Mittwoch, 30. Dezember 2009

5 (und mehr) Gründe, nicht geweihte Jungfrau zu werden

Begegnungen unterm Jahr führten zwischendurch dazu, daß ich mir Gedanken über einige gelegentlich anzutreffende Mißverständnisse im Zusammenhang mit der Berufung zur geweihten Jungfrau gemacht habe bzw. auch darüber, daß es im Einzelfall auch wenig sinnvoll erscheinen kann, den Weg als gottgeweihte Jungfrau in der Welt gehen zu wollen. Dabei fiel mir eine Zusammenstellung an Gründen, aus denen heraus man nicht Virgo consecrata werden sollte, von Sponsa Christi ein, die ich der Einfachheit halber übersetzt habe. Sponsas Liste ließe sich gewiß noch manches hinzufügen.

Um etwa einem weitverbreiteten Irrtum zu begegnen: geweihte Jungfrauen geloben nicht Armut, ehelose Keuschheit und Gehorsam, sondern Christus im Stand der Jungfräulichkeit nachzufolgen. Die dem Bischof unmittelbar vor der Weihe gegebenen Versprechen, sein Leben in der Nachfolge Christi als ein Zeugnis der Liebe zu leben, als ein Zeichen des kommenden Reiches Gottes und dem Herrn und seiner Kirche zu dienen, umfassen jedoch implizit evangelische Armut und Gehorsam.

1. Du bist nicht bereit, all die Opfer zu bringen, die das Leben einer Religiosen mit sich bringt –
Liebe und Opfer sind untrennbar miteinander verbunden. Um es ganz klar zu sagen: Du kannst dich nicht selbst vollständig hingeben, ohne dich selbst in einem buchstäblichen Sinn zu verlieren. Über die erste großherzige Wahl eines Lebensstandes hinaus zeigt sich die Verbindung zwischen Liebe und Opfer auch in zahllosen und allgegenwärtigen, gewöhnlichen Dingen.

Ohne die Bereitschaft, Opfer zu bringen, kann keine Berufung wirklich gelebt werden. Dies trifft in jedem Fall auf die Ehe zu; besonders aber auf das geweihte Leben, dessen innersten Kern die engere Nachfolge Christi darstellt, der uns gelehrt hat: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, er nehme sein Kreuz auf sich…

Ich glaube sagen zu können, daß die Liebe zum Kreuz für eine gottgeweihte Jungfrau für eine geweihte Jungfrau noch wichtiger ist als für eine Ordensfrau. Freude an der Entsagung ist gleichermaßen wichtig für das geweihte Leben wie es dem natürlichen Streben zuwiderläuft. Ordensfrauen erfahren hierbei die Unterstützung und Ordnung ihrer Gemeinschaft, aber – um den Hl. Johannes vom Kreuz zu zitieren – die geweihte Jungfrau hat in ihrem alltäglichen Leben kein anderes Licht, um sie zu leiten als jenes, das in ihrem Herzen brennt.

2. Du möchtest eine gottgeweihte Person sein, aber niemandem darüber Rechenschaft ablegen, was du mit deinem Leben anfängst. –
Es stimmt, daß eine geweihte Jungfrau kein öffentliches Gelübde des Gehorsams ablegt. Dies bedeutet, daß sie große Freiheit bei der konkreten Gestaltung ihres geweihten Lebens hat. Über den Gehorsam hinaus, zu dem alle getauften Katholiken ihrem Bischof gegenüber verpflichtet sind, sind jedoch die geweihten Jungfrauen ausdrücklich zum Dienst Christi und der Kirche bestimmt. [1]

Meiner Ansicht nach führt nichts daran vorbei, daß dies, wenn man es ernst nimmt, die ganze Lebensführung bestimmen muß. Jede bedeutende Entscheidung gilt es im Hinblick auf diesen Aspekt der Berufung zu treffen. Das eigene Leben mit Blick auf diese Verpflichtung zu ordnen ist – oder sollte es zumindest sein – weit entfernt von tun, wonach immer einem der Sinn steht.

