Mittwoch, 10. Februar 2010

Lukas 17,2

„Ich sitze hier im kleinsten Raum meiner Wohnung und habe Ihren Artikel noch vor mir. Gleich werde ich ihn hinter mir haben.“

Wie gern schrübe ich das dieser Tage dem Nachrichtenmagazin DER SPiEGEL. Daß der SPIEGEL in übler Weise gegen alles hetzt, was katholisch ist und katholisch aussieht, ist nichts Neues. Nun druckt man sogar Titelblätter, bei denen ich mich schämen würde, mit der Zeitschrift auf der Straße gesehen zu werden. Wie schlimm muß das erst für die Priester sein, die hier sämtlich unter Generalverdacht gestellt werden?

Zum Thema selbst habe ich mich bisher außer in einem Interview fürs Radio gleich nach dem Bekanntwerden des Briefes Pater Mertes' nicht geäußert (es wurden die üblichen scherenschnittartigen Fragen gestellt, die man erwarten konnte. Zum Thema Zölibat und zur Frage, ob ich Angst habe, daß das Ansehen der Kirche jetzt leide, habe ich, so gut formuliert, daß ich über mich selbst erstaunt war, einiges gesagt – keine Ahnung, ob das je ausgestrahlt worden ist).[1]

Ärgerlich ist das Gerede vom Zwangszölibat, das ja zwangsläufig wieder einmal von denen breitgetreten werden muß, die am allerwenigsten davon verstehen – entweder, weil ein eheloses Leben um des Himmelreiches willen für sie nicht in Frage käme oder weil sie daran gescheitert sind. Hey, das zölibatäre Leben ist freiwillig: niemand wird gezwungen, die Ehelosigkeit zu versprechen oder zu geloben, der es nicht will und nicht weiß, was er da tut. Und jede(r) hat vorher ausreichend Zeit, sich das zu überlegen. Im übrigen sei noch am Rande bemerkt, daß nicht nur Priester zölibatär leben – irgendwie habe ich das Gefühl, das wird neben der Tatsache, daß es sich bei den wenigsten Straftätern um Zölibatäre handelt, ebenfalls gern unter den Tisch fallen gelassen, warum auch immer, vielleicht weil es nicht ins Feindbild des schmallippigen, verschlagenen Priesters paßt, der im Beichtstuhl auf potentielle Opfer lauert.

Man verstehe mich recht, an diesen Vorfällen gibt es nichts zu verharmlosen oder zu verschweigen. Und wenn sich das Augenmerk darauf richtet, dann ist das gut so, man kann schließlich nicht wegschauen. Wenn das Ansehen der Kirche leidet, sei es drum. Pater Mertes hat mit seinem Brief etwas Richtiges und Ehrenwertes getan und wird dabei vom Bistum gestützt. In der auf diesen Brief folgenden Sonntagspredigt verwies der Zelebrant in Bezug auf die, die sich schuldig gemacht haben, auf Lukas 17, 2: Es wäre besser für ihn, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen, als daß er einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt.

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