Mittwoch, 20. Januar 2010

Hl. Agnes – Jungfrau und Märtyrin

Seht auf eure Berufung, Brüder!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt,
um die Weisen zuschanden zu machen
und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt,
um das Starke zuschanden zu machen
Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt,
das was nichts ist, um das was etwas ist, zu vernichten, damit kein
Mensch sich rühmen kann vor Gott. (1. Kor. 21-29)


Über das Leben der heiligen Agnes, deren Verehrung bis ins 4. Jahrhundert zurückreicht, ist wenig bekannt. Sie erlitt das Martyrium schon im Alter von 12 oder 13 Jahren, vermutlich zwischen 258 und 304. Ihren Gedenktag feiert die Kirche morgen.

Zusammen mit Agatha, Lucia und Cäcilia wird die Hl. Agnes als jungfräuliche Märtyrin im ersten Kanon namentlich genannt. Als Jungfrau und Märtyrin errang sie eine zweifache Krone. Vermutlich starb sie durch das Schwert "wie man Lämmer tötet" (Agnus = das Lamm), auch bedeutet der Name Agnes "die Reine". Sie wird deshalb oft mit einem Lamm im Arm dargestellt, selten jedoch als das zarte junge Mädchen, das sie doch eigentlich war.

Bei Ausgrabungen im Jahre 1901 in Rom wurde der silberne Sarkophag wiederentdeckt, den Papst Pius V. für die Hll. Agnes und Emerentiana hatte anfertigen lassen. Der Sarg enthielt den kopflosen Körper eines jungen Mädchens. In allen Überlieferungen zum Martyrium der Heiligen wird die Furchtlosigkeit hervorgehoben, mit der das junge Mädchen ihren Peinigern gegenübertrat.

Papst Pius XII. befaßt sich in seiner Enzyklika Sacra virginitas ausführlich mit der gottgeweihten Jungfräulichkeit, die "wenn nötig, auch zum Martyrium anzuspornen vermag."

Gregor der Große lehrt darüber hinaus, die vollkommene Keuschheit ersetze das Martyrium: "Denn, wenn es auch keine Verfolgung gibt, so hat doch unsere friedliche Zeit ihr Martyrium, da wir ja, wenn wir auch unseren Hals nicht dem Schwert des Henkers ausliefern, in unserem Herzen mit dem geistigen Messer unsere fleischlichen Begierden töten" Darum verlangt die gottgeweihte Keuschheit tapfere und vornehme Seelen, die "des Himmelreiches wegen" zu kämpfen und zu siegen bereit sind."

Bevor Wir nun aber, ehrwürdige Brüder, zum Ende Unseres Rundschreibens kommen, möchten Wir Unsere ganze Aufmerksamkeit in besonderer Weise den Männern und Frauen zuwenden, die, dem Dienste Gottes geweiht, in nicht wenigen Ländern harte und unheilvolle Verfolgungen erdulden. Sie sollen sich die gottgeweihten Jungfrauen der Urkirche zum Beispiel nehmen, die für ihre Jungfräulichkeit starkmütig und unbesiegt ins Martyrium gingen.

Sie alle sollen in ihrem einmal gefaßten heiligen Entschluß, Christus zu dienen, tapferen Herzens "bis zum Tode" ausharren und sich vor Augen halten, daß ihre Ängste, Drangsale und Gebete überaus wertvoll sind vor Gott, um sein Reich in ihrer Heimat und in der gesamten Kirche aufzurichten; ebenso sollen sie gewiß sein, daß die, welche "dem Lamme folgen, wohin es geht" in Ewigkeit ein "neues Lied" singen werden, das kein anderer singen kann. (Sacra Virginitas).
Die Antiphonen und Gebete aus dem Offizium zum Gedenktag der Heiligen gehören zu den schönsten im Stundenbuch:

Mit seinem Ring hat mich Christus, mein Herr zur Treue verpflichtet und mich als Braut geschmückt mit einem Kranz.

Ich bin mit dem vermählt, dem die Engel dienen und dessen Schönheit Sonne und Mond bewundern.

Schon schaue ich, wonach ich mich sehnte, schon besitze ich, was ich erhoffte. Den ich auf Erden von Herzen geliebt, mit dem bin ich im Himmel vereint. (Antiphon zum Benedictus)

Ihm allein bewahre ich die Treue, ihm weihe ich mich von ganzem Herzen.

Die heilige Agnes breitete die Hände aus und betete: Heiliger Vater, dich rufe ich an. Siehe, ich komme zu dir, den ich geliebt und gesucht, nach dem ich mich allezeit gesehnt. (Antiphon zum Magnificat).


Und für die Lateiner der Hymnus

Igne divini radians amoris
corporis sexum superavit Agnes,
et super carnem potuere carnis
claustra pudicae.

Spiritum celsae capiunt cohortes
candidum, caeli super astra tollunt;
iungitur Sponsi thalamis pudica
sponsa beatis.

Virgo, nunc nostrae miserere sortis
et, tuum quisquis celebrat tropaeum,
impetret sibi veniam reatus
atque salutem.

Laudibus mitem celebremus Agnum,
casta quem sponsum sibi legit Agnes,
astra qui caeli moderatur atque
cuncta gubernat.

Einige dieser Antiphonen haben wegen ihrer Schönheit und tiefen Bedeutsamkeit Eingang ins Pontifikale zur Jungfrauenweihe gefunden. Direkt nach der Übergabe von Schleier, Ring und Stundenbuch singt die Consecranda die wunderschöne Antiphon Ich bin mit dem vermählt, dem die Engel dienen.

Am Gedenktag der heiligen Agnes segnet der Papst Lämmer, deren Wolle zum Weben der erzbischöflichen Pallien verwendet wird – ein sehr schöner Brauch, wie ich finde, bringt er doch die enge Verbundenheit zwischen Hirten und Herde bildlich zum Ausdruck.

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