3. Du wärst gern Ordensfrau geworden, aber man hat dich nicht genommen. –
Zunächst einige Anforderungen: Ich glaube, daß es möglich ist, daß eine Frau auch dann eine echte Berufung zur gottgeweihten Jungfräulichkeit haben kann, wenn es Hindernisse gibt (wie etwa bestimmte gesundheitliche Gründe), die ihr den Ordenseintritt für gewöhnlich verunmöglicht hätten. Ich glaube auch, daß es theoretisch möglich ist, daß Gottes vorausschauende Führung eine Frau, die mit der Erprobung einer Berufung zum Ordensleben gescheitert ist, als Konsequenz daraus zu der Erkenntnis führen kann, daß ihre wahre Berufung in einem Leben als gottgeweihte Jungfrau in der Welt liegt.

Der Ruf zu einem Leben als gottgeweihte Jungfrau muß jedoch viel mehr als das Ergebnis eines kirchlichen Ausschlußverfahrens sein. Ich bin der festen Überzeugung, daß man sich auf eine positive Weise zu dieser Form des Lebens hingezogen fühlen muß, da sie eine ganz eigene Berufung darstellt. Wenn eine Frau diese Berufung freudig und erfüllt leben will, muß sie das ganz eigene Charisma der geweihten Jungfräulichkeit wirklich verstehen und wertschätzen.

Darüber hinaus gibt es viele Umstände, die eine Frau am Ordenseintritt hindern, die aber auch das Leben als geweihte Jungfrau sehr schwierig oder gar unmöglich machen können. Zum Beispiel würde die Unfähigkeit, gut mit anderen Menschen auszukommen, sich zerstörerisch auf das Leben in einer Ordensgemeinschaft auswirken. Jedoch würde es ebenfalls die Haltung unterminieren, ein Leben im Geiste des Evangeliums und als ein Zeugnis der Liebe zu führen, in der die geweihte Jungfrau in der Welt lebt.

Schlechte Gesundheit oder die Verpflichtung, für Familienmitglieder zu sorgen, können ein Hindernis für das intensive Gebetsleben darstellen, das für Leben einer geweihten Jungfrau wesenhaft ist. Und da alle Formen des geweihten Lebens große Änderungen der eigenen Sichtweisen und Identität voraussetzen, mögen ältere Frauen, die ein gewöhnliches, weltliches (jedoch nicht notwendigerweise sündhaftes) Leben geführt haben, mit der Verinnerlichung der Askese und Loslösung, die diese Lebensform mit sich bringt, zu kämpfen haben.

Grundsätzlich sollten wir uns vergegenwärtigen, daß die Berufung zur geweihten Jungfrau in gleicher Weise eine wirkliche und ganzheitliche Berufung darstellt wie die zur Ordensfrau – also sollte diese Berufung nicht als Auffangbecken angesehen werden, falls alles andere nicht geklappt hat!

4. Du möchtest nicht heiraten –
Die Berufung zur Ehe ist die ursprünglich menschliche, wie sogar der Ritus der Jungfrauenweihe im Weihegebet selbst zum Ausdruck bringt. Es muß daher bei der Prüfung der Berufung ein fester, dauerhaft tragender Grund vorhanden sein, warum jemand ein zölibäres Leben umfängt, wenn diese Berufung in ihrer ganzen Fülle gelebt werden soll. Die alte Maxime, daß die Gnade die Natur vervollkommnet, erweist sie hier wieder einmal als richtig.

Um es ganz klar zu sagen: eine Aversion gegen die Ehe kann auf ein schwerwiegendes Problem des Gefühlslebens oder der persönlichen Reife hindeuten – augenscheinlich kein fester Grund, auf den ein ernste Verpflichtung für das ganze Leben gebaut werden kann. Darüber hinaus kommt im Ritus der Jungfrauenweihe an mehreren Stellen zum Ausdruck, daß die geweihten Jungfrauen auf das Glück der Ehe verzichten. Dies wirft ein Licht auf den Verzicht als einen zentralen Aspekt dieser Berufung.

Auf das Glück einer Ehe verzichten bedeutet nun nicht, daß eine Frau scharenweise anbetende Bewerber abweisen oder in der Nacht vor der Hochzeit weglaufen müßte. Eher ist es für viele Frauen, die sich längere Zeit mit der Berufung zum geweihten Leben beschäftigt haben, wahrscheinlich, daß einfach ein weltlicher Bräutigam nicht ins Bild zu passen scheint.

