Montag, 26. Oktober 2009

Labyrinthisches

Wer wissen will, wie ich so manchen Tag verbringe: ich irre hier herum. Selbiges Gebäude gehört zu einer hiesigen Universität und ist ein schönes Beispiel dafür, daß manche Architekten oder Gebäudeplaner offenbar wirklich nicht alle auf dem Sender haben.

Alle Jahre wieder suche ich dort auf der Spur wichtiger Dokumente den Raum 1.1.10. Weiß man, daß sich die Treppenhäuser in Zylindern hinter Türen befinden, die von der Flurseite so aussehen, als führten sie in einen Innenhof, und hat man erst einmal einen solchen Zylinder gefunden, kommt man in erstaunlich kurzer Zeit in den ersten Stock. Soweit so gut. Was sich dann allerdings an Abgründen auftut, läßt mich jedesmal wünschen, ich hätte einen Zettel mit genauer Angabe hinterlassen, wo ich hingegegangen bin und einen Beutel mit Brotkrümeln mitgenommen.

(Neulich suchte ich übrigens einen alten Professor in einer ursprünglich sehr schönen Villa – es war ein Szenario, genau wie man es in alten Horrorfilmen immer sieht: schwarzweiß gefliester Boden, Spinnweben und hinter jeder verstaubten Tür hätte Bela Lugosi hervorkommen können. Es fehlte nur noch die Begleitmusik vom Harmonium.)

Von einem endlosen Flur, der die Länge des Gebäudes durchmißt und den Charme einer Grundschule der 70er Jahre verströmt, zweigen andere endlose, zudem dunkle und verwinkelte Gänge ab, die in die Breite, Tiefe und Irre des Gebäudes führen. Teilweise sind sie auch mit Büromöbeln völlig zugebaut. Ob darunter noch Menschen liegen, konnte ich nicht herausfinden. Die Räume haben Zahlenbezeichnungen, bis hin zu vier oder fünf Stellen nach dem Punkt. Hat man erst einmal eine Abzweigung gefunden, die ungefähr passen könnte – 1.1 statt 1.2 – wagt man sich auf passender Höhe in eine der Abzweigungen hinein. Dort geht es dann völlig irrsinnig weiter: Raum 1.1.29 liegt vornean gegenüber von 1.1.1. Demzufolge müßte sich der gesuchte Raum 1.1.10 also irgendwo in den Tiefen dieses Flures befinden. Weit gefehlt! Auf einige Räume mit passender Zählung folgt völlig willkürlich so etwas wie 1.1.47, und schließlich stellt sich heraus, daß 1.1.10 in einem der parallelen Flure liegt.

Auf dem Weg hinaus tröstet mich ein überaus netter jungscher Mensch, er habe drei Jahre gebraucht, bis er sich nicht mehr verirrt hätte, und alles ist wieder gut. Wenn ich einmal keine Lust haben werde, etwas zu tun, sage ich einfach, ich bin im Raum 1.1.10 etwas holen gegeangen. Wer soll mich dort schon suchen – oder finden?

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