Montag, 19. Oktober 2009

Haltet ein – 's ist noch nicht an der Zeit!

Zu Florians Beitrag Ja, is denn jetzt scho Weihnachtn? fiel mir ein Blogrelikt von 2006 wieder ein. Seit damals hat sich eigentlich nur geändert, daß es außer im Böhmischen Dorf nunmehr gar keine Adventsbeleuchtung mehr gibt – die im Böhmischen Dorf ist natürlich über jeden Vergleich erhaben. Ich weiß schon, das mit der fetten Taube hätte einfach nicht kommen dürfen! ;)

Also, irgendwie ist es ja seit ca. 2000 Jahren jedes Jahr das Gleiche: Weihnachten naht.

Vor das Weihnachtsfest haben die "Erfinder" aber das Erntedankfest, Allerheiligen, Allerseelen, den hl. Martin, den Buß- und Bettag, Totensonntag, Christkönig und schließlich den Advent gestellt. Dann war da irgendwie auch noch der Volkstrauertag.

Gab man sich früher™ noch der stillen, neblig-grau-goldenen Novemberstimmung und der damit einhergehenden Gräbersegnung bzw. dem Anbringen moosiger Gestecke – unter dem Absingen von "Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist der Menschen Leben..." hin und freute sich auf den 1. Advent und einen Papieradventskalender mit Silberglitter drauf (bitte keinesfalls einen ohne!) – so macht man heute im Oktober einen Satz mitten rein ins Dolle:

Die adventlichen Beleuchtungskörper werden am 3. November(!) angebracht. (Im Stern sitzt übrigens nun schon das zweite Jahr eine fette Taube. Was will uns der Dichter damit sagen? Hat er Pfingsten mit dem Advent verwechselt? Ist's womöglich eine Pfingstbeleuchtung, die einfach noch ein wenig früher dran ist? Wir wissen es nicht und wollen es auch nicht wissen). An der Ecke gegenüber der Kirche zum hl. Bernhard ist seit Anfang November ein Schild, daß es Weihnachtsbäume nun ein paar Meter weiter gäbe – aus dem Grab des hl. Bernhard sind erste Rotationsgeräusche zu vernehmen –, und Karstadt grüßte letztes Jahr noch vor Totensonntag mit Fröhliche Weihnachten! In der Abendschau wird über das Schlagen einer wundervollen 80jährigen Tanne für den Breitscheidplatz berichtet – der letzte Baum stand dort übrigens in vollem Schmucke bis in die Fastenzeit hinein und hält damit einen neuen Rekord. Im Kaufhaus dagegen werden Lametta, Engel und Kugeln noch am Heiligen Abend entfernt und die Faschingsdeko (für Silvester gleich mit) angebracht. Im Reisebüro sitzen im Advent rosa und blaue Osterhasen im Fenster, die auch schon fleißig Eier gelegt haben.

Liebe Verrückte, wer auch immer sich angesprochen fühlt: ich will das nicht. Ich will Herbst, wenn Herbst angesagt ist, und damit auch den herbstlichen Festkreis. Vor Totensonntag mag ich keinen Lebkuchen sehen (und am liebsten auch keinen Osterhasen vor dem Ostersamstagnachmittag). Nicht nur, daß es sich aus liturgischen Gründen føllich falsch anfühlt, man zerstört sich damit den "Kranz des Jahres" und den damit einhergehenden Rhythmus von Aktion und Ruhe. Die Feste zu feiern, "wie sie fallen" heißt, sie auch nur dann zu feiern, wenn sie fallen – nicht schon Monate vorher. Ansonsten könnten wir im Anschluß an Ostern eigentlich gleich die Weihnachtsbeleuchtung rausholen, oder nicht, oder wohl – oder doch?

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