Sonntag, 7. Februar 2010

Dir eile ich entgegen mit brennender Lampe

Eine Fürbitte – wenn ich mich recht erinnere, die einzige ihrer Art im Jahreskreis, die mich naturgemäß mit besonderer Freude erfüllt – enthält das Schott-Meßbuch zum Gedenktag der hl. Agatha am 5. Februar: Heilige die Jungfrauen, die sich dir geweiht haben.

Viele der Jungfrauen, die sich dem Herrn weihen, haben dies im Herzen schon in früher Jugend getan. Bei denen, die eines Tages zum Altar und vor den Bischof treten, um nun Christus und dem Dienst der Kirche geweiht zu werden, ist es sicherlich die Gnade, die die Natur vervollständigt. Die Consecranda antwortet auf den namentlichen Aufruf des Priesters, der sie dem Bischof rituell vorstellt. Dabei hält sie eine brennende Kerze in Händen, das Licht, mit dem sie dem Herrn „entgegeneilt“ (ich glaube, ich bin dem Herrn in Gestalt des Bischofs bei dieser Gelegenheit buchstäblich ein wenig entgegengeeilt).

Zu den Dingen, die eine Berufung und das Leben in ihr mit sich bringt, gehört auch Hartes und Schweres, wie der hl. Benedikt sagt. Ein Phänomen, das bei der Prüfung einer Berufung zum gottgeweihten Leben als Jungfrau „in der Welt“ anscheinend häufiger vorkommt und für sie zur ersten Bewährungsprobe werden kann: man entmutigt Aspirantinnen unterhalb eines gewissen Alters oder weist sehr junge an, doch so etwa im Alter von 35 Jahren wiederzukommen, denn vorher käme eine Weihe ohnehin nicht in Frage[1].

Sponsa Christi, eine geweihte Jungfrau der Erzdiözese New York, berichtet in ihrem sehr guten Beitrag Young vocations, daß es ihr ursprünglich so erging und verweist auf den hl. Paulus, der dem jungen Timotheus einst schrieb: Niemand soll dich wegen deiner Jugend gering schätzen. Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit. (1. Tim 4,12)

Meines Wissens ist möglich, in einer Ordensgemeinschaft im Alter von siebzehn Jahren das kanonische Noviziatsjahr zu beginnen. Zur feierlichen Profeß käme man dann, wenn alles gut geht, frühestens vier oder auch fünf Jahre später – je nachdem, ob man nach einem oder zwei Jahren um die Zulassung zur einfachen Profeß bitten kann. In den monastischen Orden, in denen die Jungfrauenweihe bei der feierlichen Profeß gespendet werden kann (oder einige Zeit danach) könnte man also in der Theorie mit ca. einundzwanzig oder zweiundzwanzig Jahren feierliche Gelübde abgelegt haben und als Jungfrau geweiht werden. Eine Jungfrau in der Welt, die ihre Berufung früh erkannt hat, soll dagegen unter Umständen viele Jahre bis zum Beginn der Kandidatur warten.

Nun könnte man einwenden, dies läge daran, daß die einen ihren Weg in einer Gemeinschaft gehen, während die anderen zwar Vereinigungen bilden oder zusammen wohnen können, in aller Regel jedoch allein, manchmal nur ihrem Bischof bekannt, ihre Berufung leben. Allein und „in der Welt“ lebt jedoch auch der Diözesanpriester (den man früher deshalb auch „Weltpriester“ nannte) und ich habe noch nicht erlebt, daß man junge Männer, die sich ihrer Berufung zum Priestertum früh bewußt werden, bittet, sich das Ganze noch einmal zu überlegen, bis sie in die Dreißiger kommen.

In den Artikeln 922-24 des Katechismus', die sich auf die gottgeweihten Jungfrauen beziehen, heißt es:

Seit den Zeiten der Apostel hat der Herr christliche Jungfrauen dazu berufen, sich in einer größeren Freiheit des Herzens, des Leibes und des Geistes ungeteilt an ihn zu binden [vgl. 1. Kor 7,34-36]. Sie haben mit Zustimmung der Kirche den Entschluß gefaßt, "um des Himmelreiches willen" (Mt 19,12) im Stand der Jungfräulichkeit zu leben
Die Richtlinien für die Spendung der Jungfrauenweihe an Frauen, die in der Welt leben der deutschen Bischofskonferenz von 1986 sehen vor: Eine Bewerberin sollte in der Regel nicht jünger als 30 und nicht älter als 50 Jahre sein. Hiervon kann allerdings, wie schon die Formulierung „in der Regel“ andeutet, dispensiert werden, wenn gute Gründe vorliegen.

Nichtsdestotrotz wäre es sehr wünschenswert, wenn die Altersgrenze offziell nach unten gesenkt werden würde, weil junge Menschen ihr Leben Gott weihen wollen und ihnen nicht damit gedient ist, wenn man ihnen sagt, sie könnten sich das noch einmal überlegen, bis sie 35 sind.

