Sonntag, 18. Oktober 2009

Wo man froh um seinen Schleier ist

…da ist "Nightfever". Die Anbetungsnacht Nightfever scheint von St. Adalbert in der Torstraße dauerhaft nach St. Bonifatius in Kreuzberg umgezogen zu sein. Als ich eine Viertelstunde nach Beginn der Aussetzung dort eintraf, waren sehr wenige da, als ich ging, schon etwas mehr.

Der äußere Rahmen ist schlicht und könnte nach meinem höchstpersönlichen Geschmack auch gern noch etwas schlichter sein: In der ersten Stunde sang eine Frau mit zugegebenermaßen schöner Stimme vermutlich Charismatisches zur Gitarre – leider im Prinzip ohne Punkt und Komma. Mehr bzw. längere Zeiten der Stille dürften es schon sein. Und: Leute, zieht Euch warm an – St. Bonifatius ist bitterkalt, weil sich die Heizkosten für diese Kirche wahrscheinlich kein Mensch leisten kann. Nach etwas über einer Stunde war ich denn auch – Fever hin oder her – steif vor Kälte und wollte schweren Herzens wieder los. Da wies mich einer der freundlichen jungen Leute, die vor der Kirche Vorbeigehende einladen, auf die Frage, ob es Anstoß erregen würde, wenn man sich nächstens eine Decke mitbrächte, darauf hin, daß es drinnen bereits Decken gäbe! Und genauso wars. Außerdem ergab sich gleich noch ein nettes Gespräch mit einem evangelischen Christen über die Lebensform der geweihten Jungfrauen und der Diakonissen.

Unter meiner Decke und aus mehr als einem Grunde froh um meinen Schleier habe ich dann, ohne Mühe und, wie ich später feststellte, fast bis zum Ende der dreistündigen Anbetungszeit "durchgehalten". Später am Abend sangen junge Männer in wunderschöner Weise schlichte, meditative Gesänge. Mitsingen scheint womöglich nicht nur erlaubt, sondern sogar gewünscht zu sein (auch wenns außer mir kaum eine(r) getan hat).

Am Rande bemerkt:
Mit Schleier samstagabends in der U-Bahn zu fahren und den Weg am Mehringdamm entlang zu nehmen, kostete zunächst etwas Überwindung. In meiner direkten Umgebung kurioserweise überhaupt nicht – da fällt ein Schleier mehr oder weniger nun wirklich nicht auf. Die Reaktionen, die ich mitbekommen habe, waren aber durchweg so positiv, daß ich mich frage, wieso einige Gemeinschaften einen derart reduzierten Habit tragen, daß seine Trägerinnen, wie es M. C. Lakotta so treffend ausgedrückt hat, "damit auch in die Moschee des fanatischsten Moslems eintreten könnten, ohne als Christinnen, geschweige denn als Ordensschwestern aufzufallen."

7. November, 12. Dezember – 21 bis 24 Uhr

Das Team sucht übrigens noch Unterstützer bei der Durchführung. Näheres zur Aktion und was man tun kann, unter Nightfever

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