Montag, 8. Februar 2010

Bekehre uns… – die große Fastenzeit

Für die Fastenzeit nehmen sich sicherlich die meisten von uns etwas vor; traditionell bringt man die sogenannten Fastenopfer. Diese kann man durchaus individuell gestalten – manchesmal mit überraschenden Nebenwirkungen: Eines meiner allerersten Fastenopfer war der Verzicht auf Zucker, den ich zu jener Zeit reichlich nahm, in den Kaffee. Als ich Ostersonntagmorgen zum gezuckerten Kaffee zurückkehren wollte, hätte ich ihn fast wieder ausgespuckt – und trank meinen Kaffee fortan schwarz. In einem anderen Jahr verzichtete jemand (nicht ich) aufs Rauchen. Dies geriet meines Erachtens eher zu einer Bußübung für mich.

Die Bußordnungen, die in manchen Jahren auf fotokopierten Blättern in der Vorhalle auftauchen, erscheinen mir in Bezug auf die rein äußerliche Gestaltung der Fastenzeit oft wenig verbindlich. Ist es nicht der Theo in uns allen?

Natürlich ist es richtig, daß es neben dem Verzicht auf rein „Fleischliches“ Verzichte anderer Art gibt und man außer dem schieren Verzicht in anderer Hinsicht auch mehr tun sollte – mehr beten, ggf. öfter zur Heiligen Messe und zu Andachten gehen, öfter beichten, mehr lesen, das uns geistlich weiterbringt, mehr Almosen geben (für die Ärmeren unter uns: das beim eigenen Fasten Ersparte den Armen zuwenden). Man kann sich verstärkt einer Andachtsform wie der Kreuzwegandacht zuwenden, das Leben großer Heiliger lesen, Wüstentage einlegen oder Exerzitien machen. Man kann Krankenbesuche in der Gemeinde machen, auch soll man „sich seinen Verwandten nicht entziehen“ (das kann eine Herausforderung sein).

Eine Buße sollte jedoch schon als eine solche empfunden werden. Die Erkenntnis der eigenen körperlichen Abhängigkeit zum Beispiel von einem Becher Rahmjoghurt zum zweiten Frühstück kann eine schöne Übung der Demut sein. Andererseits ist es ein Werk der Nächstenliebe, sich nicht im Eifer so radikal zu kasteien[2] , daß man seinen Mitmenschen durch die auferlegten Verzichte zur Last wird.

Nichtsdestotrotz beneide ich manchmal die orthodoxe Kirche um ihre deutlichen und ausführlichen Fastenregeln. Ich bin allerdings nicht sicher, ob mich deren schiere Durchschauung nicht anfangs etwas überfordern würde.

Hier ein Blick auf die Fastenordnung der römisch-katholischen Kirche nach dem Kirchenrecht vor 1983.
Das Abstinenzgebot verpflichtet zur Enthaltung von Fleischspeisen und Fleischbrühe. Verboten ist nur der Genuß des Fleisches warmblütiger, auf dem Lande lebender Tiere, nicht des von Fischen. Erlaubt sind Eier, Milchspeisen und Speisewürzen jeder Art, auch mit Tierfett (Canon 1250 [von 1917]).

Das Fastengebot fordert, sich mit einer einmaligen täglichen Sättigung zu begnügen; eine kleine Stärkung des Morgens und des Abends ist gestattet, wobei das örtliche Herkommen hinsichtlich Art und Maß der Speisen zu beachten ist. Es ist nicht verboten, Fisch- und Fleischspeisen bei derselben Mahlzeit zu genießen oder die Hauptmahlzeit am Abend statt zu Mittag zu nehmen (Canon 1251 [von 1917]).

Mit dem Fasten ist nicht notwendig Abstinenz verbunden und umgekehrt.

Bloße Abstinenz ist zu halten an allen Freitagen.

Abstinenz und Fasten sind zu halten am Aschermittwoch, an den Freitagen und Samstagen der Fastenzeit, an den Quatembertagen und an den Vigiltagen von Pfingsten, Allerheiligen, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens und Weihnachten.

Bloßes Fasten ist zu halten an allen übrigen Tagen der Fastenzeit.

An den Sonntagen und den gebotenen Festtagen besteht weder ein Abstinenz- noch ein Fastengebot, allein ausgenommen an einem gebotenen Festtag, der auf einen Wochentag der Fastenzeit fällt (Fest des hl. Joseph); in diesem Falle besteht das Fastengebot und, wenn es ein Freitag oder Samstag ist, auch das Abstinenzgebot. (...)

Zur Abstinenz sind alle Gläubigen verpflichtet, die das siebte Lebensjahr vollendet haben. Zum Fasten sind alle verpflichtet, die das 21. Lebensjahr vollendet haben und noch nicht in das 60. Lebensjahr eingetreten sind. (K. Mörsdorf, Lehrbuch des Kirchenrechts, 1958.)
Mir scheint es keine schlechte Idee zu sein, sich wenigstens dies vorzunehmen – freiwillig kann man immer mehr tun, als das schiere Gebot von einem verlangt. Und tut man nicht bereitwillig und frohen Herzes alles für den, den man liebt?

Barmherziger Gott, du hast in Christus den Weg zu dir frei gemacht
und alle Sünden der Welt getilgt. Ich bitte dich:
Reinige mich, daß ich rein werde,
heilige mich, daß ich heil werde,
trage mich zu dir, daß mein Herz Ruhe finde.


____
[1] Die Idee selbst ist durchaus lobenswert. Eine Veröffentlichung an gut sichtbarer Stelle auf der Homepage des Bistums wäre auch keine schlechte Idee.

[2] Hier gälte eher: man muß auch mal auf ein Opfer verzichten können.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Welche Fastenordnung gilt denn für uns heute???

Gruß Alfred

Braut des Lammes hat gesagt…

Meines Erachtens die Partikularnorm Nr. 16 der Deutschen Bischofskonferenz Kirchliche Bußpraxis/Weisungen zur Bußpraxis):

1. Aschermittwoch und Karfreitag
Der Aschermittwoch und der Karfreitag sind strenge Fast- und Abstinenztage. Der katholische Christ beschränkt sich an diesen Tagen auf eine einmalige Sättigung (Fasten) und verzichtet auf Fleischspeisen (Abstinenz).
2. Fastenopfer
Jeder Christ soll je nach seiner wirtschaftlichen Lage jährlich, wo möglich am Ende der österlichen Bußzeit, ein für ihn spürbares Geldopfer für die Hungernden und Notleidenden geben.
3. Die Freitage des Jahres
Alle Freitage des Jahres sind im Gedenken an das Leiden und Sterben des Herrn kirchliche Bußtage, an denen der Christ zu einem Freitagsopfer verpflichtet ist; ausgenommen sind die Freitage, auf die ein Hochfest fällt. Das Freitagsopfer kann verschiedene Formen annehmen: Verzicht auf Fleischspeisen, der nach wie vor sinnvoll und angemessen ist, spürbare Einschränkung im Konsum, besonders bei Genussmitteln, Dienste und Hilfeleistungen für den Nächsten. Das durch das Freitagsopfer Ersparte sollte mit Menschen in Not geteilt werden. Auch eine andere spürbare Einschränkung im Konsumverhalten ist denkbar. ..
Dem Sinn des Freitagsopfers entsprechen auch: Gebet und andere Frömmigkeitsübungen, eine wirkliche Einschränkung und der Dienst am Nächsten.

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