, nicht. Im achten und neunten Jahrhundert wurden kirchliche Strafen solchen Äbtissinnen und Priestern angedroht, die sich bischöfliche Befugnisse anmaßten und den Schleier der geweihten Jungfrau selbst feierlich verliehen. Im 12. Jahrhundert führte Abälard ein, daß der Schleier der geweihten Jungfrauen sich von dem der anderen Nonnen durch ein weißes Kreuz unterscheiden sollte. [1]

[1] Dies ist nicht mit dem markanten Schleier der Schwestern des Erlöserordens (Birgittinnen) zu verwechseln: dieser symbolisiert die Dornenkrone Christi.

In einem alten Pontifikale finden sich zur Übergabe des Schleiers bei der Jungfrauenweihe (in meiner Übertragung) die Worte:
Empfange den heiligen Schleier, auf daß man erkenne, daß du die Welt verachtest, und wahrhaft, demütig und mit deinem ganzen Herzen Christus als seine Braut anhangest. Er möge dich vor allem Übel bewahren und dich zum ewigen Leben geleiten.
In anderer, noch älterer Quelle heißt es:
Empfange, o Jungfrau, diesen heiligen Schleier und bewahre ihn unbefleckt, bis du einstmals vor dem Richterstuhle unseres Herrn Jesus Christus erscheinen wirst, vor dem jedes Knie im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sich beugen wird in Ewigkeit.
Im Pontifikale zur Feier der Jungfrauenweihe für Frauen, die in der Welt leben, spricht der Bischof:
Trag den Schleier als Zeichen deiner Weihe an Gott.
Bewahre Christus unverbrüchlich die Treue. Vergiß nie: Um der Kirche willen bist du von Christus in Dienst genommen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ergänzung:
Die Jungfrauenweihe hieß die gesamte Antike hindurch "Velatio Virginum" - Verschleierung der Jungfrau - parallel zur Velatio Sponsae.
Zwei Korrekturen:
- Tertullian meinte nach aktuellem Erkenntnisstand ALLE christlichen Jungfrauen / heiratsfähigen Mädchen, nicht nur die Virgines. Aber ihm verdanken wir den GEdanken, den Begriff "Braut Christi" auf eine einzelne Christin zu beziehen, nicht nur auf die GEmeinde an sich.
- Die Jungfrauenweihe zu spenden war den Priestern schon immer verboten. In den frühesten Quellen steht zwar "sacerdos", aber diesen Begriff verwendete man zu dieser Zeit nahezu exklusiv für den Bischof, den Priester erster Ordnung. Schon in der ausgehenden Antike werden durch Synoden rigide Strafen den Äbtissinnen UND PRIESTERN angedroht, die sich anmaßen, die Velatio Virginum vorzunehmen. Die jetzige in Deutschland zu beobachtende Laxheit beruht auf der "REaktivierung" der CV durch Abt Guéranger für Benediktinerinnen und damit der erteilten Genehmigung, dass der Abt (=Nichtbischof) selbige spendet. Nach Auskunft des Präfekten der Apostolischen Signatur ist nach Anfrage eines amerikanischen Bischofs eine von ihm an einen Priester delegierte Jungfrauenweihe für ungültig erklärt und saniert (=nachträglich von Amts wegen gültig gemacht) worden. Gruß, Chiara

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für den Hinweis. Den Begriff Velatio virginum hatte ich an anderer Stelle erwähnt, hier aber prompt unterschlagen.
Zu Tertullian: wenn ich mich recht erinnere, spricht er sich an mindestens einer Stelle unter anderem scharf gegen die eingerissene Gepflogenheit aus, daß gerade gottgeweihte Jungfrauen im Gegensatz zu anderen Frauen barhäuptig den Gottesdienst besuchten und durch die Straßen gingen. Ich suche das noch einmal heraus.

Anonym hat gesagt…

Ja bitte, ich wäre sehr dankbar für die Fundstelle. Aber ich bin mir sicher, unter den Dutzenden Artikeln für eine wissenschaftliche Arbeit auch eine Abhandlung zu Tertullian dabei war, aus der detailliert hervorging, dass er christliche Mädchen meinte und die Virgines in unserem Sinne (=feststehender Weiheakt)noch gar nicht kannte. Was aber nicht heißt, dass es nicht schon Jungfrauen mit dem (der Gemeinde bekannten) Vorsatz lebenslanger Keuschheit gab. Aber er hat auf jeden Falls unseren Stand - als Ikone der Kirche, der Braut Christi, theologisch ermöglicht. LG, Chiara!

Braut des Lammes hat gesagt…

Tertullian schreibt in De virginibus velandis (Hervorhebung von mir):
9. Cap. Darum verlangt die Kirchendisciplin, daß alle Frauenspersonen in der Kirche verschleiert seien, und auch die gottgeweihten Jungfraue sollen es nicht etwa als eine Auszeichnung für sich beanspruchen, unverschleiert erscheinen zu dürfen.

13. Cap. Noch unpassender ist es, wenn die gottgeweihten Jungfrauen den Gebrauch des Verschleierns in der Kirche unterlassen, sich aber außerhalb derselben auf der Straße verschleiern.

14. Cap. Sie beschönigen dies mit dem Vorwande, auch andere zur Nachfolge anspornen zu wollen. Allein solche von blosser Ehrfurcht und Eifersucht Getriebenen werden dem Stande nur Schande bringen.

15. Cap. Wenn die Jungfrau sich verschleiert, so wird sie den bösen Blicken entgehen und allen Versuchungen den Weg abschneiden.

17. Cap. Auch die Frauen mögen der Gewohnheit, sich in der Kirche zu verschleiern, getreu bleiben und sie genau befolgen.

Tertulian unterscheidet in dieser Aufzählung zwischen den gottgeweihten Jungfrauen, den Jungfrauen an sich und allen Frauen.

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