Donnerstag, 29. Oktober 2009

Christussymbole (6)

Und vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall. Und in der Mitte, rings um den Thron, waren vier Lebewesen voller Augen, vorn und hinten. Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das vierte glich einem fliegenden Adler. Und jedes der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen und innen voller Augen. Sie ruhen nicht, bei Tag und Nacht, und rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung; er war und er ist und er kommt. Und wenn die Lebewesen dem, der auf dem Thron sitzt und in alle Ewigkeit lebt, Herrlichkeit und Ehre und Dank erweisen, dann werfen sich die vierundzwanzig Ältesten vor dem, der auf dem Thron sitzt, nieder und beten ihn an, der in alle Ewigkeit lebt. Und sie legen ihre goldenen Kränze vor seinem Thron nieder und sprechen: Würdig bist du, unser Herr und Gott, Herrlichkeit zu empfangen und Ehre und Macht. Denn du bist es, der die Welt erschaffen hat, durch deinen Willen war sie und wurde sie erschaffen. (Offenbarung 4,6-11)

Neulich erst fiel mir auf, daß die den vier Evangelisten zugeordneten Symbole jedes für sich wiederum auch Christussymbole sind, weshalb Darstellungen, bei denen Christus von den Symbolen der Evangelisten umgeben ist, in mehr als einer Hinsicht passend erscheinen. Aber auch den vier Glaubensgeheimnisse der Menschwerdung, des Opfertodes, der Auferstehung und der Himmelfahrt wird jeweils eines dieser Symbole zugeordnet.
  • Das Markusevangelium beginnt mit der Stimme Johannes des Täufers, des Rufers in der Wüste. Darum wird dem Evangelisten Markus der Löwe als Symbol zugeordnet.
  • Das Lukasevangelium beginnt mit dem Opfer des Zacharias im Tempel. Sein Symbol ist darum der Stier.
  • Das Johannesevangelium beginnt mit dem Prolog – diesem Aufstieg zur Kontemplation entspricht der Adler als Symbol des Johannes.
  • Das Matthäusevangelium beginnt mit dem Register des Geschlechtes Jesu, symbolisiert durch einen Menschen oder Engel.

Der Löwe ist in der Mythologie der König der Tiere. Christus wird als der Löwe von Juda bezeichnet. In der Mythologie wird berichtet, daß der Löwe seine totgeborenen Jungen nach drei Tagen durch Anhauchen zum Leben erweckt.

Die Tatkraft und die herrschaftliche Macht des Löwen stehen für die Auferstehung Christi von den Toten., zugleich ist ein brüllender Löwe ist auch das Sinnbild der Auferweckung der Toten durch Christus.

Der Adler, der König der Lüfte, gilt als stärkster Vogel, der am höchsten fliegt, die schärfsten Augen besitzt und den selbst die Sonne nicht blenden kann. Er steht für Gottes Macht, Liebe und allgemein für Jugend und Stärke des Glaubens. Zugleich ist er ein Symbol der Himmelfahrt Christi.

Da der Adler beim Aufstieg direkt in die Sonne blickt, ist er auch Sinnbild der Kontemplation und spiritueller Erkenntnis. Die Mythologie berichtet von der Verjüngung des Adlers, der, wenn seine Kräfte nachzulassen beginnen, in den Strahlenkranz der Sonne fliegt, um dort seine alten Fittiche zu verbrennen und die Augen von aller Düsternis zu reinigen. Danach wird er durch dreimaliges Eintauchen in eine Quelle wieder jung. Schon früh wurden solche Geschichten auf Taufe, Gericht und Buße bezogen. Wenn der Christ nach dem Vorbild des Adlers das Gewand des alten Menschen ablegt und die stumpfgewordenen Augen des Herzens der Sonne der Gerechtigkeit aussetzt, hat er die Verheißung, zur neuen Schöpfung zu werden (J. Sell).
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler. (Ps. 103, 2-5)

Schon im Alten Testament galt ein junger Stier als edelstes Opfertier, das in der Hingabe einem Menschenleben gleichzusetzen war. Der Stier ist deshalb das Symbol des Opfertodes Jesu Christi am Kreuz. Im Taufunterricht des frühen Christentums wurden die Taufbewerber am Beispiel des Stiersymbols angeleitet, sich selbst zum Opfer zu bringen, die Lüste der Welt zu überwinden und das eigene Kreuz auf sich zu nehmen.

Die geflügelte Menschengestalt – die Gestalt dessen, zu dem Christus für uns geworden ist: wahrer Mensch und wahrer Gott.

Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt. (Jochen Klepper)

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...