Rumer Godden vergleicht das Leben mit einem Obstgarten: diejenige, die zu einem späteren Zeitpunkt ihres Lebens einer Berufung folgt, gibt die Früchte ihres Gartens hin. Einige sind jedoch angefault, von Tieren angenagt, heruntergefallen oder unter Umständen verschenkt. Diejenige jedoch, die mit zwanzig oder auch fünfundzwanzig kommt, gibt den ganzen Obstgarten, Blüte und Frucht.

Wie bei anderen Berufungen zum geweihten Leben geht der Konsekration eine längere Zeit der Prüfung voraus. So steht sie nicht am Anfang, sondern wird nach einigen Jahren privater Gelübde und schließlich der formalen Kandidatur, zu der der Bischof zulassen muß, gespendet. Der Bischof ist auch derjenige, der die Kandidatin zur Weihe zuläßt und festlegt, auf welche Weise die Jungfrau ihre Verpflichtung zu einem geweihten Leben in der Welt leben soll.

Diese Zeit der Vorbereitung kann und sollte auch selbstverständlich dazu genutzt werden, Klarheit über die Tragweite dessen zu gewinnen, was man mit seinem Leben tun will: sich auf immer an Christus zu binden.

Gewiß, das dem Bischof öffentlich gegebene Versprechen, bis ans Ende am Vorsatz der heiligen Jungfräulichkeit festzuhalten und dem Herrn und seiner Kirche zu dienen ist ein großes und will ausreichend bedacht sein. Jedoch wüßte ich keinen Grund, weshalb nicht auch ein ganz junger Mensch sich auf diese Weise freudig und mit ganzen Herzen dem Herrn hingeben könnte. Die heiligen Jungfrauen der frühen Kirche, die wir gerade in der winterlichen Jahreszeit feiern, haben uns das vorgelebt: Agatha, Lucia, Agnes, Cäcilia, Anastasia…

Das Weihegebet selbst bringt zum Ausdruck, wohin sich die Jungfrau zu jeder Zeit und in jeder Lage wenden kann:
Sei du ihre Ehre, ihre Freude und ihr Verlangen; sei du ihr Trost in der Traurigkeit, ihr Rat in jedem Zweifel, ihr Schutz in allem Unrecht und ihre Kraft in allem Leiden. Sei du ihr Reichtum in der Armut, ihre Speise im Fasten, ihr Heil in der Krankheit. Laß sie alles finden in dir, den sie über alles lieben, dem sie für immer sich weihen.
____
[1] Die wenig glückliche Art, wie zuweilen mit Anfragen bzw. nicht umgegangen wird, bis Aspirantinnen dann eventuell doch irgendwann an einen möglicherweise zuständigen Ansprechpartner geraten, ist noch eine ganz andere Frage. Hier besteht bei manchen Bistümern erhebliches Verbesserungspotential. Man verstehe mich recht: ich denke nicht, daß man ein Schmetterlingsnetz herausholen und „Hab sie!“ ausrufen sollte.

Kommentare:

Sponsa Agni hat gesagt…

"man entmutigt Aspirantinnen unterhalb eines gewissen Alters oder weist sehr junge an, doch so etwa
im Alter von 35 Jahren wiederzukommen, denn vorher käme eine Weihe ohnehin nicht in Frage"

*g* Das hat man mir zuerst auch gesagt - und das Beste war die Begründung - ziemlich wörtlich von unserem Berufungspriester der Diözese! - "Im Alter zwischen 25 und 30 tut sich doch bei Frauen sehr viel und darum wartet man das lieber ab"... ;-) (Habe nur gegengefragt: "Woher wissen Sie das - ALS MANN?" worauf hin er etwas errötete und nichts mehr sagte....)

Sponsa Agni hat gesagt…

Übrigens: "In den Kanones 922-24 des CIC, die sich auf die gottgeweihten Jungfrauen beziehen..."
Ehem, das ist nicht CIC, sondern Katechismus!
;-)

Ich dachte mir doch, dass da was nicht stimmt - war echt am Überlegen: Habe ich im CIC was übersehen?????

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, Mist - meine Software bringt mich um ;)! Ich hatte den Irrtum bereits bemerkt (im CIC ist es Can. 604) und korrigiert, als wie von Zauberhand mein Beitrag in einen früheren Bearbeitungszustand zurückkehrte. Danke trotzdem.

Anonym hat gesagt…

Bei Wilhelm Durandus ist vom vollendeten 25. Lebensjahr die Rede - ich verstehe auch nicht, warum man diese so lange bewährte (weil aus dem Altertum stammende) Praxis der Kirche künstlich hochsetzt. Übrigens ist das auch die Altersgrenze für Priester und zölibatäre Diakone. Ein früheres Weihealter wäre in Anbetracht dessen, dass die jungen Volljährigen heute in der ersten 20er Hälfte i. d. R. nicht als "Erwachsene" angesehen werden können (tägliche berufspraktische Anschauung...) - Ausnahmen bestätigen die Regel - nicht wirklich wünschenswert.
Prinzipiell finde ich das Warten auch nicht falsch. Man kann ja auch nicht unbedingt immer sofort heiraten, wenn man sich "einig" geworden ist. Gruß, Chiara

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