Sonntag, 1. November 2009

Wie man den Alltag etwas auflockert

oder: Was man tun kann, wenn man einmal nichts zu tun hat

mittags: bei der Abrechnung eines Beleges über 17,60 Euro durch die gleichzeitige Bitte, einen 20 Euronen-Schein zu wechseln, die Kollegin und sich selbst so verwirren, daß es ca. 10 Minuten dauert, um das Ganze wieder zu entwirren. Anschließend 7,40 Euro in tinzig-winzigem Münzgeld zurückgeben.

abends: bei der Kapitelsmesse lustige Antworten singen wie „und mit deinem Heiligen Geiste!"

anschließend: beim Bezahlen des wöchentlichen Einkaufs im Supermarkt das Kunststück fertigbringen, zweimal hintereinander die Geheimzahl falsch einzugeben und sie beim dritten Mal tatsächlich nicht mehr so genau zu wissen.

Der urplötzlich neben einem erschienenen Marktaufsicht zur Information folgen und erklären, daß man erstmal Geld besorgen geht. Sich dabei wie eine Kleinkriminelle behandeln lassen. Den Geldautomaten konsultieren – dort an der Tastatur fällt einem die richtige Geheimzahl wundersamerweise wieder ein. Deshalb wird die Karte nicht eingezogen (das ist gut), ist aber trotzdem erstmal gesperrt (das ist schlecht).

Mit der U-Bahn nach Hause düsen, wo sich eine Kreditkarte befindet. Feststellen, daß sich die Geheimzahl zu dieser Karte seit der Hello-Kitty-Aktion letztes Jahr offenbar verflüchtigt hat. Sämtliche Orte überprüfen, an denen sich die Geheimzahl befinden könnte. Dabei feststellen, daß die eigene Ablage im Gegensatz zu der im Büro in desolatem Zustand ist. Außerdem ist kein gültiger Personalausweis da.

Ein interessantes Hauptmann-von-Köpenick-Szenario entwerfen, demzufolge man ohne Personalausweis von der Bank kein Geld und ohne Geld keinen neuen Personalausweis bekommt. Nervös werden. Den heiligen Antonius anrufen.

Einen Beleg mit einer Geheimzahl drauf finden und dabei erkennen, daß man mittlerweile für manche Sachen eine Lesebrille und eine Lupe braucht, um sie bei Kunstlicht lesen zu können. Erstmal die Lupe suchen, dann feststellen, daß die gefundene eine andere PIN ist. Die Lupe unmittelbar darauf – diesmal unauffindbar – verlegen. Fände man jetzt die richtige PIN, könnte man sie nicht entziffern. Mist. Den heiligen Antonius nicht noch einmal anrufen, es grenzt allmählich an Belästigung.

Die Suche aufgeben, zum Supermarkt zurückfahren, sich dort umständlich erklären, und für das wenige Bargeld das Allernötigste erwerben. Die Bank anrufen, sich durch zahlreiche Sprachmenüs a la „Sie haben drei gelbe Bananen gewählt“ hangeln, um am Ende zu erfahren, jetzt sei keine Sprechzeit mehr. Auch gut. Sags doch nächstes Mal einfach gleich.

nachts: schlafen (zu wenig) und sich dabei eine nette Erkältung zulegen. Das ist fein, schließlich habe ich bis Mittwoch frei.

morgens: Die Bank anrufen, sich wieder durch die Sprachmenüs durchwursteln. Von der jetzt leibhaft zugegegenen Kundenberaterin die freudige Auskunft erhalten, daß die Karte ab 10 Uhr nach persönlicher Vorsprache entsperrt werden könne. Ja, auch am Samstag. Zum Alexanderplatz fahren, in erstaunlich kurzer Zeit die Bank finden, den wirklich freundlichen Mitarbeiter unter Zuhilfenahme eines Uraltführerscheins davon überzeugen, daß man selbst man selbst sei, und die Karte funktioniert wieder. – Game over.

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