Sonntag, 8. November 2009

8. November – alle Märtyrer des Erzbistums

Die Zeit von Ende Oktober bis Mitte Dezember ist reich an Eigenfesten des Erzbistums Berlin. In diesem Jahr leider verdrängt wird der Gedenktag für die Märtyrer des Bistums, in jüngerer Zeit der nationalsozialistischen Christenverfolgung zum Opfer gefallenen Priester und Laien des Erzbistums. Ihrem Gedächtnis dient neben der Krypta der Kathedrale mit dem Grab des seligen Bernhards vor allem auch die Gedenkkirche Maria Regina Martyrum, deren Errichtung die deutschen Katholiken 1958 gelobten. In der Krypta befindet sich eine Grabstätte, die an diese Märtyrer erinnert. Den meisten von ihnen wurde das Grab verweigert, ihre Asche über die Rieselfelder Berlins verstreut.



Pietà in der Krypta von Maria Regina Martyrum.
Allen Blutzeugen, denen das Grab verweigert wurde –
 allen Blutzeugen,  deren Gräber unbekannt sind.
Pater Alfred Delp, geboren 15. September 1909, gestorben 2. Februar 1945;
Dompropst Bernhard Lichtenberg, geboren 3. Dezember 1875, gestorben 5. November 1943;
 Dr. Erich Klausener, geboren 25. Januar 1885, gestorben 30. Juni 1934

Ich glaube, daß alle, die gegen ein Unrechtssystem Widerstand geleistet haben und leisten, einen Traum hatten, eine Vision von einer wiederhergestellten, wiederherzustellenden Ordnung, an die sie geglaubt haben und die ihnen die Kraft gab, gegen den alles beherrschenden Augenschein aufzutreten. Die Menschen, an die wir hier denken, sind Menschen des Aufbruchs aus einer das kritische Denken und das Gewissen abstumpfenden Alltagswirklichkeit, die den Angepaßten allein gelten lässt. Die Menschen, an die wir denken, werden noch heute vielfach als unbequeme, lästige Träumer angesehen. Das verwundert nicht in einer Gesellschaft, die so arm an zukunftsträchtigen Visionen ist, beziehungsweise die sich so schwer damit tut, solche Visionen zuzulassen. Umso mehr sehe ich in dem heutigen Gedenktag einen Anstoß, die berühmte Frage nach Anpassung und Widerstand für sich selber durchzudenken und nach den eigenen Träumen zu fragen, die man sich vielleicht nicht zugestehen möchte. Gott bewahre uns vor einer selbstzufriedenen Gläubigkeit. (aus einer Predigt von Sr. Gemma Hinrichter OCD am 20. Juli 1989 in der Gedenkstätte Plötzensee)

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