Selbst wenn jedoch eine Ehe nicht unmittelbar in Frage zu kommen scheint, muß sie zumindest vorstellbar sein. Bei der gottgeweihten Jungfräulichkeit geht es darum, die Fähigkeit zur Hingabe an eine andere Person in Liebe - das heißt, die Fähigkeit zum Eheleben – ganz Gott zuzuwenden. Wo diese Fähigkeit zur Selbsthingabe gar nicht vorhanden ist, kann sie auch nicht Gott zugewandt werden.

5. Du findest die Vorstellung, ein Hochzeitskleid zu tragen, wundervoll, und eine Braut Christi zu werden klingt so romantisch. –
Zugegebenermaßen finde ich, daß das Tragen eines Hochzeitskleides bei der Weihe ein schöner Brauch ist und wenn ich nicht aus ganzem Herzen an die bräutliche Dimension dieser Berufung glauben würde, hätte ich es nicht so genannt.

Und obwohl es wesentlich ist, daß eine Frau, die das Leben einer geweihten Jungfrau anstrebt, sich grundsätzlich zum Leben einer weltlichen Ehe hingezogen fühlt, ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, daß diese beiden Berufungen trotzdem sehr sehr verschieden sind. Aus einer Vielzahl von Gründen erscheint es mir sehr gefährlich, sie durcheinanderzubringen.

In einer guten Ehe bringt man ein gutes Teil an persönlichen Opfern. Da es sich jedoch die gewöhnliche menschliche Berufung handelt, ist die Ehe gewöhnlich auf die Erfüllung sinnlicher Begierden gerichtet, um die in uns verwurzelten Bedürfnisse nach Liebe und Partnerschaft zu erfüllen. Demgegenüber gibt es im Leben einer gottgeweihten Jungfrau KEiNE Erfüllung gefühlsmäßiger oder sexueller Bedürfnisse. Dieses Leben ist viel eher ein Ruf, mit Hilfe der Gnade Gottes darüber hinauszustreben.

Dies ist nicht meine persönliche Art, zum Ausdruck zu bringen, daß gottgeweihte Jungfräulichkeit eine völlig unerfüllende, freudlose Berufung sei. Im Gegenteil ist sie etwas sehr Freudiges, man muß jedoch verstehen, daß diese Freude von Gott allein kommt. Der Trick ist, irdische Freuden (wie die romantischen Freuden der menschlichen Liebe) nicht mit geistlicher Erfüllung zu verwechseln. Zuweilen können die größten Gnaden, die Gott einem erweist, im Lichte unserer irdischen Ansichten wie eine Strafe erscheinen. Wir sehen dies in den Seligpreisungen, wo Christus sich auf die Seligen als arm im Geiste, sanftmütig, trauernd, hungrig und verfolgt bezieht.

Eine Frau, die glaubt, aus der Weihe Tröstungen ähnlich denen einer weltlichen Ehe ziehen zu können, wird bitter enttäuscht werden. Nur durch das Umfangen des enormen Mangels kann eine geweihte Jungfrau ihre Berufung als irdische Erwartung der himmlischer Liebe leben.

____
[1] siehe auch Canon 923 des KKK und canon 604 im Codex Iuris Canonici

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Der Beitrag gefällt mir sehr gut!

Anonym hat gesagt…

Die Formulierung "keine Erfüllung gefühlsmäßiger ... Bedürfnisse" finde ich etwas seltsam. Es soll ja auch Jungfrauen geben, die reine, mystische Liebeserfahrungen mit dem Bräutigam machen.
Also wenn ich seine Liebe nie spüren könnte ganz konkret, fände ich das schlimm. Und er spricht ja auch noch heute zu den Menschen, die ihr Herz aufmachen. Meine Seele lebt viel vom Hören auf seine Stimme.

Braut des Lammes hat gesagt…

Hmm. Im Original NO fulfillment of emotional or sexual desires. Ich denke, es ist vom Zusammenhang her klar, daß vor allem zwischenmenschliche Bedürfnisse gemeint sind – man achte auf den vorletzten Absatz.

Darüber hinaus gibt es Bedürfnisse, die naturgemäß niemals erfüllt werden – wie etwa das Bedürfnis nach Kindern und einer eigenen Familie – und an deren Nichterfüllung man immer wieder leiden kann.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...