Samstag, 3. Oktober 2009

Beten – warum grad wir?

Da rief der Herr den Samuel und Samuel antwortete: hier bin ich!  (1. Sam 3-4)
Liebes $Gremium von St. Himmelhilf,
es hat mich bestürzt, aus dem letzten Protokoll der $Gremiumssitzung zu erfahren, daß mein Vorschlag, im Priesterjahr – ähnlich wie während der Aktion Vierzig Tage – wiederum eine Gebetsstunde um Priesterberufe in St. Himmelhilf abzuhalten, mit den dürren Worten zurückgewiesen wurde, das $Gremium „sieht hier das Bistum in der Verantwortung“. Irgendwie war mir so, als hätte der Heilige Vater uns alle zum Gebet um neue priesterliche Berufungen aufgerufen, und der Herr selbst hätte so etwas gesagt wie Bittet, so wird euch gegeben.

Natürlich kann jeder Gläubige das seine dazu tun und als Einzelner beten, aber es ist doch auch ein schönes Zeichen, wenn man solches in Gemeinschaft, in der Pfarrgemeinde tut. Wie soll denn das künftige Leben in den Pfarrgemeinden aussehen, wenn es uns an priesterlichen Berufungen mangelt?
Natürlich muß es schon spät gewesen sein, als dieser drittletzte Tagesordnungspunkt drankam, und es lagen schließlich Steaks auf dem Grill, trotzdem offenbart er eine mangelnde Hochschätzung sowohl des Gebets als auch des priesterlichen Dienstes:
Da rief der Herr den Samuel und Samuel antwortete: ich glaub, da ist das Bistum zuständig.
Im Prinzip ist diese lustlose Haltung nichts Neues: da gab es im letzten Jahr ein zähes Ringen im $Gremium, weil zum Patrozinium das Pfarrfest mit einer Anbetungsstunde und liturgischen Vesper abgeschlossen werden sollte, wie es früher immer war. Schließlich gab es widerstrebend die Anbetungsstunde, die Vesper dagegen nicht, weil: „Gebetet haben wir schon morgens genug, da reicht ein kurzer Impuls!“ Außerdem „lohnt sich das nicht, wenn vielleicht nur 10 oder 20 Leute kommen“. Meine schlichte Frage, wieso es sich nicht lohne, wenn 10 oder 20 Leute – horribile dictu! – beten möchten, blieb leider unbeantwortet. Ich meine, wenn ich persönlich am Nachmittag fände, mir reichte es, dann bräuchte ich ja nicht zur Vesper zu gehen. Aber sie mit diesem Argument auch gleich von vornherein allen anderen zu verwehren?

Da fällt ausgerechnet in der Karwoche der tägliche Kreuzweg aus, weil genau zu dieser Zeit in der Kirche anderes stattfinden muß, wie etwa eine Chorprobe oder ein Orgelkonzert für einen höchst privaten Kreis. Die Pfingstnovene ist sang- und klanglos in der Versenkung verschwunden. Solche Dinge bestürzen, wenn sie von verantwortlicher Seite kommen: die Liturgie und das Gebet haben vorzugehen, wozu finden wir uns sonst eigentlich in der Kirche vor dem Angesichte Gottes ein?
Frömmigkeit an sich scheint out, manchesmal geradezu tadelnswert, was schmerzt, wenn der Tadel aus den eigenen Reihen kommt. Da hört man Sentenzen wie, Frömmigkeit gehöre nach Hause, nicht auf die Kirchenbank. Ginge es vielleicht noch etwas säkularer?

Da ich mich die meiste Zeit sowieso frage, was gerade ich im $Gremium eigentlich soll – liegt doch einer unserer thematischen Schwerpunkte in der „Gestaltung von Festen“ – könnte ich die weitere Verschwendung von Zeit, die man wirklich besser für das Gebet nützte, womöglich vermeiden, indem ich mich aus dem besagten Gremium zurückzöge. Alternativ suche ich mir in der Sakristei eine Kredenzkante zum kräftigen Hineinbeißen.

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Difficile est ...

Braut des Lammes hat gesagt…

Hier mußte ich mich erstmal weiterbilden… 8)

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