Dienstag, 2. Februar 2010

Geweihte Frauen sind Zeichen für eine neue Welt


ZENIT veröffentlicht zum Tag des geweihten Lebens 2010 einen Beitrag von Sr. Fernanda Barbieri vom Generalrat der Schwestern Maestre di Santa Dorotea, den ich hier in voller Länge einstelle:

Rom, 2. Februar 2010
Innerhalb einer Gesellschaft, die sich im Unmittelbaren und Irdischen eingeschlossen hat, ist das geweihte Leben herausgefordert sich für den Ruf des ganz Anderen und dem Anderen zu öffnen und somit auch für die Realität der eschatologischen Werte.

Dies bedeutet, die Sehnsucht für die Heimat der Zukunft zu kultivieren, während wir uns für die irdische Heimstadt engagieren. Wir als geweihte Christen sind Zeichen der Transzendenz, einer Fülle, die weit über die Grenzen von Raum und Zeit hinausreichen. Zeichen einer neuen Welt von Beziehungen, einer neue Welt von Sinnbezügen, die hier beginnt und deren Vollendung wir in der Ewigkeit finden. Es gibt einen "eschatologischen Vorbehalt", den wir als letzten Sinn unseres menschlichen Lebens und der Geschichte der Welt bezeichnen.

Um Jesus herum scharten sich die Zwölf und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren. Diese Frauen haben die befreiende Kraft und die Wahrhaftigkeit der Botschaft Jesu erlebt, und die Angst angesichts der Verurteilung und Bedrohungen des Propheten aus Nazareth durchgestanden. Sie hatten die Kühnheit, sich für das Evangelium zu entscheiden, und dies als Frauen.

Angefangen mit Maria von Nazareth, die herausragende Frau schlechthin, aber auch die "Jüngerin des Sohnes" par excellence. Das Profil dieser Frauen ist so grundsätzlich marianisch, das es für die Kirche mit ihrem apostolischen-petrinischen Profil schlichtweg fundamental ist.

Alle Überlegungen über Frauen, über die Rolle der Frauen in der Kirche kann nicht umhin, von einer ernsthaften und umfassenden Mariologie auszugehen.

Dadurch wird der Traum von einem Ordensleben genährt, das Vorreiter und Beispiel für wechselseitige Beziehungen, "Mutuae relationes" innerhalb der Kirche ist. Ausgehend von dieser Wirklichkeit, deren Teil wir sind, sind wir aufgerufen, die Praxis der Spiritualität der Gemeinschaft zu pflegen, und den Dialog und die Zusammenarbeit mit Pfarrern, Priestern und Laien zu fördern.

Normalerweise, wenn man an die Rolle der Frauen in der Kirche denkt, kommt man sofort zum Thema Frauenpriestertum, aber darum geht es hier nicht. Das ist fast ein unbedeutendes Detail angesichts einer viel größeren Mission, die sich den Frauen eröffnet. Die Rolle der Frau ist im Grunde die Rolle Mariens in der Kirche und in der Gesellschaft. Ohne einen weiten Rückgriff auf die Geschichte zu machen, sind geweihte Frauen heute, in einem Kontext der Säkularisierung nach wie vor eine Vorhut des Zeugnisses. Sie machen die emanzipatorische Kraft der Nachfolge Jesu sichtbar, sie strahlen eine Schönheit aus, die ihr Selbstverständnis in seinem Lichte und seinem Evangelium findet.

Heute liegt das Panorama des weiblichen geweihten Lebens für alle offen dar. Eine Wirklichkeit, die sich in einem Zeitraum von zehn Jahren stark verändert hat. Es überwiegen die Farben von Asien und Afrika vor den europäischen und amerikanischen.

Diese so unterschiedlichen sozio-kulturellen Herkunftsländer führen auch zu einer eigenen sozio-religiösen Verortung. Dies schafft neue Dringlichkeiten, nicht nur nach Bildung und bietet neue Chancen für ein neues Verständnis der charismatischen und evangeliumsgemäßen Erfahrung. All dies schenkt nicht nur Frauen, sondern der ganzen Kirche, ein neues Profil und neue Herausforderungen. Die theologische Reflexion über das geweihte Leben wurde bis zum II. Vatikanischen Konzil weitgehend im Westen mit all jene Kategorien, Akzenten und praktischen Übertragungen entwickelt, die damit im Zusammenhang stehen.

So muss jetzt als Schlüssel zur Wirklichkeit, spirituelle Weisheit als ein Wandlungsvorgang, als Energie verstanden werden, nicht als etwas in sich Abgeschlossenes; als eine Form von Lebendigkeit, die sich sozial umsetzt.

Es ist eine Weisheit aus der Erfahrung, "aus der Selbsterkenntnis", wie es Katharina von Siena nannte, im konkreten Lebensvorgang von Frauen und Männern, die das Leben neu interpretieren lernen. Was bleibt, was sich nicht verändert hat, ist die Herausforderung der Transparenz der radikalen evangelischen Treue zum Evangelium, die durch das Zeugnis lesbar wird. Es ist eine Existenzweise, in der die Schönheit der Nachfolge des Herrn Jesus ausstrahlt.

Das wird den Menschen nicht nur die eigene weibliche Begabung zu Verfügung gestellt, sondern auch die verschiedenen Gaben, die wir von Gott als Geschenk erhalten: die Gnade der Kontemplation, der Evangelisation, der Dienst an den Armen, das Mitgefühl und auch Bildung und Erziehung.

Wir denken an die heiligen Frauen, deren geweihtes Leben vom Dienst inspiriert war: Klara von Assisi, Katharina von Siena, Birgitta von Schweden, Teresa von Avila, Mary Ward, Angela von Merici, Giovanna Antida Thouret, Maria Domenica Mazzarello, und um die neuesten zu nennen: Luigia Tincani, Teresa von Kalkutta und viele andere.

Ganz zu schweigen von anderen großen Frauen wie Angela von Foligno, die ihre Erfahrungen als "Schrei der Seele schreien und des Körpers“ bezeichnete oder an anderer Stelle erklärt hat, „den Gekreuzigten mit Augen ihres Leibes" gesehen zu haben.[ In der „Vita“ der sel. Angela von Foligno kommt eine Episode vor, in der sie sich bewusst wird, dass Gott nicht ihr Ein und Alles im Leben war. In jenem Moment verspürte sie eine Stimme, die zu ihr sagte: „Angela, was willst du?“ Sie aber brach mit all der Kraft ihrer Seele in einen Schrei und rief: „Ich will Gott!“

Diese heiligen Frauen lehren uns, nicht nur im Dienst unser Charisma wertzuschätzen, sondern auch die Menschen, denen wir die Ehre zu dienen. Von den Armen und Bedürftigen können wird immer lernen.

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...