Montag, 12. Oktober 2009

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt

Zum 20. Mal jährt sich im kommenden Jahr der Todestag von Sr. Gemma Hinricher OCD, der ersten Priorin des Karmels Regina Martyrum in Berlin (die Schwestern der Neugründung kamen seinerzeit aus dem Karmel Heilig Blut in Dachau).

Sr. Gemma, die ursprünglich in Pützchen eingetreten war, wurde auf diese Weise zum zweiten Mal Mitglied einer Neuerrichtung. Ich erinnere mich noch gut an Sr. Gemmas großen Humor, ihre – neben ihrer überragenden Gabe zur Führung von Seelen – musikalische Begabung und ihre bisweilen sehr temperamentvolle Art. Den Mauerfall und damit verbunden auch die Vereinigung der beiden Gemeinschaften der unbeschuhten Karmelitinnen in Berlin durfte sie noch erleben. Beim Gedächtnis der Verstorbenen bete ich jedesmal auch für Sr. Gemma.

Das Bild zeigt Schwester Gemma mit Joachim Kardinal Meisner 1982 bei der Unterzeichnung der Gründungsurkunde in der Krypta der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum.

Ich finde es jedes Mal bewegend, wenn ich in den Aufzeichnungen der Widerstandskämpfer aus der Haft lese, was für eine Fähigkeit zur Freude sie hatten. Sie schloss Stunden tiefer Niedergeschlagenheit und Angst nicht aus – das Notvolle ihrer Lage blieb und öffnete sich doch der Verheißung, der sie entgegengingen. Immer wieder kann man lesen, daß sie überwältigt sind von den Erfahrungen, die sie mit Gott machen, und daß sie seiner Nähe gewiß sind wie nie zuvor in ihrem Leben. Darum bricht die Freude in ihnen durch, darum sollen ihre Lieben nicht um sie trauern, als gäbe es die Herrlichkeit Gottes nicht, die sie doch schon berührt haben.

Wenn wir zurückschauen auf den Aufbruch und das Loslassen, auf die Bereitschaft zum Risiko im Vertrauen auf die Treue Gottes, auf den Mut zum Widerspruch und Widerstand gegen die Verächter von Gottes Gesetz – dann erscheinen die Freiheit und Unabhängigkeit dieser Menschen, gerade in der Gefangenschaft und in der Erwartung des Todes, nicht nur als Geschenk, sondern auch als Frucht eines Reifungsprozesses, in den sie eingewilligt hatten.

In Psalm 126 heißt es: Stelle Du, Jahwe, uns wieder her so wie die Wadis im Negev! Nicht um die Wiederherstellung des Zion geht es dem Beter hier, sondern „um uns“, das ist zunächst die Gemeinschaft der Zionspilger, sodann sicher auch jede Gemeinschaft, jede Gemeinde, ja jeder Einzelne, die unterwegs sind auf dem Weg. (aus einer Predigt in der Gedenkstätte Plötzensee am 20. Juli 1989)

Der stille Innenhof des Karmels Heilig Blut in Dachau

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