Donnerstag, 28. Januar 2010

Zölibatäre – Psalm 1

Über Dialoge wie diesen vor einigen Jahren konnte ich bei bei aller Verblüffung immerhin lachen, war die Situation doch auch von einer gewissen Arg- und Sorglosigkeit geprägt. Irgendwo in meinem alten Katechismus steht, daß man die geweihten Personen stets mit Achtung behandeln soll – nicht um ihrer selbst willen, sondern weil sie Gott geweiht sind. Auch wenn ich deswegen nicht erwarte, daß man mir Rosenblüten streut, macht es mich doch immer mal wieder etwas betroffen, in welcher Weise man zuweilen in unseren katholischen Gemeinden meint, über das vermeintliche Leben der Zölibatären urteilen zu müssen.

Ich anonymisiere etwas: Person E ist seit vielen Jahren glücklich verheiratet, Person P im Stand des geweihten Lebens. Nun fragte man E hintenherum mit Kavaliersmiene, ob er eigentlich was mit P hätte. E war entrüstet und verwies darauf, daß er a) glücklich verheiratet sei und zudem b) P öffentlich die ehelose Keuschheit versprochen habe (beides war dem Frager übrigens bekannt). Die Antwort, die E darauf wurde, war: „Na und?“

Einem Priester, der jemanden aus der Gemeinde im Auto mitgenommen hat, wurde allein aufgrund dieses Vorkommnisses unterstellt, er hätte ein Verhältnis mit selbiger Person. Die bekannte Unterstellung Priester + Haushälterin = Verhältnis gibt es auch in meinem Umfeld – völlig grundlos natürlich, was jedem klar sein müßte, die beiden kennt. Ein anderer läßt die Sakristeitür offen, wenn nicht mehrere Leute anwesend sind. So langsam verstehe ich, was ihn dabei umtreibt.

Man muß solches Gerede nicht zu ernst nehmen und auch nicht in Paranoia verfallen, Wahrscheinlich ist es, wie so oft im Leben so, daß man eigentlich tun oder nicht tun kann, was man will – irgendwer hat immer was zu sagen. (Zumal dürfte es sich beim ersten Beispiel um eine Projektion eigener Wünsche des Fragers handeln.) Dennoch frage ich mich: Wie vorsichtig muß man als Zölibatärer sein? Wie ist eigentlich die Wahrnehmung der Sinnhaftigkeit des ehelosen Lebens um des Himmelreiches willen in unseren Gemeinden? Ist solches Gerede an der Tagesordnung? Läge irgendein Sinn darin, freiweillig und öffentlich Jungfräulichkeit zu geloben, um dann unverzüglich mit E ein Verhältnis im Geheimen zu beginnen? Fragen über Fragen – ich würde wirklich gern Antworten darauf wissen. (Das heißt, auf die letzte Frage kenne ich sie natürlich).

Die Ehelosigkeit als evangelischer Rat ist freiwillig und Nachahmung des jungfräulichen Lebens Christi. Auf dieser Nachahmung der Tradition Christi beruht das Gebot der Enthaltsamkeit und letztendlich auch das heutige Weiheverbot für Verheiratete und das Heiratsverbot für Geweihte. Wer es fassen kann, der fasse es (Mt 19,12). Wer es nicht fassen kann, möge sich doch bitte nicht auf die Bank der Spötter setzen. Auch wenn ich das gut aushalten kann, tut es mir für andere weh.

In der Akademiekirche haben wir am vergangenen Sonntag das Patronat des stummen Ochsen gefeiert – ein schönes, aber anspruchsvolles Vorbild. Der heilige Thomas glaubte auch lieber, daß ein Ochse fliegen könne, als daß einer seiner Mitbrüder absichtlich die Unwahrheit spräche.

Für euren Input wäre ich euch in diesem Fall besonders dankbar.

Kommentare:

Florian hat gesagt…

Tja. Wenn man das Argument "um des Himmelreichs willen" vorbringt, fragt man mich meistens, warum ich so unchristlich wäre zu sagen, Un-Zölibatäre kämen nicht in den Himmel... -.- Zu deiner Frage: die Wahrnehmung als Zeichen einer eschatologischen Realität ist meiner Erfahrung nach definitiv nicht da. Und solches Gerede IST an der Tagesordnung ;)



"Aber kannst ja dann eine Haushälterin/ Köchin/ Putzfrau/ Freundin/ einen Freund(!!!) haben"

- ich weiß nicht, wie oft ich den Spruch schon - auch von Katholiken - gehört habe. Meinen diese Leute, dadurch stärken sie einem die Berufung? Manchmal wüsst ich echt gern, was da in den Köpfen der Leute vorgeht, wenn solche geistigen Flatulenzen rauskommen...

Florian hat gesagt…

oh, in dem Satz in Anführungszeichen fehlt ein "du". I'm sorry :)

susibayern hat gesagt…

Hallo,
danke für diesen Beitrag. Ich möchte dazu zum einen auf die Aussagen von Kardinal Meisner nachzulesen unter www.kath.net/detail.php?id=24564 verweisen, wie auch auf meine Kommentare zum Thema wie folgt, die ich im kath.net hinterlegt hatte unter id=24749 und www.kath.net/detail.php?id=24690

Es ist einfach ein Zeichen von Arroganz aus Unkenntnis und Gedankenlosigkeit geboren, die Leute an den Tag legen, wenn sie sich über zölibatär lebende Menschen abfällig äußern oder Gerüchte streuen. Sie haben den Lebensweg der Berufung als Eheleute oder Singles gewählt und meinen weil ihnen andere Berufungen fremd sind, diese deshalb ins Lächerliche ziehen zu können, um sich nicht selbst vor die Frage stellen zu müssen, ob sie ihren Weg willentlich oder nur aus "das machen alle so" gegangen sind. Sehr traurig, daß sie dann nicht im Erkennen ihrer Unkenntnis dem Satz huldigen : "Si taccuisses philosophus mansisses". Danke "Braut des Lammes" für diesen Blog-Beitrag

. hat gesagt…

Seit einiger Zeit freue ich mich über alle Nachrichten und Blogeinträge, die vor der breiten Rezeption des 28.01.10 herausgekommen sind, man wurde nicht für Monate bis Jahre in vernünftigen Diskussionen zurückgeworfen.

Ich würde sagen, man hat keine Chance, diesen Ansichten etwas entgegen zu setzen.
Man muüsse als Mensch offenbar zwanghaft allen Trieben folgen, sonst betreibe man Selbstverstümmelung und - Kindesmissbrauch.
Es ist traurig, wirklich traurig.
Das Unverständnis ist weit verbreitet. Mir ist an Situationen bis jetzt nicht mehr passiert, als dass man mich fragte, ob ich denn katholisch oder evangelisch sei, wenn die Parole umging, dass ich geäußert hätte, mir vorstellen zu können, Priester zu werden, was ich dummerweise mal getan hatte, worauf großes Unverständnis folgte, wenn ich mich zum Katholischsein bekannte.

Entsprechende Situationen wie du sie schilderst habe ich auch schon mitbekommen. Der fragende Jugendliche lies sich dadurch überzeugen, dass die nebenamtliche Haushälterin einen Freund hat.

Zeichen in der Welt, des Anstoßes, des Widerspruchs, ist der Zölibat. Und, weil das lokal passt, das ist auch gut so.

. hat gesagt…

*Und, weil das lokal passt, "das ist auch gut so".

So sollte es heißen.

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