Mittwoch, 4. November 2009

5. November – sel. Bernhard Lichtenberg

Das Grab des Seligen in der Krypta der St.-Hedwigs-Kathedrale

Bernhard Lichtenberg wurde am 3. Dezember 1875 im schlesischen Ohlau geboren. Als vorbildlich frommer Priester (Weihe 1899), Dompfarrer (ab 1932) und Dompropst an der Hedwigskathedrale (ab 1938) war er in Berlin unermüdlich und unerschrocken in Seelsorge und Caritas tätig. Wegen öffentlichen Gebets für die verfolgten Juden und Kritik an den "Euthanasie"- Morden wurde er 1941 verhaftet. Nach zweijähriger Haft schwerkrank, starb er auf dem Transport in das Konzentrationslager Dachau am 5. November 1943 in Hof. Johannes Paul II. sprach ihn als Märtyrer am 23. Juni 1996 in Berlin selig.

Am 25. Oktober 1941 gab Dompropst Lichtenberg vor der Gestapo zu Protokoll:
„Meine Einstellung zu dem heute bestehenden nationalsozialistischen Staat richtet sich nach der Einstellung des Apostels Paulus, wie sie im Römerbrief Kapitel 13 zum Ausdruck kommt. Damit will ich gesagt haben, daß ich den Staat als solchen anerkenne. Ich kann aber als katholischer Priester nicht von vornherein zu jeder Verfügung und Maßnahme, die von der Regierung getroffen wird, ja und Amen sagen. Wenn sich die Tendenz derartiger Regierungsverfügungen und Maßnahmen gegen die geoffenbarte Lehre des Christentums und damit gegen mein priesterliches Gewissen richten, werde ich meinem Gewissen folgen und alle Konsequenzen mit in Kauf nehmen, die sich daraus für mich persönlich ergeben. Das ergibt sich auch daraus, daß ich die Evakuierung [der 'Nichtarier'] mit all ihren Begleiterscheinungen innerlich ablehne, weil sie gegen das Hauptgebot des Christentums gerichtet sind: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, und ich erkenne auch im Juden meinen Nächsten, der eine unsterbliche, nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffene Seele besitzt.“
Aus seinen Aufzeichungen während der Haft:
Wir sollen alles im Lichte der Ewigkeit ansehen, beurteilen und danach handeln.
Fange also an, meine Seele, am Morgen beim Erwachen langsam und bedächtig zu sagen: Heute will ich alles im Lichte der Ewigkeit ansehen, alles, was mir widerfährt, Freudiges und Schmerzliches, Erhebendes und Niederdrückendes. Vielleicht werde ich schon nach einigen Wochen einen zweiten Vorsatz hinzunehmen, ja hinzunehmen müssen, denn ich bin schon gewahr geworden, was mich hindert: Es ist meine Ungeduld.
 
Also werde ich in Zukunft nach dem ersten Vorsatz langsam und bedächtig sagen: Heute will ich meine Seele besitzen in meiner Geduld: Ich weiß, ich werde tausendmal die Geduld verlieren, aber ich werde immer wieder den Vorsatz der Geduld erneuern. Vielleicht werde ich nach einigen Monaten wissen, warum ich schnell die Geduld verliere. Ich spreche zu schnell, das Herz liegt mir auf der Zunge, ich mache meinem Unwillen zu schnell Luft, und ich werde einen dritten Vorsatz hinzunehmen: Heute will ich in keinem Worte sündigen. Und weil ein Wort immer einen Gedanken voraussetzt, werde ich den dritten Vorsatz so formulieren: Heute will ich in keinem Gedanken und in keinem Worte sündigen. Jetzt scheint der Zirkel geschlossen. jetzt werde ich ein paar Jahre nach diesem Rezepte handeln, und wenn ich merke, daß ich immer noch nicht „amor et deliciae“ (Liebe und Wonne) meiner Umgebung, meiner Familie, meiner Kollegen geworden bin, da werde ich wieder einmal innehalten und der Sache noch tiefer auf den Grund gehen: Wer und was hindert mich? Und ich werde finden: Trotzdem und alledem, mir fehlt die rechte übernatürliche Gesinnung. Ich will mich bloß lieb Kind bei den Menschen machen und nicht beim lieben Gott. Ich möchte gern gelobt und anerkannt werden. Es ärgert mich, wenn ich getadelt, kritisiert, hämisch beurteilt werde, und so werde ich einen vierten Vorsatz hinzunehmen: Heute will alles aus Liebe tun und alles aus Liebe leiden.
Bernhard Lichtenberg sagte von sich selbst, er wolle Priester sein bis zum letzten Atemzug. In der Kathedrale feiert Herr Kardinal Sterzinsky am Gedenktag des Seligen um 18 Uhr ein Pontifikalamt.

Seliger Bernhard, bitte für uns!

Kommentare:

Maria Magdalena hat gesagt…

Danke. Das habe ich eben hier verlinkt.

Braut des Lammes hat gesagt…

Gern geschehen. Zum Standort des Tabernakels in der Kathedrale siehe auch hier http://brautdeslammes.blogspot.com/2009/07/seht-die-wohnung-gottes-unter-den.html

Das oben erwähnte Pontifikalamt hatte meines Erachtens unerwartet viele Teilnehmer.

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