Montag, 18. Januar 2010

Verlorene Bibliothek – verlorene Pietät?


Just als ich beschloß und sicherheitshalber auch ankündigte, diesmal wirklich die Mühe nicht zu scheuen und einen 3F-Brief (fristlos, formlos, fruchtlos…) an das Bezirksamt von Mitte zu schreiben, sehe ich, daß andere sich dankenswerterweise gerade genau dieser Unsäglichkeit angenommen haben.

Zur Erklärung: auf dem Platz vor der Kathedrale befindet sich das schlichte Mahnmahl für den Ort der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten, die sogenannte verlorene Bibliothek – auch manche Berliner wissen das nicht. Durch die Glasscheibe blickt man hinunter in einen Raum voller leerer weißer Bücherregale.

Ein Straßencafé durfte aus diesem Grund auf dem Platz nicht

eingerichtet werden. An Fronleichnam muß für die zentrale Prozession jeweils entsprechend aufgebaut werden, um das Mahnmal nicht zu verdecken – zu Recht, wie ich finde. Die einzigen, die seit Jahren zweimal im Jahr keinen Deut um das Mahnmal geben müssen, sind die Aufgebrezelten von der "Fashion Week", deren Zeltstadt am Bebelplatz jedesmal noch ein wenig monumentaler, schriller und lauter wurde.

Eine Bürgerinitiative hat sich nun des Mahnmals am Bebelplatz angenommen. Mit überraschend schnellem Erfolg, wie ich gerade sehe: die Fashion Week denkt darüber nach, den Bebelplatz zu verlassen. Vielen Dank dafür. Eigentlich schade, daß man sowas dem Bezirksamt Mitte noch verklickern muß. Als es vor Jahren um die Sanierung der Außenfassade der Kathedrale ging, zeigte sich dieses sehr bräsig und wegen der Plakatierung "um das Ansehen des Platzes besorgt". Es kommt halt immer drauf an, wer fragt – honi soit qui mal y pense.

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Tja, die Linken denken, sie können sich das erlauben, weil doch niemand auf die Idee kommt, daß sie faschistoide Züge tragen.

Lupambulus Berolinen. hat gesagt…

Ich wusste nicht, dass dort die Einrichtung eines Straßencafés untersagt worden ist. Ziemlich grotesk. Wie sähe bei Anwendung solcher Grundsätze heute der Campo de' Fiori aus, wo nicht nur Giordano Brunos Bücher verbrannt worden sind, sondern er selbst gleich mit? Aber jetzt fällt mir endlich auf, was mir am Bebelplatz immer gefehlt hat. Aber der Gendarmenmarkt ist ja nicht weit... ;-)

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